Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1842)
- Date
- 1842-10-29
- Page
- Seite 650 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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650 15jährige Bestehen unserer Schule liefert, wahrend bereits so mancher tüchtige Gelehrte, der seine erste Bildung in derselben erhalten, sich nach anderen Orten gewendet, das erfreuliche Resultat, daß seit Michaelis d. I. einer ihrer ehemaligen Zöglinge, ein geborner Strelitzer, Herr Dr. D. Sanders, bekannt durch schöne Uebertragungen Neugriechischer Volks- und Freiheitslieder, die an derselben erledigte Oberlehrerstelle angetreten, wie schon seit einigen Jahren die Stelle einer Lehrerin durch eine hiesige ehemalige Schülerin derselben besetzt ist. Detmold, 9. Oktober. Ein in diesen Tagen erschienener Entwurf einer Städteordnung, welcher den nächsten Landständen vorgelegt werden soll, sagt in §. 35. „Schutzjuden gehören zur Klasse der Schutzverwandten und sind vermöge des landesherrlichen Geleits zur Niederlassung berechtigt. Die Erwerbung bürgerlichen Grundeigenthums {bleibt ihnen unbenommen." Pr eußen. Köln, 9. Oktober. Die Rhein. Zeitung enthält folgenden Artikel aus Berlin:. Wieder ein neuer Publizist will die Reise um den Staat machen. Challier u. Comp. Hieselbst heißt der Rheder, und die Fracht: „Aus den Papieren eines Berliner Bürgers. Berliner? Warum nicht Treuenbrietzner oder Kyritzer? Nach dem Inhalte eben so gut. Auf einem halben Bogen tritt auf: „No. I. Die Judenfrage." Der Verfasser hat Angst vor den Juden; natürlich: „Die Kanickel fangen immer an!" Mit folgendem Anlauf stürzt er sich in die Sache: „Es gibt Juden! Das ist eine große Wahrheit, die wir Alle, kennen —; und wir seufzen, wenn wir daran denken. Unsere Voreltern hätten die Juden entweder gar nicht oder minder tyrannisch unter weisen Beschränkungen aufnehmen sollen." Wohl zu merken: man muß Maß halten in der Tyrannei, sie muß eine weise sein. — Dem Vers, sind die „Deklamationen" der Zeitungen für die Juden zuwider. „Die Juden verlangen Humanität von den Christen, und ich frage: verweigert sie ihnen denn irgend ein billig Denkender unserer Zeit?" Gewiß nicht; aber die „unbillig Denkenden" thun es. Das eben ist ja so überaus anstößig, daß die Staatsgewalt sich nicht entschließen kann, dem Lichte der Zeit sein Recht zu verstatten. Auf Humanität übrigens, oder gar Gnade, brauchen die Juden sich nicht zu beziehen; sie können als Söhne ihres Vaterlandes und als zu den Lasten des Staats tüchtig Herbeigezogene ihr gutes Recht verlangen. — „Im Allgemeinen besitzen die Juden bis zum heutigen Tage weiter keinen Patriotismus, als den jüdischen. Man frage einen polnischen, deutschen oder französischen Juden, was er sei, und wenn er sonst nicht Gründe hat, es zu verläugnen, so wird er sagen: Jude." Den Franzosen betreffend, ist dies nicht wahr; in Frankreich rechnet es sich auch der Jude zur Ehre, Franzose zu sein. Dort hat das Gesetz in wenigen Jahrzehnden die Pöbelhaftigkeit der „christlichen" Sitte verwischt: der christliche und der jüdische'Mensch, beide sind gleich tüchtige Staatsbürger. In den Ländern dagegen, wo der Jude gedrückt ist, woher soll er seinen „Patriotismus" nehmen? Soll er in Polen und Ungarn Hochherzigkeit lernen? Etwa von seinen dornirten Unterdrückern? In mehr gesitteten Ländern jedoch, wie Deutschland, fühlt auch der zurückgesetzte Jude, daß er ein Vaterland hat. Haben nicht auch Juden für dasselbe die Waffen ergriffen? Der Vers, sollte seine Aeußerungen reiflich überlegen, ehe er sie drucken läßt. — Die Besorgnisse vor einer „Aristokratie der Kinder Israels" sind sehr ergötzlich. „Sie sind schon so übermüthig geworden, daß sie auf unfern Rücken spazieren reiten möchten." > Es ist fürchterlich! Was soll daraus werden, wenn fast 15 Millionen christlich-preußische Pferde in den Marstall von kaum 200,000 Juden kommen? Unser einziger Trost ist: Nach uns die Sündfluth! „Vermöge der Vetterschaft, des Zusammenhaltens, ihres Reichthums und anderer bekannten Eigenschaften, wissen sie sich überall vor- und die Christen zurückzudrängen." Die armen Christen! Mit allen ihren Privilegien und gewaltigen gesetzlichen Vorsprüngen lassen sie sich von den Juden zurückdrängen! Der Christ mit der Pistole wird vom Juden mit dem Stocke erschossen! — „Besonders thätig zeigen sie sich jetzt in Preußen, durch allerlei Schönrednerei die weisen Bestimmungen des zu erwartenden neuen Judengesetzes zu bekämpfen, welche ihnen nicht besonders günstig, aber bei dem Stande der Dinge nvthwendig für das Wohl der christlichen