Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1842)
- Date
- 1842-10-29
- Page
- Seite 649 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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649 an dieser Schule, den Dr. Leviseur, und am vergangenen Sonnabend hielt Dr. Liepmann, wie wir hören, von Frankfurt, einen öffentlichen Vortrag in der Synagoge, der Vieles zu wünschen übrig ließ, und für welchen nun auch Stimmen gesammelt werden. Das eigentliche Sachverhältniß ist aber folgendes: Die ganze hiesige israelitische Schulcinrichtung ist eigentlich nur eine Armenschule, bestehend dermalen aus dreißig Schülern, worunter drei halbes Schulgeld entrichten. Damit ist nun eine sogenannte Schullehrer-Bildungs-Anstalt verbunden, worin sechs Zöglinge sich befinden. Dafür sind bereits vorhanden: drei wirkliche Lehrer, wovon der erste 245 Thlr., der zweite 150 Thlr. und der dritte 72 Thlr. Gehalt beziehen. Die beiden ersteren haben außerdem seit einigen Jahren noch jährlich 50 Thlr. Gratifikation erhalten. Daneben sind nun noch vier Hülfslehrer beschäftigt, so, daß wenn man nun noch Lokalmiethe und sonstige Bedürfnisse hinzurechnet, im Verhältniß zur Schülcrzahl, dies eine der kostbarsten Anstalten ist, die wol irgendwo existiren, zudem wenn man noch den Gehalt für einen Oberlehrer mit 4—5)00 Thlr. hinzurechnet. Schon längst wurde dieser Uebelstand auch hart empfunden und bereits auf dem Landtage von 18^ befand sich dieser Gegenstand unter den Desiderien, welche die Israeliten damals vorbrachten; aber vergebens. Es sind zwar seitdem wieder 10 Jahre verflossen und in diesem Zeiträume sind über die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit des Instituts keine günstigere Resultate erwachsen. Da das gesammte hiesige städtische Schulwesen jetzt eine völlige Umwandlung und Reform erleidet, so wäre wol am zweckmäßigsten, wenn auch diese Schuleinrichtung damit dergestalt vereinigt würde, daß die israelitische Gemeinde nur einen Religionslehrer bestellte, welcher der Schuljugend den nöthigen Unterricht darin ertheilte. Auf solche Weise könnten die Israeliten von ihrer Schulden- und Abgabenlast einigermaßen erleichtert werden. Strelitz, im Oktober. (Privatmitth.) Die letzte Zeit, fast überall im deutschen Vaterlande, wenn auch nur meist erfolglose Anregungen einzelner durch Geist oder Amt hochstehender Männer zu einer bessern Gestaltung der jüdischen Verhältnisse bringend, ist für die Israeliten Mecklenburgs, wenigstens für die den Strelitzschen Antheil Bewohnenden desselben, fast spurlos vorüber gegangen. Das Schutzverhältniß dauert fort, mit ihm vielfache Beschränkungen im Handel, eben so Ausschließung vom Erlernen der Handwerke, das Verbot des freien Umzugs u. s. w. Aber bei alle dem fehlt es nicht an Auszeichnungen Einzelner und wir haben diese jedenfalls dankbar als ein Zeichen wohlwollender Gesinnung unserer hohen Landesregierung anzuerkennen, die nach dem Eifer, mit dem sie noch immer unsere Interessen gefördert, nicht zweifeln läßt, daß sie auch im Ganzen und im Großen bessern möchte, wenn sic vielleicht nicht die Monopolien ihrer christlichen Unterthanen, Zunftwesen u. dgl. zu verletzen befürchtete. So hat erst vor Kurzem unser Großherzog den ehrwürdigen hiesigen Vice-Landrabbiner, Herrn V. Scheyer Eliasohn, bei Veranlassung seines 70sten Geburtstages zum Landesrabbinen ernannt; so erhielt auch wie früher unsere öffentliche und Freischule alljährlich durch die Gnade des Großherzogs ein Geschenk von 15)0 Thlr. in Gold und erst vor einigen Monaten erfreuere sie dieselbe abermals durch eine bedeutende Gabe Zwecks des Ausbaues des Schulhauses. So melden alle Gemeinden des Landes durch die hohe Landesregierung wohlwollend geschützt; so hat namentlich die unsrige, die Hauptgemeinde, sich der thätigsten und humansten Theilnahme Seitens derselben zu erfreuen. Mag immerhin die bisherige politische Stellung der israelitischen Einwohner Mecklenburgs noch eine Zeit lang fortdauern, — wir unsererseits getrösten uns des und erkennen es in seiner ganzen Wahrheit, daß bei fortdauerndem, nicht erkaltendem Streben unserer Gemeindemitglicder und deren Vorstande, ihre Anstalten zur Förderung des Wissens und des Glaubens, wie die der Armenunterstützung gewidmeten Institute, deren eines, der Verein zur Unterstützung hilfloser Familien, in diesen Tagen das 25jährige Jubiläum seines stillen, aber segensreichen Wirkens feiert, zu erhalten und ihren etwanigen Mangeln abzuhelfen, die Emanzipation — wo nicht hervorgerufen wird, doch gewiß, wenn sie mit ihren belebenden Strahlen eintritt, — und unser menschliches Jahrhundert wird sie auch bei uns begründen — ihre heilsamen Folgen von vorne herein verbreiten wird. Mit Fleiß und Eifer wird daher an der Erziehung der Jugend gearbeitet, und das nunmehr