Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1842)
- Date
- 1842-10-29
- Page
- Seite 648 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225272--04765-3314375- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
648 Die Vorfälle zu Damaskus und Nhodus werden i ferner unsren Kindern lehren, daß Israel seine Feinde weder mit dem Schwert noch Speer besiegt, sondern mit dem heiligen Worte Gottes, welches dasselbe auf seinen Lippen trägt. Ich freue mich ungemein, ehrwürdiger Herr, daß meine Brüder in Israel die traurigen Begebenheiten von Damaskus aus eben demselben Gesichtspunkte ansehen, wie ich; denn die beiden herrlichen Gemälde, welche die Deckel der Adresse zieren, zeigen mir Moses und Josua, die beiden hehren Helden unsrer Nation, deren Kraft in der treuen Anhänglichkeit an der göttlichen Lehre bestand, während auf der andern Seite unsre traurenden Brüder, wie sie an den Ufern von Babylon's Wassern sitzen, um die Zerstörung Jerusalem's weinend, sichtbar sind, was hinwiederum durch Jsrael's Stolz und Hochmuth herbeigcführt worden, da es nicht genugsam in sich ausgenommen und in die Gemüther ssciner Kinder verpflanzt, daß der ewige Quell all' unsrer Glückseligkeit allein „der Gott Jsrael's" ist; und ich bezweifle nicht, daß die ehrenwerthen Unterzeichner sich stets bestreben werden, diese heilsame Lehren, welche sich jener Begebenheit im Osten entnehmen lassen, den Herzen ihrer Kinder einzuprägen. Nehmen Sie meinen herzlichen Dank für Ihre gütige, für mich so schmeichelhafte Ansprache an; welche Meinung Sie auch von meinen schwachen Bemühungen haben, ich für meinen Theil kann dem Allmächtigen nur danken, der in seiner Höhe mich so glücklich gemacht, meinen Brüdern in einem gewissen Grade nützlich zu sein. Die beiden Gemälde, das eine von der Hand eines unsrer Brüder, des berühmten Professor Oppenheim, werden stets vor mir als eine freundliche Erinnerung an die humanen und religiösen Gefühle unsrer Brüder in Deutschland stehen. Es ist eine Quelle großer Befriedigung für mich, unter der großen Zahl der Unterzeichner die Namen mehrerer ehrenwerthen Herren christlichen Glaubens zu finden. In diesem gesegneten Lande haben wir viele glorreiche Beispiele der brüderlichen Gefühle gegen uns; aber es entzückt mein Herz wie Viele unsrer Brüder, zu sehen, daß ähnliche Empfindungen auch bei unseren Mitbürgern in Deutschland statt finden. Ich kann Gegenwärtiges nicht schließen, ohne meine Bewunderung für die kalligraphische Geschicklichkeit, welche durch die ganze Adresse sichtbar ist, auszudrückcn; sagen Sie dem Herrn Philipp, Schreibelehrer an der Talmud-Tora zu Hamburg, meinen Dank. Dank dem Allmächtigen, das ist ein eingeborner Segen, welchen kein Despot Israel rauben kann, die ausgezeichnete Gelehrsamkeit in vielen unsrer Brüder in jedem Zweige der Wissenschaft und Literatur durch ganz Europa, welches auch die weltliche Stellung in bürgerlicher Beziehung sein mag; sie lassen sich niemals zurückhalten, Reichthümer des Geistes zu sammeln; und so mögen wir Alle dem glücklichen Tage entgegenschauen, den der Prophet Zacharias beschreibt: „An selbigem Tage ergreifen zehn Mann von allen Zungen deiö'Völker den Zipfel eines Juden, sprechend: wir wollen gehen mit Euch, denn wir haben erkannt, daß Gott ist mit Euch." Lady Montesiore, die geliebte Gefährtin in allen meinen Bestrebungen, vereinigt mit mir den tiefgefühltesten Dank für die gütigen Wünsche unsrer Brüder, und Beide bitten wir Sie, ehrwürdiger Herr, sie zu versichern, daß ihre Namen nie aus unserm Gedächtniß verlöschen werden. Der ich die Ehre habe zu sein, verehrter Herr, mit größter Ehrfurcht und Achtung, Sr. Ehrwürden, Ihr Hrn. Rabbinen vr.Philippson ergebner in Magdeburg. Moses Montesiore. Deutschland. Kassel, 4. Oktober. (Fr. Journ.) Wie wir Gelegenheit hatten, genaue Erkundigungen einzuziehen, so beschäftigt man sich in der hiesigen israelitischen Gemeinde jetzt gerade auch ganz außerordentlich mit Wählen. Vor mehren Jahren starb der Oberlehrer in dieser Gemeinde, ein anerkannt tüchtiger Schulmann, der vr. Büdinger, und die Stelle war bisher noch unbesetzt. Von Seiten der Regierung soll aber besonders darauf gedrungen werden, daß dafür wieder ein geeignetes Individuum bestellt werde. An Bewerbern fehlt es nicht. Einige angehende, der Rechte sich befleißigende junge Leute sammeln Unterschriften für den jetzigen zweiten Lehrer