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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-10-22 · Heft 43 (22.10.1842) · p. Seite 639

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 43 (22.10.1842)
Date
1842-10-22
Page
Seite 639 (sequence 11)
Language
German
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Das erste Grab. Schon ein'ge Zeit lag Abel da. Von Bruders Hand erschlagen; Doch ward das Elternpaar nicht müd', Zu weinen und zu klagen. Es saß bekümmert bei der Leich' Und ließ die Thränen rinnen, Sie wußten nicht, was mit dem Sohn Sie sollten nun beginnen. Sie hatten ja noch nicht gelernt, Das Todte zu versenken, Und vo,n dem Grab hinweg den Blick Jn's Leben frisch zu lenken. — Da endlich flog ein Rabe her Und legte ein^r Sprossen, Der gleichfalls ihm gestorben war Bor beide Leidgenossen. Und grub ein Grab und legte drein Mit Sorgfalt seinen Tobten, Und scharrte wieder drüber hin Den aufgewühlten Boden. „Wir wollen," sagte Adam jetzt, „Es machen, wie der Rabe, Und unsern hingeschiednen Sohn Vertrauen auch dem Grabe." Sie gruben nun ein tiefes Grab In die noch neue Erde Und legten ihren Sohn darein, Daß Ruh' im Grab ihm werde. Dem Raben aber hat der Herr, Weil Adam er belehret. In seiner Allbarmherzigkeit Auch seinen Lohn gewähret. Wann seine Brut er schnell verlaßt In Angst und innerm Bangen, Weil er voll Schreck sie weiß erblickt Und meint, es seien Schlangen, Dann nimmt der Herr sich ihrer an Auf seine gnäd'ge Weise, Und giebt derselben ihren Trunk, Giebt reichlich ihr die Speise. Und wann der Rab' zum Himmel schreit Und Regen laut begehret, Dann ist es wieder Gott, der ihn Im Himmel gleich erhöret. — Magdeburg, 3. Oktober. Angekommen: Wilde Blumen. Dichtungen von Joseph Mendelssohn Leipzig, 1843. Der Name dieses Schriftstellers ist den Freunden der belletristischen Literatur nicht mehr unbekannt, und interessirt Jeden, der für den Entwickelungsgang eines sich selbst herausarbeitenden Mannes Theilnahme empfindet. Die vorliegende Sammlung lyrischer Gedichte enthält viel Gelungenes, und zeichnet sich durch tiefe Empfindung und treffenden Ausdruck, weniger durch überraschende Wendungen aus. Da der Verfasser noch nicht zu einer festen Lebensstellung kommen konnte, so ist auch diese Gedichtsammlung zur Förderung des Mannes zu empfehlen. Es befinden sich in derselben auch einige Gedichte, die uns betreffen. Mit einigen, wie „Israel," „An viele deutsche Juden," können wir nicht einverstanden sein, obgleich bei Dichtern die augenblickliche Laune nicht zu übersehen ist. Im „Israel" wird das Wesen und der Beruf des Judenthums völlig verkannt, und sein äußeres Schicksal höchst einseitig aufgesaßt. Im „An viele deutsche Juden" der Geist des Tages zu warm empfohlen. Ferner: „Ein Zeuge alter Tage" ist Phantasiegebilde ohne tiefern Gehalt. Treffender ist der „Kampf," und vortrefflich „An Franz Dingelstedt," aus welchem wir Folgendes hervorheben. An Franz Dingelstedt. „Geht, sperrt sie wieder in die alten Gassen, Eh' sie euch in ein Chriftenviertel sperr'n." (Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters.) „Wenn uns mit rohem Wort der Pöbel schmähet, Verjährten Haß uns speit in's Angesicht, Um das der Leiden eisig Stürmen wehet, Wir schreiten stumm dahin — es schmerzet nicht. Doch, wenn des Geistes Auserwählter Einer, Deß Lied wie heil'ger Orgeldonnec dröhnt, Und wieder dann melodischer und reiner Denn Flötenklang im Abenddämmecn, tönt, Nachbe'tete, was der rohe Haufe brüllet, Wenn seine Muse zur Meduse wird, Im düstern Wahnwitz seine Harfe schrillet, Der Fesseln Wunsch in seinem Liede klirrt:

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