Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1842)
- Date
- 1842-10-22
- Page
- Seite 638 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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638 wirkt haben, sondern sie wegen Verbrechen verloren, welche Fanatismus im Bunde mit Habsucht Einzelnen andichtete und darein die Massen solidarisch verwickelte." — Auf gleiche Weise wird die Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren besprochen. — Das zweite Buch handelt von den Juden in Oesterreich „vom Standpunkte des Rechts." Nachdem hier auf lichtvolle, wenn auch hie und da etwas oberflächliche Weise die Anschuldigungen des Judenthums und der Juden zurückgewiesen, hingegen auf, den Juden eigenthümliche Tugenden, wie Glaubenstreue, Kindes- und Elternliebe, Mitdthätkgkeit und Mäßigkeit, hingewiesen worden: werden die Beschwerden der österreichischen, böhmischen, mährischen, schlesischen und gallizischen Juden durchgenommen, und zwar 1) die Entbehrung wesentlicher Staatsbürgerrechte, als a) des Ansiedelungs - und Auswanderungsrechtes, b) die Beschränkung in physischer Existenz, Religionsübung, Unterricht und Bildung, c) Beschränkung des dinglichen Sachenrechts, 6) der Ortsbürger-, Gewerbs- und Handelsrechte, e) der Anstellungsbefähigung- 2) die außerordentlichen Lasten, wie: die Bolletentaxe, Toleranzsteuer, die Judensteuer, die Vermögens- und Familiensteuer, Domestikalsteuer, der Verzehrungssteueraufschtag, 'der Kontributionszuschlag, die Koscherfleischgefalle, der Lichtzündaufschtag ff.-Auf dieses Kapitel machen wir alle die Emanzipationsgegneo aufmerksam, welche sich die humanen Hände reiben, wie viel bereits den Juden nachgelassen sei. Die folgenden Kapitel weisen nun auf höchst schlagende Weise nach, wie alle diese Lasten und Beschränkungen mit den in Oesterreich anerkannten Rechtsprinzipien selbst kollidiren!!!— Das dritte Buch behandelt „die Juden in Oesterreich vom Standpunkte des Staatsvortheils." Erster Abschnitt: staatswirthschaftliche Bedeutsamkeit der Juden und ihr Einfluß auf die Staatswohlfahrt. Im ganzen Kaiserstaate: 667,139 Juden. Es werden hier nun die Juden als Handwerker, Ackerbauer, Kaufleute und Industrielle, der Künste und Wissenschaften Beflissene in Betracht gezogen, und alles Löbliche und Rühmenswerthe hervorgehoben. Zweiter Abschnitt: Nachtheile der Rechtsbeschränkungen. Es wird hier ein Auszug aus der Schrift Cattaner's sulle Interdizione israelische, Milano 1836 gegeben, der beweisen wollte, daß die Beschränkungen am Ende den Juden materielle Vortheite brachten; obgleich sich der Verf. selbst hiegegen erklärt, ist der ganze Abschnitt der schwächste im ganzen Buche, da hier vom materiellen wie intellektuellen Standpunkt die schweren Folgen harter Bedrückung bei einer halben Million Menschen um ihres Glaubens willen nachdrücklich hervorzuheben waren; hier war es, wo der Verf. etwas warm hätte werden sollen. Dritter Abschnitt: Politische Gründe für die Aufhebung der Rechtsbeschränkungen, wo im Allgemeinen und Besondern die Einwände beseitigt werden. — Dies ist der Inhalt des trefflichen Werkes. Die Gegner beklagen sich so häufig, daß die Juden in ihren Schriften zu heftig und auffahrend wären: nun, hier haben sie eine ruhige, klare Arbeit, mögen sie sich von dieser belehren lassen. Auch Ungründlichkeit kann ihr nicht vorgeworfen werden, denn sie geht von der Vergangenheit aus, schildert die Gegenwart, und baut darauf erst ihre Forderungen. Wir danken dem Anonymus, in dem wir einen, uns persönlich bekannten Ehrenmann zu erc-nnen glauben. — Magdeburg, 2. Oktober. Angekommen: Das Buch der Sagen und Legenden jüdischer Vorzeit. Nach den Quellen bearbeitet nebst Anmerkungen und Erläuterungen von Abraham M. Tendlau. Stuttgart, 1842, Aus den Midraschim, dem Talmud, Schalschel. Hakkab., dem Maase-Buch ff. sind hier Sagen und Legenden zusammengetragen, und bis auf einige Stücke in metrischer Form abgefaßt. Man kann dem Verfasser große Gewandheit in der Versi'sikation und Leichtigkeit des Reims nicht absprechen, dagegen verfällt er häufig in Breite und wird prosaisch. Auch noch etwas mehr Abwechselung in der Form wäre wünschenswerth gewesen. Warum hat sich der Verf. nicht bisweiten der Rückert'schen Manier bedient, die, wo ziemlich prosaische Dinge zu schildern, unübertrefflich ist? Dieser, hier und da bemerklichen Mängel ungeachtet, ist die vorliegende Arbeit sehr verdienstlich, und wird allen Lesern zum Ergötzen dienen. Was sehr zu loben ist, der Verf. hat den eigenthümlichen Charakter, der öfter sehr in's Abentheuerliche, Abergläubische und Weithergeholte streift, nicht verwünscht, und giebt uns somit in genießbarer Weise, was vereinzelt eher abstößt als anzieht. Wir wünschen dem Büchlein buchhändlerischen Erfolg, damit eine zweite Sammlung nicht zu lange auf sich warten lasse. Da das Erhabene, Gebetliche häufig genug schon geboten worden, so ist Einem hier das Volksthümliche um so gefälliger. Als ein Beispiel der Behandlungsweise des Verfassers heben wir folgende, kürzere Nummer (34) heraus.