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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-10-22 · Heft 43 (22.10.1842) · p. Seite 635

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 43 (22.10.1842)
Date
1842-10-22
Page
Seite 635 (sequence 7)
Language
German
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635 negativer als positiver Art und Alle, welche die darauf gegründeten Einrichtungen nicht bekämpfen sondern ehren, sie mögen Christen sein oder nicht, können Unterthanen des christlichen Staates sein. Eine sehr unchristliche Lieblosigkeit ist es selbst vom Standpunkte dieses viel beschränkten christlichen Staates, z. B. die Juden, weil Nichtbckenner des christlichen Glaubens, auch nicht für Vollbürger des Staates gelten zu lassen. Ihre Religion und ihr Kultus enthalten kein Hinderniß der Ausübung unserer Staatsgesetze und ihr Moralsystem ist eher geeignet, gute Bürger heutiger Staaten zu bilden, als das hauptsächlich auf die heidnische Zeit sich gründende römische Recht uns Jahrhunderte lang zu beherrschen im Stande war. Das aber wäre zu wünschen und hierin läge der hohe Werth des christlichen Staates, daß die Religions- und Sittenlehren des Christenthums nicht so oft in den Verhältnissen der Regierenden gegen die Regierten, also in den inner», sowie in den Verhältnissen der Staaten gegen einander, also in den äußern Verhältnissen des Staates von den sich christlich nennenden Staaten verletzt würden. So lange aber gegen das oberste Prinzip des Christenthums, das der Liebe, so systematisch gefehlt und eine Ungleichheit geübt wird, welche kaum mehr erkennen läßt, daß die Bürger eines Staates alle Brüder sind, wenn man die durch die Arbeitsstunde erzeugten Unterschiede von Herren und Diener durch Gesetz sixirt und die Gegensätze von vornehm und gering durch Geburtsstände verewigt, wenn man sogar einen Theil von der Selbstverwaltung des gemeinen Wesens ganz ausschließt, um desto unabhängiger darüber verfügen zu können, wenn überhaupt die Selbstsucht in allen ihren Gestalten einen siegreichen Kampf gegen die liebende Aufopferung für das Ganze besteht, so lange noch dieß geschieht, dürfen die christlichen Staaten sich dieses Namens nicht berühmen. Und was sollen wir erst zu jenen mcnschenschlachtendcn Kriegen der Staaten gegen einander um eitler Eroberung willen sagen! Sollte dieß wirklich Jemand für vereinbar mit dem Wesen eines christlichen Staates halten, so müßten wir ihm entgegnen, daß er dieses noch nicht erfaßt habe. So ist der christliche Staat noch mehr im .Reich der frommen Wünsche als der Wirklichkeit, und indem die Einen mehr von ihm verlangen als er leisten kann, leistet er noch unendlich viel weniger als er leisten sollte, so daß an ihm zur Zeit fast nichts weiter übrig bleibt als der Name. Wo aber der Inhalt fehlt, da frommt es nicht, sich mit der Form zu brüsten!" Magdeburg, 10. Oktober. Eine der jüngsten Nummern des Franks. Journ. enthielt unter den Annonzen folgende „Rüge," die wir hier abdrucken lassen, weil der Inhalt derselben leider! noch an so vielen Orten Wahrheit ist. „So geregelt und erhebend der Gottesdienst in den christlichen Kirchen zur Erbauung und Belehrung abgehalten wird, so mangelhaft ist dieser noch an vielen Orten, zumal auf dem Lande, bei den Israeliten. Mancherlei Verhältnisse tragen hieran die Schuld. Viele sind vorerst nicht zu heben, viele aber konnten durch gegenseitige Einigkeit und Liebe schwinden. Allein dies Band umschlingt leider noch nicht Alle, und daher muß man oft mit größtem Mißfallen wahrnehmen, daß nicht selten während der Abhaltung des Gottesdienstes die größten Störungen vorfallen. Dies geschah auch leider am hohen Versöhnungsfeste in der Synagoge zu Flörsheim am Main. Diese Störungen hier im Einzelnen zu geben, gestattet die Lenden; dieses beliebten Blattes nicht; nur so viel sei bemerkt: daß Schimpfreden und Stöße vom Vorsteher der Gemeinde gethan, in keine Synagoge gehören. Möchten doch Einmal ähnliche Austritte aus unfern religiösen Versammlungen schwinden, und die betreffenden Behörden zur Verwarnung solche gebührend ahnden! — Ein Mitglied der isracl. Gemeinde zu Flörsheim." Augsburg, 19. Oktober. (Privatmitth.) Die hiesige „Allgemeine Zeitung" leitet eine Notiz über das Schreiben des Herrn Cahen in der Sache des Deutz (No. 42) mit der Phrase ein: „Die französische Judenschast will den Verrather Deutz nicht zu den Ihrigen gerechnet wissen." Wir möchten die Augsburger fragen, mit weichem Rechte wir einen Christen zu den Unsrigen zählen können, dürfen? Deutz ist Christ geworden, und verübte seinen scheußlichen Verrath als Christ, nicht aber als Jude, und so geht er uns gar nichts an. Möchte! die „Allgemeine Zeitung" doch diese Notiz lieber den

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