Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1842)
- Date
- 1842-10-22
- Page
- Seite 633 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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633 Lickt fördern. Findet sich nun zu einer ähnlichen Stelle ein israelitischer Arzt, der weit mehr Fähigkeiten als sein christlicher Kompetent besäße; so wähle man lieber den Israeliten, eben zum Heil der Wissenschaft und zum Wohl der Menschheit. „Denn die Medizin bekennt sich nicht ausschließlich zur christlichen Religion." Sie bekennt sich vielmehr zu a l l e n Religionen, die auf den Glauben an Gott, auf Unsterblichkeit der Seele und Nächstenliebe sich stützen; sie blühte weit mehr unter den heidnischen Griechen, als zwei tausend Jahre später unter den Christen. Zwei und zwanzig Jahrhunderte sind über die Grabstätte des heidnischen Hippokrates dahin gerollt und noch heute wird Hippokrates als der unerreichte Gründer der rationellen Medizin von den Christen verehrt. — Allen denkenden Menschen hat der unendlich liebende Gott mit gleicher Liebe die Wahrheit, die Wissenschaft, folglich auch die Medizin zum Gemeingut gegeben; ebenso wie Er seine Himmelssonne für alle seine Menschenkinder, ohne Unterschied des Glaubens und der Geburt, leuchten und glühen läßt! — Und dieses hehre göttliche Beispiel möge alle Regierungen zur unumschränktesten Toleranz, wenigstens im Reiche der Wissenschaft und Wahrheit begeistern! — Nie und nirgends hat die Intoleranz andere — als faule Früchte getragen. Spanien war einst die erste aller Nationen, durch die Intoleranz König Philipp des zweiten hat es viel, sehr viel von seiner frühern Größe verloren! In Frankreich können Israeliten Pairs, Deputirte, Dekane, Protomedici, Professoren u> s. w. werden — ist die französische Medizin deßhalb hinter der Wiener zurückgeblieben? Wollte ich hier vom Allgemeinen auf das Besondere übergehen; so könnte ich Beispiele anführen, die, wegen jener unglückseligen Beschränkungsmaßregeln, das Herz eines jeden edlen Menschen mit tiefster Betrübniß erfüllen müssen: Ich kenne einen Israeliten in Wien, der daselbst j durch volle ein und fünfzig Jahre einen höchst die-! dern Lebenswandel führt, ja eine Art öffentlicher > Stelle durch ein halbes Jahrhundert ganz untadel-! hast bekleidet. Der Mann hat einen Sohn, der ein ' in Wien promovirter Arzt ist, er sehnt sich nach die- 1 sem Sohn, wie nach dem letzten Labsal am Abend seines 75jährigen Lebens, er wünscht es, daß dieser Sohn ihm einst die Augen schließe, wenn er von Gott in eine bessere Welt sollte abgerufen werden. Aber der Sohn darf nicht bei dem Vater wohnen: — weil — weil die Zahl der israelitischen Aerzte in Wien beschränkt ist. vr. I. M. Preuße». Magdeburg, 11. Oktober. (Privatmitth.) Seit einiger Zeit tragen sich die öffentlichen Blätter mit der Notiz, daß das neue Judengesetz in Preußen Ende dieses oder Anfang des künftigen Jahres erscheinen würde. Aus guten Quellen können wir das Gegentheil versichern. Es wird noch viel längere Zeit darüber vergehen, denn der einmal festgestellte Gang, daß das Gesetz den Ständen vorgelegt werden soll, wird nicht verändert. Es hätten nun, falls eine Beschleunigung beliebt worden, darunter die „ständischen Ausschüsse," die sich jetzt in Berlin versammeln, verstanden werden können. Da dies aber nicht geschieht, so wird die Sache bis zur nächsten Versammlung der Stande Ende 1843 oder auch 1844 ruhen. Bis dahin muß daher auch die Absicht vieler israelitischen Gemeinden, sich auch an die Stände supplizirend zu wenden, ruhen. Uebrrgens spricht man auch von Veränderungen, die im Gesetzentwurf vorgenommen worden. Deutschland. Ulm, 15. September. (Privatmitth.) Die jüngste Nummer des trefflichen Blattes „die Zeitinteressen," auf das wir wiederholt Freunde einer fortstrebendcn Richtung aufmerksam machen, enthält folgenden Artikel, der manches Schlagende gegen das, jetzt beliebteste Argument wider unsere Gleichstellung enthält. „Mehr als jemals wird das Christenthum auf der einen Seite in Frage gestellt, von der andern vertheidigt, so daß sogar Studirende der Universität Berlin eine Gesellschaft für den historischen Christus gründen zu müssen glaubten. Während so die Parteien streiten und leicht in Extreme sich verirren, suchen andere durch den Gang der Entwicklung unserer Staaten und durch das Wesen unseres ganzen jetzigen Staatslcbens zu beweisen, daß dieses wesentlich ein christliches, unsere Staaten christliche seien. Ist doch in der badischen Abgeordnetenkam-