Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1842)
- Date
- 1842-10-22
- Page
- Seite 632 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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632 (Abate D. Giov. Andres Dell’origine, dello statt» attuale e de' progressi d’ogni Letteratura e scienza venezia 1S00 in 22 Tomi Tom. 14. pag. 235.) Also Prinzen und Magnaten, oft- und weströmische Kaiser, der heilige Ludwig von Frankreich, der katholische König von Spanien, die Päpste sogar hatten wahrend vieler Jahrhunderte israelitische Leibärzte!!! Wenn nun der Papst, der Oberhirt der katholischen Kirche, dessen Thaten und Gesinnungen vom heiligen Geiste geleitet sind, Israeliten zur Würde seiner Leibärzte erhebt: so sollte die weise und gnadenreiche österreichische Regierung unendlich lieber diesem päpstlichen, echt christlichen und menschenfreundlichen Beispiele folgen; als den gehässigen und engherzigen Einflüsterungen eines Menschen Gehör geben, der seine Unkenntniß in der Logik und Geschichte der Medizin auf so beklagenswerthe Weise I zur Schau trägt! Ja, wenn das Wesen der Charlatanerie zunächst darin besteht: daß man sich vor der Menge brüstet, Dinge zu wissen, von welchen man eigentlich gar keinen Begriff hat; so bedaure ich den Verfasser jenes Aufsatzes, daß er sich dießmal selber, vor den Augen der Welt als Charlatan gebrandmarkt hat!! Warum hat er aber auch gerade den israelitischen Aerzten den Charlatanismus vorgeworfen? Nicht ein einziges namhaftes Beispiel vermochte man anzuführen! Der thierische Magnetismus, die Cranioscopie, die Hydeopathie, die Homöopathie u. s. w., die da alle das wenige Wahre, das sie enthalten, in einem Meer von Charlatanerie ausgewässert darbieten, — wurden von Christen der wahren Medizin aufgedrungen. — Und manche Homöopathen Wien's haben zugleich mit der alten guten Lehre des Hippokrates die noch ältere, bessere und heiligere Lehre des Glaubens ihrer Väter abgeschworen, und sind Christen geworden — gleichsam als wollen sie hierdurch beweisen, daß die Charlatanerie sich mit dem israelitischen Glaubensbekenntniß durchaus nicht verträgt! Im Gegentheil aber gebietet schon die Klugheit jedem seiner Religion treubleibenden Israeliten, allen Charlatanismus von sich möglichst ferne zu halten. In steter Angst, daß er die wenigen Menschenrechte, die man in ihm tolerirt, verlieren könne — und diese wenigen wie oft wurden sie ihm nicht entrissen! — fürchtet der Israelit von sich reden zu lassen; gewöhnt er sich, seine irdischen und geistigen Besitzthümer für geringer auszugeben, als sie in der That sind, damit sie ihm die Mißgunst nicht entreiße; und weil der Israelit aus 2000jähriger Erfahrung weiß, wie tiefe Wunden ihm der Neid anderer Religionsgenossen versetzte, ist die Bescheidenheit in ihm zur Demuth geworden! Was ist aber der Charlatanerie schroffer entgegengestellt als Bescheidenheit und Demuth? Unterdrückte und demüthige Völker aber sind gewöhnlich von der Vorsehung Gottes mit einem hohen Grad von Scharfsinn begabt, auf daß sie sich vor Unrecht und Gefahr zu schützen wissen. Dieser Scharfsinn, dieser durchdringende Verstandesblick bleibt dem Israeliten in allen Lagen, in allen Ständen des Lebens getreu. Niemand ist in der That geeigneter, den fncns und fumus von wahrer Größe und wahrer Glorie besser zu unterscheiden, als eben der Israelit. Daher die Furcht, das Miß- > behagen, daß Mißtrauen aller Halbwisser, aller jener, die sich gerne auf Sinecuren und besoldeten Stellen mit dünkelhaftem Stolz blähen und spreizen wollen, und deßhalb für sich und ihre Nachkommen zittern, von dem Spaherblick des Israeliten aus dem behaglichen Lethargus ihres Schlendrians aufgerüttelt zu werden. Und daher, scheint es mir, fürchtet man die Konkurrenz der Israeliten zu öffentlichen ärztlichen Stellen. — Nichts ist aber der Kunst, der Wissenschaft, der Wahrheit, dem Staat, der Gesellschaft, der Menschheit gefährlicher — als die Hemmung der freiesten Bewerbung für wissenschaftliche Stellen. Denn nur die freieste Konkurrenz gibt Leben und Blühen und Gedeihen jedem wissenschaftlichen Forschen; aber die Ausschließung der Konkurrenz — das ist die Schlingpflanze, die dem ewig blühenden Baume der Wissenschaft das Lebensmark entsaugt. Und die vorurtheilsvolle Bevorzugung dieser oder jener Religionsgenossen, und der Neid, der Haß im Gebiete der Wissenschaft — dieß sind der Mehlthau, der Rost, der die herrlichsten geistigen Pflanzungen vor der Reife versengt, der Pesthauch, der den klaren lebendig fließenden Quell der Wahrheit zur stehenden Pfütze versumpft!! Nirgends aber ist diese Behauptung fühlbarer als gerade in der Medizin, denn diese ist eine reine Erfahrungswissenschaft. Nur jene Aerzte, die mit einem Professorat, oder der Direktion eines Spitals, oder mit der ärztlichen Beaufsichtigung einer Provinz vom Staate beauftragt sind, können wahrhaft nützliche, praktisch-wissenschaftliche Resultate an's