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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-10-15 · Heft 42 (15.10.1842) · p. Seite 625

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 42 (15.10.1842)
Date
1842-10-15
Page
Seite 625 (sequence 9)
Language
German
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625 schärft, sondern auch Alles der Jugend so hinstellt, als habe sie es selbst gefunden und auf diese Weise die göttlichen Lehren tief einprägt und für die Lebensdauer fruchtbar macht. Der Verf. fürchtet hier den hyperorthodoxen Einwurf nicht, daß diese Methode zu christlich sei: nirgends vielleicht wird der hermeneutische Weg mehr gefunden als im jüdischen Lehrthum, nirgends deutlichere Spuren davon, als im Talmud; die Aeltern unter uns mögen an das sonst so gäyg und gäbe gewesene gelehrte Disputiren in der Synagoge erinnert werden. In ähnlicher Weise würden die aus einem Seminar hervorgegangenen Lehrer, da ihnen, wie von selbst redend, wissenschaftlicher Unterricht, wie in allem, so in der hebr. Sprache zu Theil werden muß, auf eine bessere Gestaltung der hebr. Lehrstunden unsrer Schulen influiren. Wenigstens würden die Zöglinge doch nicht mehr in dem bloßen, oft noch dazu falschen Lesen der Worte ohne Verstandniß derselben hängen bleiben; sie würden weit über das stumpfe, bis jetzt üblich gewesene Uebersetzen hinauskommen. Gleicher Gestalt würde sich der Unterricht in Bezug auf die übrigen Lehrgegenstände der Volksschule heben, planmäßiger werden und weniger den Launen des Einzelnen unterworfen sein, vernehmlich wenn, was bei der Errichtung eines Seminars zu erwarten steht, eine mit der Leitung des jüdischen Schulwesens beauftragte, wissenschaftliche Schulkommission für das Königreich Hannover konstituirt würde, deren Zusammentreten um so weniger mit Schwierigkeiten verknüpft sein dürfte, als unser Land drei, zur Verbesserung des jüdischen Schulwesens vollkommen berufene Nabbinen in den Herren Adler, Bodenheimer, Hirsch besitzt. Fragt man nach den Geldmitteln, die die Errichtung und Unterhaltung eines Instituts, wie das hier fragliche, erheischen, so könnten allerdings für den Anfang Schwierigkeiten erwachsen, gegen die nur unablässige Beharrlichkeit den Sieg erringen kann. Nach unsrer unvorgreiflichen Ansicht sind aber alle Gemeinden unsres Landes zu Beiträgen verpflichtet und wir können die Hoffnung nicht unterdrücken, daß, falls eine derartige Subskription eröffnet werden würde, alle Gemeinden unsres Landes um so reichlichere Beisteuer geben dürften, als sie dadurch lediglich und allein das Wohl ihrer Nachkommenschaft zu begründen die günstigste Gelegenheit haben, und es vorauszusehen ist, daß nach Verfluß einiger Jahre die heilsamsten Folgen eines solchen Instituts sich zeigen werden. Hannover zählt etwa 14 bis 15,008 Juden: diese sollten nicht im Stand« sein, die Fundamente zu legen? Dazu kommt, daß die jüdischen Gemeinden der angrenzenden kleinern Länder sich den hannoverschen Bestrebungen, aus Gründen, die auf flacher Hand liegen, anzuschließen gewiß nicht versäumen werden. Endlich wird auch eine Anstalt regierungsseitig Förderung und Unterstützung genießen, deren allgemeiner Nutzen durchaus nicht verabredet werden kann. Es ergeht daher an unsre Landsleute hierdurch die eben so dringende als freundliche Bitte, diese Zeilen der Beherzigung werth zu erachten. Die Jetztwclt baut in Stein und Eisen: laßt uns ein Denkmal in den Herzen aller, die leben und kommen werden, errichten; es wird jegliches Metall überdauern und uns den gerechten Stolz verleihen, der da zu sagen befugt ist: bixogi moiiumeutum aere perennius! Ludwig Schulmann. Preußen. Magdeburg, 29. September. (Privatmitth.) Indem der Dr. Philippson in den jüngst verflossenen Festtagen zum ersten Male auch alle Synagogal-Funktionen des Rabbinen versah, gestattete er sich einige Veränderungen, die, zwar an sich nicht bedeutend, doch einen belebenden Eindruck nicht verfehlten. So z. B. bei “p n:nn leitete er Jedes der hier üblichen Stücke durch ein einleitendes deutsches Gebet ein, an das er unmittelbar das hebräische anreihte. Zum Beispiel das erste -07°* für die vorangegangenen Rabbinen und Parnaßim auf folgende Weise: „Herr der Ewigkeit! Zwar die Tage des Menschen auf Erden sind gezählt, und der Faden seines Lebens ist bald abgcsponnen: aber in seiner Hand liegt es, daß seine Schritte nicht spurlos verwehen von der Erde, sondern daß seiner Thaten Gedenken bei dankbaren Geschlechtern lange verbleibet. U. d dann erheben sich diese an Deiner heiligen Feste Schlußtagen, und treten hin in Deinem Hei- 42

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