Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1842)
- Date
- 1842-10-15
- Page
- Seite 623 (sequence 7)
- Language
- German
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623 wie mit der Bestimmung der Kontumaztermine zu befassen. (3 Buch Mos. Kap. 13. 14.) Da nun in der israelitischen Theokratie die Priester sehr zahlreich und im hohen Ansehen waren; so erhellt schon aus dem Umstande, wie weit verbreitet, wie sehr geachtet die Ausübung der Medizin unter den Israeliten gewesen sein mußte. Später, in den Zeiten der Könige, waren es auch die Propheten, oder die hervorragendsten Männer der ganzen Nation, welche Krankheiten heilten. Elias und Eliseus belebten Asphyktische. (Keg-. 1. Cap. 17. 11. Cap. 4.) *) — Zugleich bietet das alte Testament, im zweiten Buch der Könige, Kap. 5. dem israelitischen Arzt ein bcwunderungswerthes Vorbild der erhabensten ärztlichen Uneigennützigkeit, und der edelsten Liebe und Verzeihung gegen den Feind geübt: Naaman, der Feldherr des Syrischen Königs, des mächtigsten Feindes Jsrael's, stand mit furchtbarer Heeresgewalt auf israelitischem Gebiete; er litt Jahre lang an der arabischen Lepra; da hörte er von den Wunderkuren des israelitischen Propheten Eliseus und bat ihn um ärztliche Hilfe. Eliseus heilte den Naaman mitten im Kriege, und verschmähte großmüthig alle Schätze, die ihm der Feind seines Volkes und Vaterlandes anbot. — So edel handelte selbst Hippvkrates nicht; denn als ihn der König Artaxerxes dringend bat, ihm Heilmittel gegen die Pest, die in Persien wüthete, zu schicken, gab er stolz zur Antwort: „Es behagt mir nicht die persischen Barbaren von ihren Krankheiten zu befreien, weil sie Feinde der Griechen sind '*). Aus dem bisher Gesagten dürste es nun klar erwiesen sein, daß die Medizin unter den Israeliten seit dem Beginnen der Selbstständigkeit dieser Nation bis zur Zerstörung des zweiten Tempels sich eines weit verbreiteten praktischen Wirkungskreises und eines sehr hohen Ansehens erfreute, und zwar vorzüglich darum, weil sie einen Theil der Neligionssatzungen bildete. Da aber alles, was Glaubensdogma unter diesem Volke hieß, mit wunderbarer *) Job. Freind Hislor. medicinae anglice scripta, lalinc conversa a Joanne Wigan Veneliis 1735 p. 60—63. s°) ov (.toi '(iig ßa(>ß(/.QOvg uvdnag vovawv nuvuv, ty&Qovg vnaQ'/ßVTug 'EXhjvwv. Hippocral. Edit. Foesii Oencvae 1662. Tom. II. pag. 1272. Sectio 8va Epistolae. Beharrlichkeit bewahrt und gepflegt werden mußte; zumal es in Jvsua Kap. I. V. 8. lautet: „Das „Gesetzbuch entferne sich nicht von deinem Munde, „alle Tage und Nächte denke daran, auf daß du es „wohl bewahrst, und alles übest, was darin geschrie- „ben steht, und darnach deine Wege leitest und er- „kennest u. s. w." — so wird kein rationeller Mensch glauben können, daß die israelitische Medizin unter den Trümmern des zweiten Tempels begraben worden sei. — Die physische Kraft der israelitischen Nation konnte von den Römern, weil es Gott so wollte, gebrochen werden, alle irdischen Schätze ließ der Israelit in Jerusalem, der Stadt seiner alten Herrlichkeit, zurück"); nur das heilige, ewige Gottes Wort und Gesetz nahm er mit sich im Herzen; damit zog er in entfernte Zonen, und unter andersredende Völker; darin suchte er Trost und Hoffnung für bessere Tage; darin fand er die Kraft, die Ausdauer, die Begeisterung durch volle achtzehn hundert Jahre, (als ein Standingmiraclo wie ihn die Engländer nennen) dem Feuer und Schwert, — und was noch tiefere Wunden schlägt — der Verleumdung und Verachtung, dem Haß und Spott der meisten übrigen Völker zu widerstehen; darin in dem Gottes Gesetz, (und nicht im Handel, wie man ihm boshaft vorwirft,) konzentrirte der Israelit all sein Wirken und Lieben und Leben; dieses Gottes Gesetz deutete und pflegte und hegte und erläuterte er — und weil die Medizin, wie ich wiederholt behaupte, einen integrircnden Theil dieses Religionsgcsetzes ausmacht; so wurde auch sie unter den Israeliten, nach der Zerstörung des zweiten Tempels, in einem viel höhern Grad als früher, mit Glut und Liebe und Weihe immer mehr geübt und vervollkommt.— Daher läßt es sich erklären, daß die meisten israelitischen Gelehrten zu gleicher Zeit berühmte Aerzte waren, daher die unzähligen medizinischen Wahrheiten, die in der Mischna und Gemara, namentlich in den Traktaten Chulin, Taharot, Nidda u. s. w. *) In einem alten Bußgebet heißt es: rmabi rrt mT-irrcm mplrt TStn rxTn rt'rini-! pn -tpo fni nurai mb-iüi!rn/:n» bst Die heilige Stadt und ihre Veste, ward zur Schmach und Beute Alle Schätze wurden ihr entrissen, es blieb uns nichts als Gottes heilige Lehre.