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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-10-15 · Heft 42 (15.10.1842) · p. Seite 622

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 42 (15.10.1842)
Date
1842-10-15
Page
Seite 622 (sequence 6)
Language
German
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622 man» mehrere Söhne haben, von denen der eine oder andere mit mächtiger Glut,, mit unwiderstehlichem Hang sich für das medizinische Studium begeistert fühlt? (Das ärztliche Genie wird geboren, nicht erst in der Schule gemacht. Medicus non fit sed nascitur, sagt Paracelsus). Kann nicht selbst eine ganze Nation sich vorzugsweise durch viele Jahrhunderte mit dem Handel befassen, und dennoch unsterbliche Aerzte in ihrer Mitte zählen? Und die Engländer? Sind diese nicht die kommerziellste Nation der Welt? Hat es je — so weit die Weltgeschichte reicht, selbst das alte Phönizien nicht ausgenommen — einen Staat gegeben, in welchem das merkantilische Interesse mehr vorwaltete als in England? Umschlingen die Engländer nicht die ganze Erde und alle Meere mit ihren Handelsfaktoreien? Haben sie nicht neue Welttheile entdeckt, bloß um dem brittischen Handel dahin neue Wege zu bahnen? Ist die englische Handelspolitik nicht den meisten übrigen Völkern zum Sprich- und Losungswort, zu Norm und Gesetz geworden? — Und finden sich nicht, trotz dem allen, gerade unter den Engländern die berühmtesten Aerzte der Welt? Harvey, die drei Monro, die beiden Hunter, Sydenham, Mead, Friend, Jenner, Coopcr, Bell u. s. w., sind sie nicht Sterne erster Größe am medizinischen Horizont? Aber nicht nur mit der Logik, sondern auch mit der Geschichte der Medizin scheint der Verfasser jenes Aufsatzes leider nicht sehr bekannt zu sein; sonst müßte er wissen, daß die Israeliten zu allen Zeiten, vor und nach der Römerherrschaft, sich weit mehr mit der Arzneiwissenschast als mit dem Handel beschäftigen mußten; ja daß sogar unter keiner andern Nation die Medizin mehr verbreitet, mehr hochgeachtet, gründlicher gelehrt und uneigennütziger geübt werden konnte und mußte, als eben unter den Israeliten; denn diese, außerdem daß sie die Lehrer der Medizin für alle übrigen Völker waren"), hatten diese Wissenschaft zur Würde des Glaubenss) Medicina cum reliquis scientiis propagata fuit per Hebraeos, et imprimis per sapienlem eorum legislatorem Mörsern, ex Aegypio in Palaestinam et partes vicinas Asiae, exinde successire in Europani et quideui Graeciam etc. etc. (Francisc. Bene M. Dr. Gons. Reg. Prof. P. 0. Elementa medicinae practicae Pestini 833. Tom. 1. pag. 1. dogma und des Religionsgesetzes erhoben. In der That bereits zu einer Zeit, in welcher die Griechen kaum den Gebrauch der Buchstaben wußten, besaß Moses schon einen unversiegbaren Schatz medizinischer Kenntnisse. Es ist nicht zu viel, wenn man behauptet, daß die Hälfte wenigstens der ganzen mosaischen Gesetzgebung in Heil- und Gesundheitsvorschriften besteht. — So wird um einige Beispiele über meine Behauptung anzuführen in der Genesis Kap. 9, und in sehr vielen andern Bibelstellen das Blut als Nahrungsmittel streng verboten. Eine Verordnung, die neben der schönen moralischen Seite auch noch einen physiologischen Grund in sich schließt; denn das Blut, namentlich in größerer Menge in den Magen gebracht, wird zum Gift. (Themistokles starb daran. Rollin. hist. anc. T. 3.) Betrachten wir ferner das erste Wundes- und Kardinalgesetz, das pactum foederis der Israeliten mit Gott „die Beschneidung," so erleuchtet auch aus diesem ein rein medizinischer Grund; denn die Phimosis und Paraphimosis werden dadurch unmöglich gemacht, und auf diese Weise, zwei oft sehr gefährliche Krankheiten verhütet. — Der Genuß des Aases, aller kranken, unreinen und von Aesern sich nährenden Thiere wurde den Israeliten aus rein hygienischen Prinzipien untersagt. (Levitic. Cap. XI. Deuteronom. Cap. XIV.) Die beiden Abschnitte „Thasria und Mezora" (im dritten Buch Moses Kap. 12, 13, 14, 15) sind hochwichtige, für alle Zeiten bewunderungs - und nachahmungswerthe Monumente der israelitischen Medizin. Da wird die strengste Enthaltsamkeit den Wöchnerinnen vorgeschrieben; da sind trefflicke diätetische Regeln über Menstruation, Metrorrhagie, Blenorrhoe, Gonorrhoe u. s. w. angedeutet; da liest man eine umständliche Diagnose der Lepra arabica, und der Bubonenpest, die Kontagiosität dieser Krankheiten, die leichte Mittheilung derselben durch wollene Kleidungsstücke wird daselbst nachgewicsen. Eine äußerst strenge und wohlgeordnete Quaremtänanstalt, (die erste von der uns die Geschichte meldet), in welcher die Kranken (chuz lamachne) ferne von dem Lager des Volkes ärztlich und diätetisch gepflegt wurden, hat Moses schon in der Wüste eingeführt. (4 Buch Mos. Kap. 5.) Insbesondere ward es allen israelitischen Priestern vom Religionsgesctz aufgetragen, sich mit der Erkenntniß und Heilung jener kontagiösen Krankheiten,

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