Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1842)
- Date
- 1842-10-08
- Page
- Seite 610 (sequence 10)
- Language
- German
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610 „4) Sie erklären den Juden, der Zweck des Al- „lerhöchsten Willens, Kraft dessen die jüdischen Schul- „und Gelehrten-Anstalten unter die Aufsicht des-Mi- „nistcriums der Volksaufklarung gestellt, und Schufen auf Kosten der Regierung errichtet werden sol- „len, bestehe darin, sie ohne Beeinträchtigung des „Glaubens dem wahren bürgerlichen und sittlichen „Leben zuzuführen, das nur in der Annäherung zur „allgemeingültigen Bildung zu finden ist. In dieser „Absicht werden Sie mit den Rabbinern und He- „bräergemeinden Rücksprache nehmen und bestär- „ken Sie vermittelst Predigten und Borträge in der „Bereitwilligkeit, den Willen Sr. Majestät zu er- „füllen. „5) Sie bemühen sich, die Stimmung der Gc- „müthcr in Betreff der bevorstehenden Steuerung zu „erforschen, und zu crfahrcu, wo und von wem die „Regierung auf Unterstützung rechnen kann, und wo „der Geist des Widerstandes nistet. Unter den Rab- „binern und angesehensten Juden bemerken Sie sich „diejenigen, die ein besonderes Zutrauen der Regierung verdienen und reichen mir eine Liste dersel- „ben ein. „6) Sie werden nicht unterlassen, diejenige^ Ju- „den zu besuchen, die in besonderm Ansehen bei ihren „Gemeinden stehen, und erklären ihnen umständlich, „welchen Einfluß die Erfüllung der humanen Absich- „ten Sr. Majestät auf das Wohl ihrer Glaubens- „genossen haben kann. „7) Sie besichtigen, soweit es thunlich ist, wenig- „stens die wichtigsten Schul- und Gelehrten-Anstalten „der Juden, in sittlicher und pädagogischer Hinsicht, „und sammeln über die Zahl der sie besuchenden „Schüler, über die Zahl und Fähigkeit der Lehrer, „über die innere Einrichtung der Schulen, sowie „auch über die Mittel ihrer Existenz, Erkundigun- „gen ein. „8) Sie blicken nach Möglichkeit in die häusliche „Erziehung der Juden hinein, erkundigen sich über „die Zahl, Ansichten, Fähigkeiten und jetzige Lage „der Melamdim, und zeichnen diejenigen aus, die sich „durch Kenntnisse und sittliches Betragen am meisten „hervorthun. „9) Sie werden Ihre besondere Aufmerksamkeit „auf die jungen Leute richten, welche durch lobens- „werthen Fleiß sich schon einige Kenntnisse in den. ^Wissenschaften erworben, und mit gut gesinntem „Eifer für das Wohl ihrer Glaubensgenossen zur „Erfüllung der Absichten der Regierung beitragen „können, indem sie entweder als Lehrer angestellt, „oder zur pädagogischen Laufbahn in den allgemeinen „Schulanstalten vorbereitet sein dürfen. „10) Ueber alle oben angeführten Gegenstände „statten Sie mir nach Ihrer Rückkehr nach St. Pe- „tersburg einen gehörigen Bericht ab. Uebrigens „unterlassen Sie nicht, auch während Ihrer Reise „von Zeit zu Zeit über den Fortgang Ihres Auf- „trags dem Departement der Volksaufklärung zu „berichten. „II) Die Mannigfaltigkeit Ihres Auftrages läßt „die Dauer Ihrer Reise nicht bestimmen, indesien „hoffe ich, daß Sie suchen werden, wenigstens bis „zum 15. October d. I. hierher zurückzukehren. „12) Bei der Erfüllung betj Ihnen gegebenen „Auftrags werden Sie ohne Zweifel dessen Wichtig- „keit im Auge behalten, und das Ihnen gewordene „Zutrauen des Ministeriums sowohl durch umsichtige „und besonnene Thätigkeit, als auch durch Gründ- „lichkeit Ihrer Berichte zu rechtfertigen streben. Minister der Bolksaufklärung: (unterzeichnet) Uwaroff. Direktor des Departements u. Mitminister: (unterzeichnet) Fürst Schirinski-Schichmatoff." Sie bewundern mit mir gewiß den humanen und erleuchteten Sinn des Ministers, der durch besondere, persönlich zu überbringende Empfehlungsschreiben an die resp. Behörden, wie durch andere Vorsichtsmaßregeln mir die Reise, die von der Ostsee bis zum schwarzen Meere sich erstreckt, so sicher und ruhig als möglich zu machen geruhet, und andererseits weder Kosten noch Mühe scheuet, um die Gemeinden zu beruhigen, ihr Vertrauen zu gewinnen, und dadurch zu ihrem eignen Heil die Verbesserung ihres Schicksals beschleunigen zu können. Bis zum l-f. October d. I. soll ich, wie Sie aus der so väterlich wohlwollenden Instruktion ersehen, wieder in St. Petersburg eingetroffen sein; wir erwarten bis dahin auch die Antwort des Herrn Moses Montesiere und Eremieur, die ich im Namen des Herrn Ministers zu den Sitzungen in Petersburg einladen zu dürfen das Glück hatte. Da der Name dieser hochgefeierten Männer auch bei den russischen Juden vom größten Einflüsse ist, und die