Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1842)
- Date
- 1842-10-01
- Page
- Seite 594 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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594 die hiesigen Juden als Sacrelegium betrachten. Dem hiesigen Juden muß man es nachsagen, er ist weder verknöchert noch unempfänglich für Bildung, um diesen also immer mehr für die gute Sache zu gewinnen, ist es rathsamer gelindere und nicht seiner Ueberzeugung trotzende Mittel in Anwendung zu bringen, um ihn allmälig an das Licht zu gewöhnen"). Amerika. Jamaika. Der ehrw. M. N. Nathan, Geistlicher einer der Synagogen zu Kingston, besuchte vor Kurzem Montego Bay, an der Nordseite der Insel, versammelte die dortigen Israeliten, und hielt nach dem Sabbatgebet eine eindringliche Rede an sie, um sie zur Erbauung einer Synagoge zu bewegen. Es wohnen daselbst nicht weniger als 120 Seelen jüdischen Glaubens, eine ähnliche Anzahl wohnt in den drei benachbarten Städten Falmouth, Lucea und Savannah la mar. —. Am Anfang des laufenden Jahres herrschte das Scharlachsieber hier auf eine furchtbare Weise. Die jüdische Gemeinde zu Kingston war die erste, welche einen besonder» Gottesdienst (am 2. Febr.), mit einer Predigt des Herrn M. N. Nathan, feierte, auf die eine Kollekte folgte, die 50 Liv. Sterl. (350 Thlr.) eintrug, zur Unterstützung der Armen aller Glaubensgenossen, die an der Epidemie litten. Der Mayor, der vr. M'Greath, Oberst Turner ff. wohnten dem Gottesdienste bei. —. Die jüdische Armenschule in Kingston macht gute Fortschritte; die portugiesische Gemeinde eröffnet jetzt auch eine solche. —. Der ehrw. M. N. Nathan bestrebt sich, die ihm anvertraute Synagoge den Bedürfnissen der Zeit anzupaffen, und ohne, wie er sich ausdrückt, den Zügel schießen zu lassen, den Wünschen, die sich auch in Jamaika in Bezug auf den Gottesdienst geltend machen, nachzukommen, den Mizwothverkaus, die Mischeberachs, das ordnungslose Beten, die Jozervth und Piutim abzuschaffen. (Yoice of Jacob.) *) Wir lassen den Herrn Corr. seine Meinung als die seinige aussprechen. Redakt. Philadelphia. Der Geistliche Jsaac Lesser hier setzt seine Bemühungen, Leben und Regsamkeit für das Judenthum zu wecken, eifrigst fort. Als das vorzüglichste Hinderniß hierin erkennt er dieZerfallenheit in deutsche, polnische und portugiesische Gemeinden, was jedem Gesammtwerk von vorn herein in den Weg tritt. Erst muß jede Schranke zwischen Jude und Jude fallen, bevor an eine lebendige Wirksamkeit in religiöser Beziehung zu denken ist. (V. of J.) Asien. Smyrna. Ueber den Zustand der hiesigen Israeliten giebt Herr Pincherle in der V. of J. traurigen Bericht. Armuth herrscht in einer großen Ausdehnung bei unsern Brüdern hier, da kaum sechs Personen sich in gutem Umstände!, befinden; die Anderen sind durch die letzte Feuersbrunst gänzlich ruinirt; bei den Behörden sind sie ohne den mindesten Einfluß. Die Mehrzahl gehört zu den Sephardim, aber sie sind meist entartet, und besitzen wenig von den auszeichnenden Zügen des Charakters, der andern Mitgliedern ihrer Gemeinde einwohnt. Sie leben in einem Quartier der Stadt, ohne daß es ihnen genommen ist, zu wohnen, wo sie wollen. Ihre Hauptbeschäftigung ist der Handel; vor der Feuersbrunst besaßen sie großes Vertrauen als Makler, aber ihre durch dieses Mißgeschick verursachte Armuth (4500 werden täglich durch die Mildthätigkeit genährt) hat ihren Kredit untergraben. Ihre Zahl wächst nicht von außen, aber da sie sehr jung heirathen, nimmt ihre Zahl nicht ab. Die Literatur ist im gesunkensten Zustande, was namentlich dadurch kommt, daß ihre geistlichen Hirten sie vom Erlernen der Künste und fremden Sprachen abhalten. Sie haben eine Schule, die von 300 Kindern besucht wird; die Sprache, in der die erste Nummer der zu erscheinenden Zeitschrift geschrieben war, hielt alle Europäer ab zu subskribiren. Selten wird unter ihnen ein Verbrechen begangen; die Achtung der Nation ist seit dem Besuche Sir Moses Montesiore's etwas gestiegen. Bei einem Streite zwischen Juden können sie ihr eigenes Tribunal wählen. Die Steuern werden durch einen Juden eingesammelt. —. Als sich bei der letzten Feuersbrunst einige Hülfsleistungen von außen zeigten: wurde ein Kom-