Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1842)
- Date
- 1842-10-01
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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592 Lus dem Haag, J6. Juni. (Privatmitth.) Wie aus beigehendem Exemplar der Niederländischen Staatszeitung von gestern No. 139 zu ersehen ist, haben Se. Majestät unser vielgeliebter König Wilhelm II. (während Höchstdesselben ersten Besuchs der Provinzen Oberyssel und Drenthe) außer verschiedenen Personen von Stande, auch einige Geistliche der dissenkirenden Konfessionen, worunter der ehrwürdige Herr H. I. Hertzveld, Ober-Rabbiner des Rabbinats-Bezirks Zwolle, zum Ritter des Niederländischen Löwen-Ordens, zu ernennen geruht. Diese ehrenvolle Auszeichnung eines Israelitischen Rabbiners, kann das unwiderlegliche Zeugniß abgeben, daß in unserm gesegneten Vaterlande die Emanzipation nicht bloß auf dem Papiere stehen geblieben; und daß unser biederer Monarch, der Erste, der auf eine solche huldvolle Art die Bruderkette um die Repräsentanten des Protestantischen, Katholischen und Mosaischen Glaubens geschlungen, Verdienste wo und in wem er sie auch findet, zu schätzen und zu belohnen weiß. Es thut unserm Herzen wohl, dabei zufügen zu können, daß dieses Ereigniß überall den innigsten Anklang gesunden hat. Nicht allein fanden sich unsere Glaubensbrüder damit beglückt und verehrt, sondern auch andere Religionsgcnossen gaben ihren ungehcuchelten Beifall zu erkennen, so selbst daß die meisten Christlichen Geistlichen und andere vornehmen Leute seines Wohnortes, dem ehrenwerthen Ober-Rabbinen ihre Glückwünsche abstatteten. In diesem Augenblicke ist das Geschehene von großer Bedeutung für diesen würdigen Mann, der, wie aus ebenfalls hierbei gefügtem Pastoral- Schrciben erhellet, von den Hyper-Orthodoxen hier im Lande auf eine sehr unzarte Weise dngefallen worden. Es wird S. Ehrw. den Muth einflößen, auf dem eingefchlagenen Wege zur Verbesserung des leider so sehr vernachlässigten Kultus, wozu er den ersten Stoß gegeben, unermüdet fortzugehen; und die Haupt-Kommission für die Israelitischen Angelegenheiten, wird sich hoffentlich angeregt fühlen, dieses eifrige Bestreben durch eine Sanktion des eingercichten Entwurfs, zu würdigen, und also das ihrige beitragen die so nöthigen Verbesserungen schleunigst in's Leben zu rufen *). *) Wir behalten uns vor nach Ablauf der desfallsi- Der zum Ritter ernannte Herr Hertzveld ist von einem alten Rabbinerstamme; ward zu Groß- G log au im Jahre 1781 geboren und von seinem noch lebenden Vater, dem bekannten Herrn Josua Beer Herzfeld, früher Oberrabbinen in Königsberg in Preußen und später zu Rawitsch im Großherzogthume Posen, ganz im Style der damaligen Zeit erzogen und mit tüchtigen Talmudischen Kenntnissen ausgerüstet. In seinem 16. Jahre begab er sich nach Holland und heirathete dort die Tochter des seligen vorletzten Amsterdammer Oberrabbinen Löwenstamm. Nachdem er das Rabbinats-Amt einige Zeit in einem kleinen Städtchen bekleidet hatte, wurde er im Jahre 1808 zum ordentlichen Rabbinen der Stadt Zwolle berufen. Bei der Einverleibung in's Französische Kaiserreich zum Konsistorial-Rabbinen gewählt, wurde er bei der glücklichen Restauration des Hohen Hauses Oranien zum Oberrabbinen in dem bemeldeten Bezirk angestellt, in welchem Wirkungskreis er sich annoch befindet. Herr Hertzveld hat seine Bildung sich selbsten zu verdanken, und hat durch seine theologische und literarische Kenntnisse, wie auch durch sein humanes und ächt tolerantes Betragen sich die allgemeine Achtung und Liebe erworben. — Obschon mit keinen Glücksgütcrn gesegnet, und bei einem nicht sehr beträchtlichen Gehalt, hat er dennoch alles für die Erziehung seiner Kinder verwendet, mit dem glücklichen Erfolg, daß Alle auf eine ehrenvolle Art ihr Brod haben, und den meisten noch dazu ein ansehnlicher Stand in der bürgerlichen Gesellschaft zu Theil ward. Eine seiner Töchter ist verheirathet mit Herrn Joel Philipson, Greffier des Arrondissements-Gerichts zu Zwolle, und einer seiner Söhne bekleidete die Stelle eines ^dgunct Chef de Bureau beim Finanzministerium im Haag; ein anderer ist neulichst nach Abhaltung seines visser» tatio Iuauguralis: de Ilemorrhagia Cerebri, mit dem höchsten Grade zum Doktor der Medizin promovirt, und der jüngste, der sich dem Advokatenstande widmete, hat .bereits die gen Berathungen einen umständlichen Bericht in Hinsicht der Vorfälle, welche der erste Vorschlag des Ober- Rabbinen Hertzveld zur Berufung einer Synode nach sich gezogen hat, gelegentlich mitzutheilen. Corresp.