Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-10-01 · Heft 40 (1.10.1842) · p. Seite 590

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 40 (1.10.1842)
Date
1842-10-01
Page
Seite 590 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225268--04703-3314309
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

590 Waise in unsrer Mitte steht, mit einer andachtsvollen Schaar zu erfüllen! Anfangs wollte ich das Stillschweigen bewahrend, die Sache Gott anheim stellen, der jedem nach seinen Verdiensten lohnet, und mit gelassener Unterwerfung meine schmachvolle Behandlung tragen; da außerdem alle Rechtschaffenen und wahrhaft religiösen Männer, die keinem Vorurtheile huldigen, meine Gedanken nach ihrem Werthe schätzen werden, (und ich habe Dank sei Gott schon viele Beweise davon zu meinem Tröste empfangen), und ohne meine Selbstvertheidigung die mir aufgebürdeten Beschuldigungen ablehncn werden, da es denselben deutlich sein muß, wie unwahrscheinlich, ja! ungereimt es sei, zu vermuthen: daß von einer rabbinalen Synode etwas Gefährliches für die Religion entsprießen könne! und weil die Thoren, die sich bemühen, um mich täglich mehr vor den Augen der Menschen zu erniedrigen, keiner Ueberzeugung fähig gerechnet werden können. Bei näherer Ueberlegung sah ich dennoch, daß ich durch ein solches Stillschweigen in meiner Pflicht ermangeln würde; denn außer daß Gottes heiliges Wort befiehlt: „daß man jede Anleitung zur Lästerung wegnehmen (Spr. IV, 24) und sich vor Gott und vor Israel von einer angethanen Schmach reinigen muß (Num. XXXIJ, 22)", ist es auch noch zu befürchten, daß diejenigen, so ein sündenhaftes Leben führen und meine Ideen nach den ihrigen beurthcilen, darin eine Ursache finden möchten, sich von Gottes heiligen Gesetzen und Geboten entbunden zu wähnen. Um daher allen irrigen Vorstellungen von mir und meinen Bemühungen ein Ende zu machen, und da bis jetzt noch keine Synode stattgefunden, habe ich mich entschlossen, die von mir entworfenen Verbesserungspunkte, welche vom großen Kirchenrath der hiesigen Hauptsynagoge einstimmig approbirt, bei der Hauptkommission für die Israeliten eingeliefert worden sind, hiermit bekannt zu machen, damit man deutlich sehen könne, daß keine Begierde zur Trennung, vielmehr aber zur Vereinigung mich in denselben geleitet hat; da die in denselben verfaßte Organisation, wie ich mir schmeichle, zweckmäßig kann genannt werden, nicht nur zur Wehrung aller ungeziemenden Handlungen und Mißbräuche aus dem Gotteshause, sondern auch, um viele die jetzt durch die bestehenden Mängel gänzlich dem Gottesdienste fremd geworden sind, rn das innere Heiligthum zurückzuführen m>o sie durch Predigten, auch in der beliebten und schönen Landessprache gehalten, erbaut, durch harmonischen Choralgesang zu religiösem Ernste gestimmt und durch die feierliche Konfirmation der Jünglinge und Jungfrauen aufgeregt, mit ganzer Seele zur Furcht Gottes und zur Befolgung seiner heiligen Gesetze zurückkehren werden. Diese Organisation enthält 17 Punkte folgenden Inhalts: 1) Der Choralgesang soll in den Gemeinden, wo solches möglich ist, durch alle Mittel, welche zum Dienste der Hauptkommiffion stehen, befördert werden. Sie soll daher für den Ankauf der im Auslande bestehenden oder für die Komposition solcher israelitischer Choralgesänge sorgen, und das Studiren 'derselben auf den Schulen eifrig anempsehlen, um durch Einführung derselben an Sabbat- und Festtagen bei irn nab, Vitn, bbn, ep::-d naan, »1053 ■’rpi, ‘ihn'1 2 nmai, mv;:T den äußeren Gottesdienst glänzender zu machen. 2) Der Gesang des Vorsängers (Kantors) soll hauptsächlich bestehen im gewöhnlichen m::n, ohne alle jüdisch-polnische und profane Melodien '), er soll das Gebet verrichten auf feierlichem, doch nicht zu lautem Tone*), und das nicht zu lange ausdehnen 3 4). Es wäre wünschenswerth, daß dieses später feierlicher und dem Sinn der Worte angemessener gemacht würde. 3) Die Gemeindeglieder sollen auf regelmäßigem, nicht zu lautem Tone beten, und die durch den Kantor ausgesprochenen Worte nicht, mitsingen oder wiederholen. Das /w-Gebet soll ganz leise verrichtet werden, selbst am riH und a"rr nicht zu laut gesprochen werden '*). 4) Das btw 5>»ia soll zugleich mit dem Kantor auf mittelmäßigem Tone mit der Rechten vor dem Angesichte begonnen und 'beendet werden5). 1) S. Sch. Ar. Oracb. Cbaj. 53, 25. 2) S. wie oben, und Mag. Abr. en Baj. 101, 2.' 3) S. item Or. Ch. 53, II. 4) S. item, und Mag. Abr. 101, 3. 5) S. wie oben Or. Ch. 61, 5.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.