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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-09-24 · Heft 39 (24.9.1842) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 39 (24.9.1842)
Date
1842-09-24
Page
Seite 582 (sequence 10)
Language
German
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582 Werk eines freien Entschlusses in Gott; der Bibel'schc Orient lehrt, sie sei ein Werk der Nothwendigkeit. So widersprechen der Bibel'sche Orient nebst allen übrigen mystisch-mythischen Lehren und die dogmatischen Philosopheme der Offenbarung in ihren ersten Grundsätzen, und den Hauptlehren der Religion und der Theorie der Entstehung der sichtbaren Welt. Es nimmt sich deshalb um so widerwärtiger, jener hämische Ausfall gegen M. Mendelssohn und dessen Schüler im zweiten Hefte des Bibel'schen Orients p. 54 aus, da ein Vergleich mit jenem Dalai-Lama-Kothe, den dieser uns präsentirt, jene edlere Religion innerhalb der Grenze, der bloßen Vernunft-Religion, ein unantastbares Heiligthum heißen muß. Ja der plumpste Atheismus ist noch jenem Gotte des Bibel'schen Orients vorzuziehen, weil es noch immer besser ist, keinen Gott zu glauben, als jenen üppig sinnlichen Götzen von Babylon und Jagernaut, den uns ein dürftiger Nachahmer der Symboliker so gern eingeschwärzt hätte. Also verhält es sich mit dem — Gott-Lob verfehlten! — Eindringen des Heidenthums in die Synagoge, oder mit der beabsichtigten zweiten Seite ihrer Reform durch heidnische Mystik und Philosophie! Fürwahr, ein größerer Frevel ist seit den Tagen Jerobeam's und Menasse's in Israel nicht gewagt worden! Und das bornirte Geschlecht verstand nicht, was es hörte, gerade wie es in Jesaia heißt: der Ochs kennt seinen Herrn, der Esel seines Eigners Krippe: Israel weiß das nicht; mein Volk ist nicht so klug. — Und (K. 42. V. 19): Wer ist der Blinde, als denn mein Knecht, wer der Taube, als der Bote, den ich senden will? Es ist anderwärts bereits nachgewiesen, und wird von nur Wenigen in Abrede gestellt, welche große Bedeutung der Reform im Sinne des Rationalismus in der Synagoge beizumessen sei. Es ist bekannt genug, aus welcher tiefen Versunkenheit in einen tobten Buchstabendienst und in unnütze Spitzfindigkeiten , in geistige Glaubensknechtschast und darauf berechnete Hyperkrisie der Genius Mendelsohn's uns errettet hat, hier war es vorzüglich darum zu thun, nachzuweisen, in welche tiefe Greuel, in welch' einen geistigen Jammer die auf ihn folgenden Reformversuche die sich das Ansehen einer Zurückführung zum alten einfachen Glauben der Väter geben wollten, uns' zu stürzen beabsichtigen. Allerdings war es in der Zeit der Aufklärung dahin gekommen, daß die sogenannte freie Denkungsweise am Ende an gar nichts mehr glaubte, für gar nichts mehr begeistert werden konnte, als höchstens für ihice Prosa des Gewinnes oder ihre unsittliche Genußsucht. Das kam daher, weil der philosophische Gott eine wächserne Nase hat, die jeder Schöngeist in seiner Meinung nach seinem Gefallen zu drehen im Stande ist. Die Religion sich meine das was M. Mendelssohn nur noch als Gegenstand der Offenbarung stehen ließ,- das weitläufige Ceremoniell) sei für den Pöbel, dachte der Pöbel. — Das ist allerdings eine tiefe Verderbniß! das geistige Kleinod gehört nicht in die Nase der Sau! Aber so betrübt dies immerhin war; das Betrübteste sollte noch kommen. Denn, und das kann nicht oft genug wiederholt werden, weit besser 'ist es immer gar keinen Gott glauben und anbeten, als einen schlechten Götzen. Götzendienst verhält sich zur Gottlosigkeit, gleich Nichts, zu Weniger als Nichts, wie Armuth zu Schulden! der wirklich Gottlose hat noch immer, wie etwa der Stoiker, andere Motive der Sittlichkeit; der Götzendiener dagegen in seinem unsittlichen Vorbilde nur das Motiv, und die Rechtfertigung aller Sittenlosigkeit und aller Untugend; denn sein Gott ist sein Vorbild, in Allem was er ist und will. Außerdem ist es auch noch immer die Frage, ob die Gottesidee, eines höheren geläuterten Rationalismus d. h. ein aus sittlichem Gefühle ruhendes Gottesbewußtsein, nicht weit höher stehe, als Alles, was die wüste, üppige Einbildungskraft des Orients' und Occidents in Göttersagen auszubrüten wußte. Aber was sage ich, daß dieß noch eine Frage fei. Es ist ausgemacht, ein falscher Gott ist schlechter als gar keiner, daher muß auch die bloße Ahnung des Wahrhaftigen ungleich mehr werth sein als alle Kosmo-, Theo-, Angelo- und Dämonogenieen, als Phallus und Joni des Heidenthums mit seinem Mendesdienste und Molochsopfer. Hatte also der Rationalismus den Gott der Offenbarung nicht anerkannt; so hatte der Mysticismus des Bibel'schen Orients noch freventlicher einen neuen scheußlichen Götzendienst in die Gemeinde des Herrn einzuschwärzen versucht. Was er im Jahre 1tz21 in den ominös im schwarzen Umschläge mit blutig rothem Titel erschienenen zwei Heften in die

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