Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1842)
- Date
- 1842-09-24
- Page
- Seite 580 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225267--04692-3314297- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
580 kus; Ströme und Wüsten wurden die Symbole und Träger jener Ideen; die Zeugungskraft ward in den geilsten Thieren und in verabscheuungswerthen Bildwerken menschlicher Genitalien der Verehrung ausgestellt und angebetet, und die Religionsakte bestanden meist in Handlungen und Lanzen, in denen diese Anschauungsweise dargestellt ward. Unzüchtig wie der Gedanke ward auch der Kult; und grausam, wie jene Gedanken vom Kampfe der beiden Prinzipe, ward das ganze Opferwesen und die VersöhnungSceremonien, die fast immer von Menschenopfern begleitet waren. Meist waren unsittliche Darstellungen und Prostitutionen von Jungfrauen und selbst Knaben der Einen Seite des Götzendienstes, der Darstellung der sexuellen Verhältnisse des Zeugenden und Empfangenden in der Natur des allgemeinen Gesetzes der Fortpflanzung und des Geschlechtstriebes vom erhaltenden guten Prinzipe gewidmet, wahrend die grausamen Mo» lochsopser der zweiten Seite, nämlich der Versöhnung, oder der Stillung des Hungers eines zweiten ewig zerstören wollenden Prinzipes, der Befriedigung des Prinzipes der Verneinung bestimmt waren. In der Religion der Drusen soll nach de Sacy’s Untersuchung eben eine Vermischung des muhamedanischen Monotheismus mit der Verehrung des Siva, des zerstörenden Prinzipes, stattsinden. In der neuern Zeit ward dasselbe uralte Wesen im Christenthume nachgewiesen. Das war der herrschende Geist einer noch nicht lange dahin geschwundenen Zeit, und dieß die Weisheit, welche sich an die Stelle des Nationalismus theils gedrängt hatte, theils zu drängen bemübet war. Es kann an diesem Orte unsere Absicht nicht dahingehen, uns über die Wahrheit und den Werth dieser Zurücktragungen ncutestamentalischer Dogmen auf die antiken Lehren des Heidenthums auszusprechen; nur das Thatsächliche dieser Unternehmungen, und ihre Bedeutung mußte ermittelt und dargestellt werden, um den Geist jenes zweiten Reformversuches in der Hamburger Synagoge verständlich zu machen, und ihm seine richtige Stellung anzuweisen, und zwar als eine Abführung vom Pfade, den uns Mose am Sinai gelehrt und einewahre Verführung zu einem schnöden Götzendienste unter dem Gewände einer göttlichen Offenbarung. Der Verfasser des „Bibel'sch en Orients" war dazumal das einzig kündbare und das einzig genügende Organ, zur Einführung dieser trübseligen Reform, indem diese neuerdings mehrfach besprochene Schrift, von welcher die zwei ersten Hefte vorliegen, deren Autorschaft der Herr Bernay's durch sein Stillschweigen anerkennt," die einzige und entschiedene Tendenz hat, unsere lautere wahrhaftige Lehre mit jenem Götzendienste Kanaan's zu identisiziren, und die Anhänger des wahren Gottes Jsrael's, ohne daß diese es gewahr würden, in Diener Baal's und Mvloch's umzuwandcln. Auf eine, seltsame Weise geschah es nun, daß nicht diejenigen sich von dieser beklagenswerthen Umwandlung angezogen fühlten, die sich schon vorher von dem Synagogenkult als Rationalisten entweder ganz getrennt, oder dem Tempel sich zugewendet hatten, wie dieß mit den Rationalisten der anderen Konfessionen der Fall war; sondern nur die echten Altgläubigen, sie die da Zeter schreien und die heilige Synagoge in Gefahr glauben, wenn der Wind einen Strohhalm aus einem Schwalbenneste an ihrem Gesimse herabweht, diese frommen Seelen sollten, ohne es zu ahnen, wohin dieser Pfad führe, und wo er ende, sich den Weg in ein fluchwürdiges Götzenthum leiten lassen, diese mußten sich unter dem Aushängeschilde althergebrachter Wörter und Formeln das Furchtbarste gefallen lassen, was dem wahren Gläubigen nur geboten werden konnte! Was aber das allerschlimmste bei der Sache war, man hatte trotz allem doch nur einen prosaischen Rationalismus gegen einen poetischen, einen schlechten gegen einen verabscheuungswürdigen vertauscht. Denn was drückt denn eigentlich die Annahme eines Urvolkes und einer Uroffenbarung aus, welche letzte darin besteht, daß die Grundanschauungen die eingeborne menschliche Denkweise; als Thesis und Ankithesis durch die Kopula vermittelt; als Satz und Gegensatz und deren Einheit in ihrer Differenz als Liebe und Haß, Zeugen und Empfangen u. s. w. in nebelhaften Bildern und grotesken Skulpturen als Gottheiten angebetet wurden? Was besagt das ganze Heidenthum anders, als daß es keine Offenbarung in wahrem Sinne dieses Wortes, sondern ein Denkprodukt oder Produkt der intellektuellen Anschauung, ein durch die menschliche Vernunft und in derselben Gefundenes sei? Also