Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1842)
- Date
- 1842-09-24
- Page
- Seite 579 (sequence 7)
- Language
- German
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579 man sodann nach der Weltordnung, so ward bald von einer Zeugung; bald von einer Inkarnation oder von einer Emanation, bald von einem ewigen Weltstoffe und einem Ordner desselben, einem Agathodämon oder Kneph, die Rede. Man sprach von den bekannten Gegensätzen in der göttlichen Natur, vom Prinzipe des Guten und des Bösen, des Erhalters und des Zerstörers, der Liebe und des Hasses. Auch machte man Eins zum Erzeugenden, das Andere zum Empfangenden; die Weltseele war als ein Form-gebendes, zeugendes Wesen; der Weltstoff als ein Form-empfangendes angeschaut und göttlich verehrt. So kam man von dem Einen Gegensätze, Liebe und Haß zum andern Gegensätze, Liebe und Gegenliebe (Kro8 und ^nteros der Griechen) zum Männlichen und Weiblichen Prinzipe dem Sti^c und der Kuh, Osiris und Isis, Lingam und Joni und war damit eingetreten in das trübe Zauberreich der abgöttischen Sinnlichkeit, mitsammt allen Ausschweifungen der organisch thierischen Natur im Menschen. Alle Leistungen der berühmten Schule der Symboliker waren nichts als Variationen cilws und desselben Thema's, dieser mythischen, sinnlichen Weltanschauung, nachdem die Kritik den anmaßlichen Versuch des gesunden Menschenverstandes, eine natürliche Religion zu begründen, vernichtet sah, oder doch glaubte. So verwandeltm sie die ganze christliche Religion in einen Buddhadienst, und fanden selbst in Namen wie Krischna, Anklänge an Christus, in Brahma und Sarni, an Abraham und Sara, wovon man sich am besten im ersten Hefte des Bibel'schen Orients überzeugen kann. Dergestalt verkannte man den Geist und den Gehalt dev Offenbarung im A. T., und so mißdeutete man die so klar ausgesprochene Schöpfungslehre: Im Anfänge schuf Gott Himmel und Erde! Indessen spielte man ein hyperkritisches Spiel mit dem Worte: Offenbarung. In dem Sinne, in welchem es verstanden werden mußte, wenn man zu dem Endurtheile gelangt ist, daß unsere uns eingeborne Vernunft um das Wesen des Leiblichen und Geistigen nichts wissen könne, und daß also dasjenige, was von Beiden zu unserer Kunde gebracht worden, durch eine Mittheilung von Außen und durch ein Erfahren von Innen, an uns gelangt sein müsse: in diesem Sinne brauchte man das Wort Offenbarung fast nie; sondern vielmehr in dem Sinne, nach welchem es ein Erscheinen eines bis dahin unsichtbaren Wesens; die Aeußerung eines Innerlichen, das Sichtbarwerden des Unsichtbaren bedeutet. So ward die Offenbarung Gottes zu einem Sichtbarwerden des göttlichen Wesens in der materiellen Welt, ungefähr auf gleiche Weise, wie der lebendige Mensch oder ein Thier eine Offenbarung, ein sichtbar gewordenes unsichtbares Lebensprinzip genannt werden kann. Diese Analogie, der krasseste Anthropomorphismus und Versinnlichung des Geistigen galt als Mysterium der tiefsten Weltanschauung, der erhabensten Weisheit. Jede in eine That übergehende Kraft ward nunmehr zu einer substantiellen Offenbarung, und so vermochte man es mit jenem doppelsinnigen Namen den wahren Offenbarungsgläubigen zu hintergehen, wenn man nicht so redlich wie einige wenige Theologen aus dieser-Schule war, das Wort Offenbarung liebex gänzlich zu umgehen. Andre minder rechtliche, veränderten den Terminus, indem sie lehrten, Gott habe sich in die Welt geoffenbaret, statt der Welt, um damit die Selbstentäußerung des Unsichtbaren Geistes zu einer sichtbaren Substanz, eine Hypostase, z. B. die der Weisheit, der Liebe Gottes zu Persönlichkeiten zu bezeichnen; dieß heißt aber mit runden Worten: Eigentliche Schöpfung ist nicht anzunehmen, sondern statt ihrer eine Umwandlung der göttlichen Substanz in eine weltliche, eine Verwandlung Gottes in eine Welt, in welchem Sinne denn die Welt die äußerliche Gottheit, die Gottheit die innerliche Welt wäre; Gott wäre: die Welt unsichtbar; Welt: Gott sichtbar. Man war überaus erfreuet und erstaunt, diesen Lehren allenthalben wo man nur anklopfte, zu begegnen. Auf dem Himelayagebirge, in seinen Thälern und unermeßlichen Ebenen traf man diesen Glauben, und auch in dem reformatorischen Buddhismus; man stieß auf einen ähnlichen, sublimirten bei den Guebern; auf einen verwandten, nur krasseren in Chaldäa und in Babylon der älteren Zeiten; man entdeckte ihn im Pontus in den Samothrakischen Mysterien- und Kabirendienste; ja man verfolgte ihn vom fernsten Osten bis zum Westen, so daß selbst die neue Welt in etwas modisizirten Bildern gleiche Lehren symbolisirte. Sonne, Sterne und Sternbilder; der Gang der Sonne durch den Zodia-