Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1842)
- Date
- 1842-09-24
- Page
- Seite 578 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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578 schloß, um dieser Anstalt willen hierherzuziehen, kund gegeben. Wr. Theologie. Synagoge und Tempel, ein modernes Schisma. Von Dr. Steinheim. (Fortsetzung und Schluß.) Auch hatte baldder Rationalismus den Rationalismus wieder beschränkt, und endlich wieder gar überwältigt. Jener Rationalismus, der sich anmaßte, alles Geistige allein zu wissen und zu wirken; den Inbegriff des Göttlichen und Menschlichen aus eigenem Vermögen zu produziren; die Werke der Natur als der sichtbaren Welt, eben so wie die des Geistes, der unsichtbaren, sittlichen Welt, in Einem Begriff zusammen zu fassen und zu konstruiren, und also sich seine Welt und seinen Gott zu schaffen; dieser ward in seiner nichtigen Anmaßlichkeit erkannt, verworfen und mußte nunmehr, um seine widerspruchreichen Abstraktionen durch neue Stützen zu behaupten seine Zuflucht zu allerhand Fiktionen von alter ägyptisch-hieroglyphischer Weisheit, einer Uroffenbarung bei einem Urvolke rc. nehmen. Da entstanden denn nach und nach die modernen philosophischen Lehrsysteme, neuere Dogmatiken und neueste Philosopheme auf dem Boden des Orients, auf uralter Tradition; allein auch eben so bald wurden auch sie von demselben scharfen Schwerdte getroffen, das nun einmal die Scheidewand zwischen Wahrem und Falschem, die Scheinehe per procuram überwachen muß. Geschah solches im philosophischen Gebiete, so war die Umwälzung im theologischen nicht weniger durchgreifend. Was die Kritik der reinen Vernunft dem Weltweisen dargethan, daß eine und welche Umgrenzung unsere Vernunft umgebe, dasselbe hatte ein altes Religionsbuch mittelbar über das Wesen des Göttlichen uns gelehrt, daß wir vom Wesen Gottes und göttlicher Dinge eben so wenig ein Wissen gewinnen können, als vom Wesen der sichtbaren Natur, wenn nicht Jene wie diese uns geoffenbaret wäre, diese durch die sinnliche Anschauung aller Sinne, jene durch das bloße Wahrnehmen des Ohres, durch das mitgetheilte Wort. Sichtbare und unsichtbare Welt müssen, um gekannt zu sein, erfahren werden. Darum lehrt uns unsere heilige Schrift eine Offenbarung Gottes der Form nach, analog mit der Offenbarung der Natur. Im Grunde hatte die Kritik der r. V. dieser Offenbarung im eigendsten Wortsinne die Bahn gebrochen, und ihr den Weg geebnet. Sie hatte die Erschleichung und Anmaßung der Vernunftdogmatik nach- und zurückgewiesen, und dargethan, daß all' unser angebliches Wissen von Gott und ewigen Dingen ein falsches, in sich ein versatiles sei. Allein da auch die kritische Philosophie doch nun einmal den Boden der selbstthätigen Vernunft nicht verlassen konnte, weil damit der Philosophie selber die Grundlage entzogen worden wäre, so hatte sie an die Stelle eines Wissens von einer übersinnlichen Natur eine nöthigende Voraussetzung oder ein Postulat der praktischen Vernunft, des Sittengesetzes in unser Gewissen, gesetzt. So wie man indeß im philosophischen Gebiete weder mit einer bloßen Ahnung, noch mit einer solchen Postulirung einer höchsten moralischen Person zufrieden gestellt war, so suchte man in der Theologie, wer weiß wie fern und hoch in der Geschichte aufwärts nach einer ursprünglichen Wissenschaft von Gott und seinen Werken. Man wanderte nach den Hochebnen Asiens, man durchstöberte die Pyramiden; man durchsuchte die Felsenthale und Tempel Buddha's und ließ sich weder durch abgeschmackte Ungeheuer, noch durch Affenfratzen in seinem andächtigen Suchen stutzig machen, oder abhalten in ihnen das Urwissen von Gott und seinen Schöpfungswerken zu suchen, und — um den Weg nicht vergebens gemacht zu haben — auch zu finden. Also geschah es denn, daß sich die neuern Theologieen sowol theoretisch, als historisch eng an die uralten, neuentdeckten Götterlehren und Schöpfungsgeschichten anschloffen, und ganz andere Traditionen, die unserer Zeit vererbt waren, an Mysterien von Ganges, Buhramputer, Nil undSamothrake anlehnten. War von Gottes Einheit die Rede; gut — sagte man — am Ganges verehrte man als solche Brahma; am Nil dk'' Phthas; am Euphrat den Honoyar 'der Ouvm. — Fragte