Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1842)
- Date
- 1842-09-24
- Page
- Seite 574 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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574 der höchsten Hingebung fähig sind: welche tauglichen Instrumente würden diese abgeben! Dieses israelitische Hospital in Jerusalem würde erkrankte Glaubensgenossen, von welchem Lande sie auch seien, aufnehmen, die unbemittelten unentgeldlich, die bemittelten gegen angemessne Vergütung. — Ist man doch jetzt in Europa thätig genug, um in Jerusalem für eine andre Konfession ein Hospital zu errichten, die noch nicht einmal vorhanden ist. Diese will sich erst Gemeinden dort schaffen, wir haben diese schon; jene bedarf vielleicht erst in der Zukunft ein Hospital, und ist schon um die Gründung thätig, wir aber sind dessen schon lange, lange bedürftig, und haben noch keine Hand angelegt. Und was ist es am Ende Großes! Das ganze Judenthum sollte nicht die Mittel zu einem Institute beschaffen können, das manche einzelne Gemeinde in Ansehnlichkeit besitzt, und von wenigen wohlwollenden Individuen gegründet und erhalten wird? Ein zweckmäßig eingerichtetes Hospital zu ea. 50 Betten, kann dieses eine drückende Last für eine Gesammtheit sein? Jahr aus, Jahr ein wird in Israel für daS Heil Jerusalem's gebetet; nun wohlan, so thut doch einmal etwas Erkleckliches dafür: namentlich Ihr, älter gesinnte Israeliten, die sich irgend ein Gebet des Inhalts um Alles nicht kürzen lassen würden, zeiget, daß es euch Ernst ist! Eine allgemeine Sammlung, Kollekte zu diesem Zwecke zu eröffnen, würde vielen Umständlichkeiten unterliegen — wir bringen daher Folgendes zum Vorschlag: 1) jeder Wohlwollende, der die hier dargestellte Sache zu würdigen versteht in ihrer ganzen heiligen Bestimmung, händigt den Vorstehern seiner Gemeinde ein Geschenk, groß oder klein, zu diesem Zwecke ein. Die resp. Vorsteher bewahren diese Geschenke in ihrem Verwahrsam, und senden uns die Verzeichnisse ein, die wir sofort in der Allgem. Zeit, des Judenthums veröffentlichen. 2) Sobald eine erkleckliche Summe aus den Verzeichnissen der Geschenke zu ersehen ist, treten wir mit einem der größten europäischen Banquierhause in Verbindung, und erlassen wir dann eine Aufforderung, die Gelder an dieses BanquierhauS einzusenden, bei dem sie einstweilen belegt bleiben. 3) Nachdem dies geschehen sein wird, werden die Vorstände der drei größten Gemeinden, die sich dabei betheiligt haben, das Protektorat des Instituts annehmen. Diese erwählen ein Komite, das zu zwei Drittheilen aus Aerzten jüdischen Glaubens besteht, und die Ausführung betreibt, so wie den Schutz Sr. Hoheit des Sultans erwirbt. 4) Die Namen sämmtlicher Geber werden auf Tafeln in den Sälen des Hospitals zum ewigen Gedächtniß, nach den Ländern und Städten geordnet, aufbewahrt. 5) Die Fonds des Instituts verbleiben, sicher angelegt, in Europa, so weit sie nicht durch die Baulichkeiten verzehrt worden. Diesen einfachen Plan legen wir den Vorständen und Gemeinden Israels an das Herz, und bitten aller Orten um die kräftigste und geräuschlose Unterstützung. Wir beginnen mit dem Kleinsten; im Kleinsten sehen wir den ersten, und dann immer wieder einen Baustein, bis das Ganze ynter des Höchsten Schutze dafleht. Schlüßlich bemerkt die Redaktiol., daß sie durchaus keine Geldsendungen in dieser Angelegenheit annimmt; ein Jeder lege seine Gabe bei seinem Vorstande nieder, und sende uns die Bescheinigung darüber ein; hat Jemand besondere Gründe, dies nicht zu thun, oder will anonym bleiben, so kann er das Geld an den löbl. Vorstand der israel. Gemeinde Magdeburg, oder an einen andern Vorstand, von dem er weiß, daß er sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt, einsenden. Zeitungsnachrichten. Die Niederlande. Aus. Holland, im August. (Privatmitth.) Sie erlauben mir wol, noch mit einigen Worten auf die Ertheilung des Löwenritterordens an den Oberrabbinen Hertzveld in Zwolle zurückzukommen. Es ist dies der erste Rabbiner dem eine solche Auszeichnung zu Theil ward. (Der sel. de Cologne zu Paris erhielt den Orden der eisernen Krone nur in seiner Eigenschaft als Mitglied einer Agrikultur-Gesellschaft, nicht aber in der als jüdischer Geistlicher). Nur die humane holländische Regierung konnte in jetziger Zeit ein so edles Beispiel von Anerkennung des Verdienstes ohne Unterschied der Religion geben. Holland hat auf ewig den mittelalterlichen Spuk verbannt; und Niemand haustrt dort mit der neuern deutschen Philosophie, ihn wieder in's Leben zu rufen.