Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1842)
- Date
- 1842-09-17
- Page
- Seite 567 (sequence 11)
- Language
- German
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567 -einer innerlichen endlichen Bestimmung entgegen. Mochte auch immer noch von Vielen, nicht nur von solchen, die sich außerhalb des Tempels befinden, sondern selbst noch von vielen seiner Mitglieder, derselbe als eine rein politische Angelegenheit betrachtet werden, so war er in sich besser als sein Schein den Glcichgiltigen, oder Abgeneigten sich darstellte; er war eine Thatsache der Geschichte! Dabei verließ jedoch der Tempel den Grundsatz nimmer, sich so wenig als möglich von der Synagoge zu entfernen. Nur andeutungsweise wagte er eS, die mit davidischen Legitimitätsansprüchen verdorbene antike Meffiasidee, in ihrer alten großartigen Gestalt, wieder aufzustellen. Wir haben es gesehen , mit welcher Aengstlichkeit die Liturgie in dieser Beziehung zu Werke ging, um jeden Schein der Umänderung einer politisch-beschränkten in eine echt prophetische Zukunftslehre zu vermeiden. Selbst die heidnische unseren Vorfahren nur wegen ihrer Verstocktheit und sinnlosen Beschränktheit gelassene Opfertheorie wurde von ihm mit derselben Schonung behandelt, obwol sich jederman im Stillen sagen mußte, daß selbst der Bigotteste sich heutigen Tages der Meinung schämen würde, der Gott Jsrael's, Er, "den kein Name nennt, der Geist der Geister — hochgelobt sei Er! — habe Wohlgefallen am brenzlichen Fettgeruch der Opferthiere! So vorsichtig und behutsam jedoch, vielleicht nicht ohne eine bessere Ueberzeugung der Pietät vor dem Gewohnten zu opfern, der Tempel sein Reformationswerk vollzog; so sehr man es anerkennen mußte, welche Mühe er sich gab, bei aller neuem Tendenz keinen wesentlichen Anstoß zu geben; so erhub sich dessenungeachtet gleich nach dem Erscheinen der ersten Liturgie ein rasender Sturm gegen ihn. Ringsum entlud sich das schwarze Donnergewölk einer entrüsteten Orthodoxie über seinem Dache, und warf Blitz und Bannstrahl darauf hinab. Man sagte: Gotte könne sich mit solchen verstümmelten Gebeten nun einmal nicht absinden lassen. Seit mehr als tausend Jahren sei er gewohnt, und habe es befohlen, so und so viel Gebete von jeder Sorte, seine bestimmte Portion Gebethauches statt des Opferduftes in Empfang zu nehmen, und nun werde er um sein Recht betrogen und schmälig an seinen Opsersteuern gekürzt, um das Gebetpflichttheil (N21N nbsn) nämlich. Anstatt sich deS — wenn auch von einer Orthodoxie nur gering anzuschlagenden — Gewinnes zu freuen, daß der Tempel doch mindestens viele sonst ganz verirrte Schafe vom Hause Jsrael's in sich sammelte, und im Namen des Einigen daselbst gepredigt wurde, wenn auch (nach ihrer Meinung) nicht in der Vollkommenheit, wie in der Synagoge; statt mit Freuden ein Institut zu begrüßen, das Abtrünnige zurückrufen, Schwankende, die von der Synagoge sich weit und weiter entfernt hatten, die jener ältere Kult gänzlich zu vertreiben drohen mußte, erhalten und befestigen konnte; statt einer solchen anständigen Freude, ward der Tempel mit Grimm angefallen, verfolgt und in den Bann gethan. Zum Glürke sind mit dem Blitzstrahle des Donners vom Vatikan auch die der «leorum minorum xeutinm matt geworden, oder gar verloschen. Gepolter machen sie noch, aber sie zünden nicht mehr! So geschah es auch in der Tempelsache; er blieb unversehrt, nur der ohnmächtige Zorn seiner Gegner ward zu Schanden. Aber nicht allein das, sondern der Tempel sing an späterhin nachzuholen, was er anfänglich aus übergroßer Aengstlichkeit versäumt hatte. Denn schon lange haben die wahrhaften und tiefer schauenden Verehrer der Offenbarungslehre der Synagoge es schmerzlich beklagt, daß der Tempel ihre Erwartung nicht befriedigen wollte, ohne deßhalb minder gegen die verstockte Gewohnheit zu verstoßen. Sie hatten gehofft und erwartet, er würde aus dem Mittelpunkt der wahren Offenbarungslehre heraus, mit sicherm Schritte und Schnitte an die seltsame, aus Parsismus und Offenbarung gemischten alten Theorien, mit ihren heidnischen Gebrauchen und Formeln gehen, und abthun was Jsrael's heiligem Berufe, seiner Bestimmung zum Führer der Völker in der Gotteserkenntniß Abbruch gethan; er würde die alte, einfache Gvtteslehre Mosis wieder einsetzen in ihre erhabne Würde, und dafür auskehren allen Neuplatonischen, philosophisch-theosophischen Wust alexandrinischen Aberwitzes und persischen Aberglaubens. Das, was er gleich anfangs hätte sollen und können, wäre er von einem rein religiösen Standpunkte ausgegangen, das suchte er späterhin — wenn uns nicht alles täuscht — auf dem langsamem Wege, vielleicht dem sichrern allmälicher Reform zu bewerkstelligen, die Restauration des wahrhaften Glaubens der Vater. Solches tritt nicht