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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-09-17 · Heft 38 (17.9.1842) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 38 (17.9.1842)
Date
1842-09-17
Page
Seite 564 (sequence 8)
Language
German
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564 Beider. Zween Herren kann man nicht dienen! Entweder verdirbt die höhere Politik das irdische Regiment, und machte den König zu einen bloßen Kriegesfürsten, oder es mußte die Messiasidee an jenem Königsgesetze, das Samuel entworfen hatte, zu Grunde gehen. Die Verknüpfung beider war nur gewaltsam, nur nothdürftig. Es wird sich vielleicht Gelegenheit finden, an einem andern Orte, diese Gegensätze deutlicher darzustellen und aus ihnen die wahrhaftige Messiasidee des Judenthums herzustellen. Wir finden uns um so mehr zu einer solchen Exposition veranlaßt, als schon anderwärts die Messiaslehre, in der Schrift über den Offenbarungsbegriff der Synagoge in Kürze entworfen, zu Misdeutungen Anlaß gegeben hat, namentlich in der ersten Nummer der v. Hönighausenschen Kirchenzeitung und in der Rezension meiner obgenannten Schrift im Literatur-Blatte der allgemeinen Kirchenzeitung No. 107 des Jahrganges 1837 von Herrn Carovö. Wenn nun die ganze jüdische Religion, und insbesondere die Eschatologie und Messiaslehre derselben durchaus frei von Partikularismus d. h. von einer ganz speziellen Beziehung aus den Träger dieser Idee, das Volk Israel, und also nicht für dieses ausschließlich berechnet ist; wenn im Gegentheil ihr Zweck und ihr Ziel das ganze Menschengeschlecht umfaßt, auch seit ihrem Anbeginne, den heiligen Urkunden gemäß, in dieser Ausdehnung gefaßt und verkündet ward, so verstehet es sich auch ganz von selbst, daß dieses thevkratische Institut nicht allein seinen thätigen Antheil an der fortschreitenden Menschengeschichte zu nehmen berufen ist, sondern daß es vielmehr als ein Panier derselben vorangetragen werden soll. Mag es sich immerhin in einem Wust von Umhüllungen eingemummt und versteckt haben; mag es sich in eine äußerlich rauhe stachliche Schaale verbergen, sich mit einem Zaun um den andern, mit undurchdringlichen Satzungen, verschanzen: sein Kern, sein lebendiger Keim im Kerne bleibt doch derselbe, und seine Bestimmung ist ewig, im unscheinbaren Puppenzustande seinen Völkerfrühling zu erwerben, um sodann an der schönern Sonne einer verjüngten Geschichte, einer cdlern Völkerbildung die es selbst gezeitigt, seine glänzenden Flügel zu entfalten. Denn es ist in seinem innersten Wesen und Sinne ein Herold und Bote des Friedens und. der Freiheit, eine frohe Botschaft vom höchsten anbe» tungswürdigen Geiste an die, in irdischer Beschränktheit hinieden wallfahrtenden Söhne des Weibes. Es kann daher nichts Ueberraschendes haben, nichts Regelwidriges bedeuten, wenn die Träger jener Lehre von Zeit zu Zeit, — so oft nämlich ein greller Abstand zwischen der wissenschaftlichen und künstlerischen Bildung der umgebenden Nationen und ihm eingetreten ist; sobald jene Wissenschaft und Kunst einen so bedeutenden Vorsprung gewonnen haben, daß ein schneidendes Mißverhältniß zwischen der Gotteslehre und den Ergebnissen derselben einerseits, und anderseits der Aufklärung durch menschliche Vernunftergebnisse obwaltet — wenn — sage ich — jene Träger der Offenbarungslehre von Zeit zu Zeit das, was ihre wahre Gestalt verunstaltet, ein veraltetes Gehäuse, einen morschen Zaun, oder sonst eine zerlumpte. Hülle von sich werfen. Das alles ist' ein .ganz naturgemäßes Ergebniß, nichts anders, wie der Vogel mausert; die alte Birke ihre getrockneten Borken abwirft; der Krebs seine Schaale wechselt. Es ist dieses zugleich erste Bedingung zur Wirksamkeit eines lebendigen Ferments, das, aus sich selbst herausgährend, die träge Masse der übrigen Welt über sich selbst hinausheben soll. Wie konnte es diesen seinen endlichen Lebenszweck wol in seiner veralteten, abstoßenden Gestalt, in seiner hartnäckigen Jsolirung erreichen? Aber eben so wenig, wie in dieser eigensinnigen Isolation ist er erreichbar durch eine unbedingte, rückstchtlose Hingabe an das äußerlich Umgebende, an die Kunst und die Wissenschaft, so lang diese noch in ihrem Wesen und Grundprinzipe Abweichendes lehren und wollen; so lange noch — mit Einem Worte — das | philosophische Heidenthum lebendig unter uns 'wanj beit. Es würde dann leicht durch eine äußerlich ge- ' wonnene Gleichheit der Form, jene wesentliche inj nerliche Ungleichheit des Inhalts übersehen und ver- . gessen werden, und dadurch der große Zweck um so! eher unerreicht bleiben. Aus diesem Gesichtspunkte : betrachtet, muß man das Nützliche ja das Nothwendige jeder zeitgemäßen Reform unsers Kultus, so wie der sichtbaren Erscheinung der Synagogenlehre überhaupt, als eine zeitgemäße Darstellungsweise der ewigen Idee, die das Judenthum durchweht, anerkennen und unverfänglich finden. Dieß war denn auch der Drang der Verhältnisse, der im zwei-

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