Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1842)
- Date
- 1842-09-17
- Page
- Seite 562 (sequence 6)
- Language
- German
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562 sind thätig und ihrem Amte gewachsen. Den Religionsunterricht leitet Herr Bodenheimer mit einem Eifer und einer Begeisterung, die sich auch den Zöglingen mittheilt. Wir bemerkten dies bei der letzthin Statt gehabten Konfirmation, der wir alle mit Rührung beiwohnten und von der selbst unsre christlichen Mitbürger gestanden, sie in ihren Kirchen nicht würdiger ausgeführt gesehen zu haben fl). Der hiesige Verein zur Verbreitung von Handwerken unter den Juden, vor mehren Jahren durch Vermittelung des Herrn Bodenheimer entbanden, hat eine rühmliche Thätigkeit entfaltet und vielen Knaben die Mittel zur'Erlernung eines achtbaren Gewerbes verabreicht. Es gehört freilich ein nicht geringer Muth dazu, sich in unserm Lande einem Handwerke zu widmen, indem bis jetzt gar keine Aussicht vorlag, daß ein Israelit das Meisterrecht erwerben könnte. Das neueste Judengesetz (das, im Ganzen genommen, doch wol weniger geben wird, als die frühem Satzungen verfetteten,) - soll, wie verlautet, dies Hknderniß beseitigt haben. Schließlich wünschen wir allen denen, welche am Wohl unsrer Gemeinde arbeiten, Muth und Ausdauer: es ist ein schöner Beruf den Bedrückten beizustehen, und ein wahrhaft himmlischer Genuß, das mühsam Gesaete reifen zu sehen. Wie sich aber auch die Erndte gestatten möge, unsrer Dankbarkeit wird der Saemann stets gewiß sein. Schulmann, Philologe. Theolog i e. Synagoge und Tempel, ein modernes Schisma. Bon Dr. 2teinheim. Die Schismen der neuesten Zeit hüben den Vorzug des mildern Charakters vor denen früherer Jahrhunderte, voraus. Es geht mit geistigen Un- °) Solche Handlungen müssen die Widersacher doch endlich zu dem Gcständniß drängen, daß wir zur „bürgerlichen Gleichstellung" reif sind. Wir sollen immer unreif bleiben. Ach nein, drängen und drücken macht auch reif! Corresp. gewittern, Erdbeben und Kriegen genau wie mit den physischen; auch sie sind allmälich friedlicher worden, haben das Zerstörende, das Orkanhaste verloren. So gaben uns die heilsamen Aufregungen und Revolutionen unsers Erdkörpers die Mahnung eines neuen Zeitabschnittes der Kulturgeschichte, den unmerklicher unblutiger Entwickelungen im Gebiete des ethischen Reiches sowol, als in dem physischen. Wir müssen diese Neugestaltung preisen; wir müssen sie aber auch schelten. Preisen müssen wir sie dann, wenn sie in friedlicher Eintracht und zu gegenseitiger Achtung der Person und ihrer Ueberzeugung führt; wenn sie es gebietet, daß selbst die schroffsten Gegensätze ohne thätliche Feindseligkeiten, ohne Angriffe aus Freiheit, Gut und Blut sich neben einander ertragen und vorttagen, und damit einer lebhaftern geistigen Entwickelung Raum errungen wird, wenn es durch sie erreicht wird, daß die Parteien in einem dritten gemeinschaftlichen Standpunkte zusammentreffen und zur Aussöhnung gelangen. Wenn sie den alten Brauch zerstört, den Gedanken mit der Faust nicderzukämpfen; mit mechanischen Kräften gegen das Geistige zu fechten; mit Bann, Kerker und Henkcrsbeil, statt mit Gründen und Ucberzcugung ihre Werke zu behaupten. Aber tadeln müssen wir sie, wenn sich ihre Milde zu einer weichlichen oder frostigen Gleichgültigkeit herabstimmt; wenn sich ihre Nachsicht mit dem Irrenden, auf den Jrrthum ausdehnt, wenn sie dieselbe Duldung der Theorie zu Gute kommen läßt, welche sie gegen die Person in der Praxis übt. In Beziehung zur vorliegenden Differenz zwischen Synagoge und Tempel in Hamburg, die wir in ihrem Anfänge und Verlaufe als bekannt voraussetzen dürfen, haben wir von mehrfacher Seite, die Gestaltung des Schisma in Erwägung zu ziehen beschlossen. Indem gerade an dieser modernen, oder doch dem Muster und Beispiele des Modernen analogen Form des Streites, können wir uns eine Erkenntniß erwerben, sowol über die Art als auch über den Grad der sittlich religiösen Bildung innerhalb des heutigen Judenthums. Aus den Punkten der Streitfrage und aus der Methode der Streitführung dürfen wir uns ein Bild zusammensetzen, sowol vom Zustande der Orthodoxie unter uns Juden der Neuzeit, als auch von dem