Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1842)
- Date
- 1842-09-17
- Page
- Seite 561 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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561 höchst erbaulichen Predigten nicht nur den Beifall der gesammten. Gemeinde-Mitglieder, sondern selbst unsre christlichen Mitbrüder besuchen häufig und zahlreich unser Gotteshaus, um des geistigen Genusses theilhaftig zu werden, den die heiligen Reden, welche Ln ihm erklingen, im reichsten Maße gewahren; ein Umstand, der um so weniger übersehen werden darf, als im Verlauf der letzten Jahre mehre christliche Prediger nacheinander hier angestellt sind, die durch ihre Kanzelberedsamkeit Furore gemacht haben. Diese Tüchtigkeit, welche Herr 35. im Predigen entfaltet, veranlaßt uns, hier mit vielen unsrer Gemeinde-Genossen den Wunsch auszusprechen, daß der geehrte Geistliche, Statt alle vier Wochen, jeden Samstag die Gemeinde durch einen geistlichen Vortrag belehren und erbauen möge; einen Wunsch, den gewiß viele unsrer Glaubensbrüder hegen, und der, wenn er allgemein realisirt würd->, die wohlthatigsten Folgen zeigen dürfte. Lehre, Rath und Trost bedürfen wir Alle; wir bedürfen ihrer täglich. Die Predigt gewahrt dies Alles mehr, als jeder andre Versuch. Darum wird Niemand über ein Zuviel klagen können, wenn samstäglich das göttliche Wort vom Rednerstuhl ertönt. Dazu , kommt: Viele der Aeltern unter uns haben einen tiefem Religions-Unterricht nicht genossen *); die Predigt tritt an seine Stelle, erläutert, vervollständigt, befestigt; ferner, der Geistliche findet oft Gelegenheit, sich über bestimmte Vorfälle in der Gemeinde öffentlich auszusprechen, zu leiten, zu versöhnen; wie oft muß da der Moment verfehlt werden, wenn nicht allwöchentlich gepredigt wird; endlich: die Predigt macht den Gottesdienst feierlicher, sie verleiht ihm einen eignen Reiz, eine unverkennbare Würde. Sodann freilich bliebe noch wünschenswerth, daß die Predigt nicht allzusehr ausgedehnt würde; ein Fehler, in den wir viele unsrer Prediger verfallen sehen. » Fragt man nach den Verhältnissen des religiösen Kultus in unsrer Synagoge, so bleibt freilich noch mancherlei zu wünschen übrig; allein Schritte zum Besserwerden sind bereits geschehen, und wir können <*) Auch Herr Bodenheimer hat die von der verehrt. Redaktion d. Bl. angeregte Idee eines Missions-Vereines zu der seinigen gemacht. Er ist nur noch über die Ausführung derselben nicht ganz einig; jedenfalls aber dürfte mit Nächstem hier etwas geschehen, wodurch auf eine Gesellschaft, wie die hier fragliche, entweder vorbereitet, oder sie selbst in's Leben gerufen werden wird. Corresp. die Richtung des Herrn Bodenheimer, Verbesserungen nur allgemach einzuführen und den reformatorischen Weg mit Behutsamkeit und Vorsicht zu wandeln, nur als eine heilsame bezeichnen. Auf diese Weise kommt selbst der Widerstrebende unvermerkt in den Zug mit hinein und empfindet den Verlust dessen, was ihm als Althergebrachtes und Langgewohntes theuer ist, nicht allzuherbe; kurz weder die Konservativen, noch die Reformer haben Ursach, sich zu beklagen. So ist Vieles bei uns gekürzt; die der Andacht so nöthige Stille vollkommen im Gotteshause vorhanden; der die Anbetung fördernde und verherrlichende Chorgesang — ein vom Herrn R. Frankel allhier begründetes und mehre Jahre rühmlichst geleitetes Institut, von dessen Direktion der genannte Herr wegen gehäufter Geschäfte hat abstehen müssen, — hat seinen Fortgang, wiewol wir ihm noch größern Umfang und regere Theilnahme wünschen möchten. Wirksamer indeß und ergreifender würden unsre Betstunden unzweifelhaft dann sein, wenn sie in einem würdigen, den Forderungen des religiösen Geschmacks entsprechenden Gotteshause vor sich gingen. Der alte, jetzt wegen Baufälligkeit verlassene Tempel genügte auch nicht den bescheidensten Wünschen; eben so wenig das jetzt gemiethete, viel zu beschränkte und unwürdig ausgestattete Lokal im lutherischen Waisenhause. Mit Fug sehnt sich der Betende nach einer herzerhebenden Umgebung: feierlich im Innern, soll auch das Aeußere ihn nicht unerquickt lassen. Wenn nun der Anblick unsres jetzigen Betzimmers höchst unerquicklich ist; wenn der Magistrat Hieselbst einen freien Platz zum Bau eines Gotteshauses der Gemeinde überwiesen hat; wenn, Statt ehemaliger Schulden, jetzt ein nicht unbedeutendes, der Synagoge gehöriges Kapital verzinslich ausgeliehen ist; wenn wir endlich die Hoffnung haben, daß, sobald nur der Anfang zum Neubau gemacht ist, uns Unterstützungen von außen her zufließen werden; — denn dieser sind wir wahrlich bedürftig — so ist der Wunsch, daß es unfern verehrt. Vorstand gefallen möge, den ged. Bau recht bald in Angriff zu nehmen, weder zu voreilig, noch in der Ausführung zu schwierig; eine Ansicht, der mit den meisten unsrer Gemeinde-Mitglieder auch Herr Landrabbiner Bodenheimer seine vollkommne Theilnahme widmet. Synagoge und Schute sollen Hand in Hand gehen. Und so ist es hier. Unsere „Volksschule," der Herr Bodenheimer vorsteht, leistet alles dasjenige, was man von einer Bürgerschule zu fordern berechtigt ist. Die Lehrer