Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1842)
- Date
- 1842-09-17
- Page
- Seite 560 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225266--04671-3314275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
560 die gelehrten Schriften einen angemessenen Kreis von Lesern finden, ist von dem Vorsteher des Vereins folgendes Cirkularschreiben erlassen. „Die „Richtung, welche die Bekenner des alten Bundes 1 „seit einigen Dezennien genommen, sowol in mate- „rieller wie in spiritueller Hinsicht, haben denselben „den Vortheil gewährt, daß unter den israelitischen „Theologen und Juristen sich Männer erhoben, die „mit Wärme, Gewandtheit und großer Gelehrsami „keil das Interesse der Juden in religiöser und büri „gerlicher Hinsicht vertreten. Manches Schöne, was „die deutsch-israelitische Literatur erzeugt, und zur „Beleuchtung etwaiger irriger Ansichten dienen könnte, „geht den Gebildeten anderer Konfessionen aus Un- „bekanntschaft, folglich auch unbeachtet vorüber. Es „sind daher Israeliten zusammengetreten, welche, „aber nur in der Absicht, um Jrrthümer über Ju- „den und Judenthum zu beleuchten, sich bemühen, „diesen Zweig der Literatur zu verbreiten, ohne daß „jedoch den Lesern die mindesten Kosten dadurch ver- „ursacht werden. Demzufolge erlaube ich mir in „dem intelligenten Publikum unserer Stadt von Zeit „zu Zeit Schriften dieser Art cirkuliren zu lassen; „zuvor aber bitte ich, durch Unterschrift die Einwilli- „gung als Mitleser bekunden zu wollen. Hermann Calmsohn." Demselben sind viele Juristen, Theologen und Philologen beigetreten. Auch hier ist ebenfalls mit Frankel's bekannter Abhandlung über den Judeneid und Geiger's neuestem Gutachten über die Militairpflichtigkeit der Juden, begonnen, und lassen wir diese Schriften cirkuliren, wie es in Lesevereinen üblich ist. Alles Gediegene, Israeliten betreffend, was die deutsche Presse veröffentlicht, wird von dem Verein zu diesem Zwecke besorgt. Wir fühlen uns daher veranlaßt die Autoren aufmerksam zu machen, in den Schriften stets den christlichen, der hebräischen Sprache und der jüdischen Verhältnisse unkundigen Leser zu berücksichtigen, um das Unklare durch erforderliche Anmerkungen zu erläutern. Wenn wir unser Bestreben mit Erfolg gekrönt sehen werden, so soll sich unser Wirkungskreis über die ganze Provinz verbreiten; hoffentlich wird unsere reine Absicht auch dort die gebührende Anerkennung finden. Es ereignet sich oft, besonders bei Gesetzrevisionen über Juden, daß die Beamten der Königl. Aemter auf dem platten Lande Berichte und gemachte Erfahrungen über Juden der Regierung einsenden müssen, und wie wird das Urtheil eines solchen Herrn anders sein, da ihm die jüdische Bevölkerung und jihr Streben nicht weiter bekannt ist, als nach dem, was ihn vielleicht zufällig, in amtlicher Hinsicht, mit einem jüdischen Hausirer seines Amtskreises zusammengeführt hat? Wenn ihm dieser nun noch obendrein gerade nicht von der lobenswerthesten Seite bekannt ist, so ist ja leicht erklärbar, wie dergleichen amtliche Schreiben lauten, denn der Fehler einzelner Juden trifft gewöhnlich die Masse. Es heißt bei Uebertretungen niemals: N. N. ist schuldig; sondern der Jude. Der moralische Vortheil, welcher sich überall und bei jeder Gelegenheit kund giebt, wenn Christen Gelegenheit gegeben wird sich über Juden gehörig zu unterrichten, sollte billig jede israelitische Gemeinde ermuntern zur Bildung eines Vereins, israelitische Schriften unter Christen zu verbreiten, und die Annäherung der Konfessionen wird zur Freude aller Gutgesinnten immer mehr und mehr hieraus hervorgehen. 6. H. Berichte über den Stand des Kultus. Hildesheim, im August. (Privatmitth.) Eine öffentliche Darlegung der Leistungen eines Geistlichen hat zwar die delikatesten Seiten; allein wir glauben doch, daß es diesen Blattern nicht genug gedankt werden kann, wenn sie uns von Zeit zu Zeit Uctheile über das Wirken unsrer Rabbinen vorlegen. Der Werth derartiger Mittheilungen ist selbst unfern christlichen Milbrüdern nicht entgangen, und noch neuerdings hat sich eine Stimme, vielleicht grade durch diese Zeitung aufmerksam gemacht, in einem vielgelesenen Journal über die Wichtigkeit der hier fr. Beurtheilungen, namentlich was die Predigten anlangt, entschieden ausgesprochen Was die geistlichen Vorträge des Herrn Bodenheimer betrifft, so finden seine körnigen, gedankenreichen, **) Wir können uns bei dieser Gelegenheit die Freude nicht versagen, das Publikum auf die Beurtheilung aufmerksam zu machen, welche das Feuilleton der Zeitschrift „Unser Planet" (Marzhest No. 37. a er.) über die Synagogen-Vorlräge des Hrn. vr. Philippson bringt. Corresp.