Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-09-17 · Heft 38 (17.9.1842) · p. Seite 559

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 38 (17.9.1842)
Date
1842-09-17
Page
Seite 559 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225227-3225266--04670-3314274
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

559 Deutschland. Karlsruhe, 22. August. Die Tagesordnung geht zur Berathung des Berichts des Abg. Züllig in Betreff der Emanzipation der Israeliten über. Vorher theilt der Berichterstatter noch den Inhalt zweier Gegenpetitionen mit. Herr Bassermann macht bemerklich, daß in dem Bericht die rechtliche Seite unbeachtet geblieben sei, namentlich die Klage, daß die Israeliten durch die Gemeindeordnung Rechte verloren, die sie vorher in Besitz gehabt. Der Redner führt aus, wie unangemessen und unzweckmäßig es wäre die Emanzipation als Prämie auf religiöse Nachlässe der Juden zu setzen, geht der Reihe nach die der Emanzipation entgegengestellten Gründe durch um dieselben zu widerlegen (worunter namentlich den einer besonder» Natic lalität der Juden) und glaubt, daß den Vorwürfen gegen die Juden hinsichtlich ihrer Geschäfte und Nahrungszweige allein die auf ihnen lastenden unbilligen Staatsgesetze zu Grunde liegen. Er stellt den Antrag auf volle Emanzipation und eventuell auf eine bedingte Emanzipation, nämlich mit Ausschluß der Nothhändler und einstweiliger Versagung des freien Zugsrechts. Herr Bekk spricht sich ebenfalls für die Emanzipation aus, hält jedoch ein unbedingtes Zugsrecht nicht nvthwendig in dem Begriff der Emanzipation mit eingeschlossen. Er sucht die Befürchtung vor der Emanzipation zu beseitigen und widerlegt mehrere Behauptungen des Kommissionsberichts. Die Abg. Junghanns und Rettig sprechen für Tagesordnung, wobei letzterer das Prinzip des christlichen Staates herauskehrt. Der Abg. Zittel widerlegt die Behauptung, welche den Grund zu Verweigerung der Emanzipation von der Religion herholt, indem vielmehr sowol der Geist des Christenthums als auch das wohlverstandene Interesse der Kirche eine bürgerliche Gleichstellung aller Konfessionen verlange. Ebensowenig liege eine Ausschließung in der Idee eines christlichen Staates. > Das Hinderniß liege allerdings in einer besonders ausgeprägten Stammeseigenthümlichkeit; in dem Maaße, wie diese sich allmälich verwische, schreite auch die Emanzipation vorwärts; eine plötzliche halte er für unmöglich. Herr Tresurt stellt einen Vermittlungsvorschlag dahin: es möge die Regierung ersucht werden dem nächsten Landtag ein Gesetz vorzulegen, welches die Bedingungen enthalte, unter denen eine bürgerliche Gleichstellung der Juden stattsinden könne. Herr Hecker will eine Emanzipation an gewisse Garantien für die völlige Aufhebung der „jüdischen Nationalität" knüpfen. Der Abg. Bassermann tritt den bisher gemachten Einwendungen entgegen. Nachdem noch die HH. Helbing und Gottschalk sich im Sinne einer „allmälichen" Emanzipationausgesprochen, sucht der Berichterstatter auf die gemachten Einwürfe zu antworten. Bei der Abstimmung wird der Kommiffionsantrag auf Tagesordnung mit Verweisung auf die Beschlüsse der Kammer von 1831 bis jetzt angenommen. (Oberd. Z.) Lüneburg, 28. August. (Privatmitth.) Es ist ein erfreuliches Gefühl für den geistig höherstehenden Israeliten, überall das rege Leben in Israel wahrzunehmen, wie jeder Einzelne sich berufen fühlt, die Krisis des Augenblicks einem glücklichen Ziele mit näher zu führen, um so seiner Pflicht als Mitgenosse einer vielbewegten Zeit zu genügen, und um sich des Bewußtseins zu erfreuen, daß Israel's neucrwachtes Leben durch thätige Mitwirkung aller Gutgesinnten zu einem kräftigen Nerv in sich selbst erstarke, und auch vorzüglich das befördert zu haben, die Achtung, welche dieser rege Eifer von andern Konfessionen verdient, in voller Wahrheit gewürdigt zu sehen. — Freudig wurden daher die Worte des Herrn Dr. Steinheim in Altona und des Oberrabbiners Kahn aus Trier hier ausgenommen, die mit Recht auf den Uebelstand Hinweisen, daß die besten Schriften der Juden von den Christen ungelesen bleiben. Schon längst keimte der Plan, die angeregten Schriften unter Christen zu verbreiten, bis endlich derselbe durch die Aufforderung jener wackern Männer zur Reife gediehen ist. — Wenn auch unsere Stadt nur wenige israelitische Familien zählt, so ist das Bedürfniß zur Realisirung jenes Zweckes so dringend gefühlt worden, daß wir mit unfern geringen Mitteln dennoch nicht langer anstehen konnten die Ausführung zu verwirklichen. Es hat sich demzufolge ein Verein unter den hiesigen Israeliten gebildet, welcher mit den Lesebeamten der hiesigen Klubbs Rücksprache genommen, populäre Schriften im Lesezimn.er niederlegen zu dürfen, und ist solches willig ausgenommen, auch bereits mit der A. Z. d. I. der Anfang gemacht. Damit aber auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.