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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-09-10 · Heft 37 (10.9.1842) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 37 (10.9.1842)
Date
1842-09-10
Page
Seite 552 (sequence 8)
Language
German
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552 noch einmal zu ferneren Einigkeit wie bisher ermahnt hatte, und das Mincha und Lechu neran' nu verrichtet war, begab sich der Herr Lehrer Bonnem mit der Schuljugend in geordnetem Zuge aus dem Schullokal zum neuen Synagogenhof, wo das gedrängt versammelte Volk ihrer harrte. Eine feierliche Musik begann nach deren Beendigung der Schlüssel zur neuen Synagoge dem Herrn Landrath überreicht wurde. Nach Empfang des Schlüssels erwiederte Herr Landrath in sehr passenden Ausdrücken und versicherte die Gemeinde seines ferneren Schutzes; worauf der mit einer kräftigen und angenehmen Tenorstimme begabte Vorsänger Herr C. Dahl, aus Koblenz den lOOsten Psalm vortrug, bei dessen vierten Verse die Thore des Hauses geöffnet wurden. Die Einweihungsweise war die gewöhnliche. Zuerst predigte der Herr Oberrabbiner Kahn; sein lebhafter Blick, sein glänzendes Auge, die Begeisterung, die sich auf seinem Antlitze deutlich kund gab, seine edle Haltung trugen nur dazu bei das inbrünstige höchst rührende Gebet nach 1. Buch Könige Kap. 8. noch ergreifender zu machen. Die Wcihepredigt selbst behandelte das Thema: „über den Sinn des vierten Verses im 27. Psalm, daß nämlich das Gotteshaus die ganze Umgebung des Menschen zu einem solchen umschaffen müsse, so daß wir uns im Geiste immer in demselben befänden": und es wurde darin streng wissenschaftlich entwickelt und gezeigt, wie nach den Bestandtheilen unserer Gottesverehrung und nach dem Geiste, der unsre verschiedene Gebete durchwebt, das Gotteshaus ein Haus der Erhebung, des Dankes der Beruhigung und des Trostes, der Demuth und Buße, der Wahrheit und Aufrichtigkeit, der Liebe und des Friedens und endlich ein Haus der Belehrung sei, und wie dasselbe so auf das ganze Leben und die Umgebung des Israeliten eine große Wirkung habe. Dieser viva voce und mit Feuer gesprochene, trefflich durchgeführte Vortrag, an dessen Schluffe der Redner die Gemeinde noch darauf aufmerksam machte, daß nun auch der Gottesdienst verbessert, und Predigt und Chorgesang für immer eingeführt werden müßten, damit das Innere dem Aeußern entspräche, brachte einen auf allen Gesichtern sich unverkennbar abspiegelnden tiefen Eindruck hervor. Hieran schloß sich nun eine zweite Rede des Herrn Lövy an; seine mit aller Liebe und Herzlichkeit eines treuen Seelsorgers gesprochenen, zum Gemüthe und Herzen gesprochenen und tief ergreifenden Worte, in welchen man den edlen und biederen Charakter des Mannes so ganz erkennen konnte, verherrlichten in der That die Feier. Auf die beiden Predigten folgte dann ein sehr schönes vom Herrn Lövy verfaßtes, hebräisches Lied nebst der deutschen poetischen Uebertragung. Das hiernach vom Vorsänger rezitirte Gebet für König und Vaterland, für Stadt und Obrigkeit, so wie für die Gemeinde und die ganze Versammlung, in dessen Amen alle Anwesenden ohne Unterschied des Glaubens mit einstimmten, und eine sehr passende Herz und Ohr ergötzende Musik schloffen die eigentliche Einweihung auf eine sehr angemessene Weise, welcher dann sogleich die Sabbatfcier in gewöhnlicher Art folgte. Oesterreich. Wien, 19. August. (L. A. Z.) Im diesjährigen Iulihefte der Medizinischen Jahrbücher des österreichischen Kaiserstaats wurde von dem Professor Edlen v. RosaS als eine der Quellen des Misbehagens der heutigen Medizin (so lautet die Ueberschrift wörtlich, und von medizinischer Wissenschaft oder Heilkunst wird nicht gesprochen) die zu große Anzahl von Israeliten bezeichnet, welche sich derselben widmen. Konnten selbst Unbefangene, die weder zu dem ärztlichen Publikum, noch zu den angegriffenen israelitischen Konfessionsgenossen in irgend einer Beziehung stehen, weder aus dem geist- und herzlosen Raisonnement des Professors v. Rosas, noch aus den von demselben aufgestellten Erfahrungssätzen von der Richtigkeit seiner Ansichten überzeugt werden, so mußte dagegen bei allen Gebildeten die unverkennbar von handwerksmäßigem Zunftgeiste zeugende Durchführung des aufgegriffenen Themas um so mehr Indignation erregen, weil die Denunziation im vorliegenden Falle sich auf ein Gebiet zu stellen suchte, das ihr schon durch die Geschichte streitig gemacht wird, indem grade die Heilkunst es ist, welche bekanntlich seit Jahrhunderten und selbst zu einer Zeit von den Israeliten mit ehrenvollem Erfolge getrieben wurde, wo die Humanität und aufgeklärte Toleranz weniger in die Massen gedrungen war, als dies heutzutage der Fall ist. Wie aber in dem berührten

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