Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1842)
- Date
- 1842-09-10
- Page
- Seite 550 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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550 Hungen, in Wohlwollen, in der Freundschaft, in den zartesten Verhältnissen des Privat - wie in den wür- : digsten des öffentlichen Lebens. Schön war cs wahrzunehmen wie neben der gewissenhaftesten Erfüllung der Berufspflichten und der getreuesten Verehrung seines Landesherrn, er, obwol eines andern Landes Sohn, doch seinem neuen Vaterlande und dessen Gesetzen mit aller Liebe und Treue eines angestammten Bürgers anhing. Das alles stand in der unmittelbarsten Verbindung mit seinem felsenhasten Vertrauen auf Gott, der sein erster und sein letzter Gedanke war. So möge denn auch in dieser schmerzlichen Trauer, das von ihm Hinterbliebene Andenken uns nicht nur im Leiden, noch einen Trost, sondern auch eine Stärkung des Gottvertrauens gewähren. Du aber Verklärter! fahre wohl — fahre wohl, Du guter Wächter, der Du stets munter warst, den Andrang des Unheiligen zu wehren — fahre wohl Du treuer Hirte, der Du so trefflich Rechnung abzulegcn weißt von dem Dir anvertrauten Gute — fahre wohl, Du rechter Priester, der Du nur lebtest im Hciligthum und keine andere Lust des Daseins kanntest, als zu dienen im Hause des Herrn — gedenke nun wie Du in Liebe hienieden gewaltet, so auch dort im himmlischen Vaterhause mit Liebe und Milde aller derer, die Dich liebten — aller derer, die Dich beweinen, gedenke so unser allesammt. So fahre wohl denn — fromme Seele, fahre! wohl! Dr. Ps. Karlsruhe, 24. August. Die Kammer ist nach einer länger« Debatte, von der das. Nähere in der j nächsten Nummer, über die Petition um Emanzi-! pation der Israeliten, zur Tagesordnung übergegangen. Preußen. Münster, 14. August. (Privatmitth.) Am II. d. Mts. starb hier der Invalide Jsaac Gumpert, welcher als Wehrmann den Feldzag von 181» mitgemacht und dafür die Kriegesdenkmünze erworben hatte. — Da er bei seinen Lebzeiten den Wunsch geäußert hatte, dereinst militärisch begraben zu werden, so hatte sich ein Mitglied des Vorstandes unsrer Gemeinde zu dem kommandirenden General begeben, um ihm diesen Wunsch des Verstorbenen vorzutragen. Se. Exzellenz ertheilte auf der Stelle mit der größten Bereitwilligkeit den Befehl, den entschlafenen Krieger mit den vorgeschriebenen Ehrenbezeugungen zu beerdigen. Diese Bereitwilligkeit verdient um so mehr unsre Anerkennung, weil der größte Theil der Garnison zu den Uebungen am Rhein schon abmarschirt, daher nur wenig Mannschaft zu diesem Dienste disponibel war. Da das Musikkorps des hier garnisonirenden dreizehnten Jnfanlerie-Regi-. ments ebenfalls nicht anwesend war, so hatte der Kommandeur des elften Husarenregiments, obgleich nicht dazu angewiesen, auf den Wunsch des Vorstandes die Trompeter dieses Regiments beordert, den Trauermarsch zu blasen. Von der Infanterie, welcher Truppengattung der Verstorbene angehört hatte, waren 16 Mann kommandirt, den Sarg abwechselnd vom Sterbehause bis zum Friedhose — eine Entfernung von einer halben Stunde — zu tragen. Ein Offizier befehligte den Leichenzug. — Nachdem der Sarg in das Grab gesenkt war, wurde drei Mal gefeuert. Hierauf hielt der Herr Rabbiner eine kurze Leichenrede. Außer dem zahlreichen regelmäßigen Gefolge von Glaubensgenossen, ehemaligen Kriegesgefährten, Freunden und Nachbarn des Verstorbenen hatte sich eine große Menge Volks dem Zuge angeschlossen, welches nach beendigter Zeremonie den Gottesacker befriedigt verließ. Magdeburg, im August. (Schluß des Auszuges aus dem zweiten Bericht des Obervorsteher- Kvllegiums zu Breslau ) Die Anklage von Neuerungen, welche die Gegner stets im Munde führen, wird einfach dadurch zurückgewiesen, daß weder das Obervorsteher-Kvllegium noch Geiger über irgend eine Synagoge zu verfügen hat. Was aber Neues in der großen Synagoge, wo Geiger predigt, eingeführt worden, beschränkt sich auf das Leise-Mit- Sagen einiger Gebetformeln. Es wird nun deduzirt, daß Herr Tiktin lediglich aus persönlicher Neigung zur rabbin. Alleinherrschaft die Assistenz Geiger's bei Chaliza und Get zurückgewiesen. — III. Das gegenwärtige Obervorsteher-Kollegium im Verhältniß zur Gemeinde. Es wird jeder unpassende Ausdruck über die Wahl des jetzigen Obervorsteher- Kollegiums abgewiescn, da ja Herr Tiktin selbst den Wahlakt überwachte. Der Zustand der Gemeinde war aber zu trostlos.