Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1842)
- Date
- 1842-09-10
- Page
- Seite 549 (sequence 5)
- Language
- German
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549 der Verblichene selbst mit seiner wohllautenden Stimme, in der sich der Ernst wie die Milde der Religion spiegelten, vvrzutragen pflegte, ward die Rührung so allgemein, daß der öffentliche Bortrag auf einige Augenblicke unterbrochen werden mußte. Diese ergreifenden Momente sprachen eben so sehr für den Werth des Abgeschiedenen, als sie die Gemeinde erhoben, von der sie ausgingen. Romann hinterläßt eine Gattin in jugendlichen Jahren, welche seine treue Pflegerin bis zum letzten Lebenshauch war und die in ihm ihr ganzes Erdenglück fand. Als eine Fügung des Zufalls ist es bemerkt worden, daß der Verstorbene an demselben Tage 'st) und in derselben Stunde aus dem Leben schied, in welcher er vor sechs Jahren durch die hiesigen Gcmeinde-Aeltesten, bei seinen zur Uebernahme seines Amtes hierher unternommenen Reise, feierlich empfangen wurde. So ist ihm schon nach den ersten sechs Jahren der Arbeit, das siebente zum Jahr der sabbatlichen Ruhe geworden. Möge sie ihm in dem Maaße zu Theil werden, als sein kurzer aber frommer Lebenslauf sie verdient! —th— Kassel, 24. August. (Eingesandt.) fNachruf an Herrn v>. Philipp Romann, Landrabb. der Israel, in Kurhessen, gestorben am 17. Aug.) ")Die Beziehungen, in denen ich mich zu dem Verewigten befand, setzen mich in den Stand, den ganzen Umfang des Verlustes zu ermessen, den wir erlitten haben; ich hatte die häufigste Veranlassung, den Bereich der rastlosen Thätigkeit zu würdigen, worin sich bei ihm die äußerste Sorgfalt in der Erfüllung aller religiösen Pflichten mit einem unablässigen Fleiß in der Ausübung des Predigtamtes, in der gründlichen Erforschung und Spende geistlicher Lehre, in der Berathung der Gewissen, in d'er Beaufsichtigung und Leitung des Schulwesens verei- *) Nachstehende Worte drücken die Empfindungen eines dem Verewigten in seinem Wirkungskreis in mehrfacher Beziehung nahe stehenden Mannes an dessen Grabe aus; sie wurden aber, um, in der Sabbatnahe die Lage der Leidtragenden an der Gruft nicht zu verlängern, nicht gesprochen, mögen aber hier um so mehr einen Platz finden, als sie bei vielen Gleichgesinnten lebhaften AnklangeS gewiß sind. Eorresp. m'gte, wobei denn die kräftige Herstellung und Handhabung des Ernstes und der Würde des Gottesdienstes in der hiesigen Gemeinde, welchen er in jeder Weise und mit so schönem Erfolg erhebend und fruchtbar zu machen suchte, ihm noch besonders zum unvergänglichen Verdienste gereicht. Wer aber von uns allen wüßte nicht, wie rastlos, wie treu und ernst er seinem Berufe oblag? — wer von uns allen hätte nicht in bedeutungsvollen Augenblicken Rath und Trost — in schwierigen Geschäften Hülse — bei allen guten Werken Förderung — bei gebeugtem Gemüthe Aufrichtung und Erbauung bei ihm gesucht und gefunden? Wer hätte nicht seine lebhafte Theilnahme und die schnelle und scharfsinnige Auffassung erfahren, womit er jedes höhere Jntreffe ergriff, mochte es das allgemeine Wohl, oder den innern Zustand der Einzelnen augeheu? Was aber das würdige Leben, dessen allzufrühes Ziel wir beweinen, vor allem bezeichnete, — das war dessen durchaus und wahrhaft priesterliche Richtung. Nicht bloß lehren wollte der Verewigte den Willen und das Wort Gottes — er wollte ihn auch verrichten — er wollte es auch erfüllen, in allen Stücken so weit er vermochte — an allen Orten, so weit er reichte, ein Gottesdienst sollte sein ganzes Leben sein. Wie dieses Streben in einer nie von ihm weichenden Freudigkeit ihn durchdrang, — das zeigte sich auf das sprechendste durch seine ganze Laufbahn von Jugend auf; — leuchten aber sahen wir vor Allem dieses Grundelemcnt seines frommen Wandels und seiner stets nach dein Heiligen trachtenden Seele an jenem feierlichen Tage, wo er zuerst in das neue Gotteshaus der hiesigen Gemeinde einzog, welches er in froher Beseligung weihete zu seiner heiligen Bestimmung. Wie verklärte sich da sein ganzes Wesen — wie ward es offenbar und sprach es sich selber aus auf das schönste, und mir unvergeßlichste als er die Worte des 27sten Psalm anführte: „Das Eine erbat ich mir vom Herrn „und darnach sehne ich mich: zu sitzen im „Hause des Herrn alle Tage meines Lebens, zu schauen die Lieblichkeit Gottes „und fleißig in seinem Heiligthume zu „sein." Und diese gottesdienstliche Treue verbreitete sich auch über sein Leben. Fest und unerschütterlich wie sein Glaube war er auch in allen Bezie-