Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1842)
- Date
- 1842-09-03
- Page
- Seite 541 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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541 lang gegen Verfolgung; diese erneuerten sich jedoch zur Zeit der mancherlei Pfandschasten, besonders in den Besitzungen der Grafen von Dettingen. Durch viele bedeutende Leistungen an Geld und gewandte Benützungen der Verhältnisse erwarben sie Eigenthum und Rechte und erregten den Haß der minder begüterten Nachbaren. Es ist schon oben bemerkt worden, wie im 13. und 14. Jahrhunderte, trotz aller Strafen, welche Kaiser und Reich verhängten, in Nördlingen und in dortiger Gegend die Leidenschaft sich zu befriedigen suchte. Ost wurden diese Ausbrüche von den Stadtgemeindcn und kleineren Rcichsständen begünstigt, da sie in den Juden nicht mit Unrecht Leute erkannten, welche ihr Thun und Treiben genau beobachteten und den mächtigen Rcichsfürsten ihre Erfahrungen mittheilten. Solche Wachsamkeit verschaffte bet Juden Güterbesitz; dieß gilt namentlich von der Gegend um Nördlingen. Von einer frühzeitig erfolgten Niederlassung der Juden zu Leutershausen spricht das dortige Stadtbuch, in welchem schon um das Jahr 1440 Juden mit Bürgerrecht aufgcführt sind. Ritter- und Bürgerthum hatten gegen das Ende des 12. Jahrhunderts einen schweren Kampf begonnen. Die starren Formen des RitterwesenS, die sich nur in physischer Kraft-Aeußerung erhalten konnten, mußten der immer weiter sich entwickelnden Bildung des deutschen Städtewesens weichen. Es lag aber diese Erweiterung im Interesse der mächtigen Reichsstände und nichts konnte wol ihre gesunkene Macht mit glücklicherem Erfolge heben, als die Begünstigung eines Standes, dessen friedliches Gewerbe, sollte es anders gedeihen, den Angriffen einzelner Machthaber nicht ausgesetzt sein durfte, die geschützt hinter Mauern und Wällen ungestraft ihren Raub verzehrten. Enges Verbinden zu einem Zwecke erzeugt auch gesteigertes Bedürsniß an Mitteln zur Erreichung desselben. Daher verbreitete sich das Bürgerthum über die Städte hinaus. In dem allgemeinen Ausdruck, Pfahlbürger, mag wol mehr liegen, als bloße Schützlinge der größern Städte. Die strengen Verbote, welche die alten deutschen Reichsgesetze gegen die Aufnahme fescher Bürger aussprechen, beweisen zur Genüge, daß der Adel solcher Aufnahme nicht hold war und daß er nur der immer mehr zunehmenden Macht der Städte und der geheimen und öffentlichen Begünstigung der Fürsten wich. Auch die Juden in mehren Gegenden Mittelfrankens genossen dieser Bortheile und manche Stelle in den Stadtbüchern dürfte durch diese Erläuterungen Deutlichkeit gewinnen. — Das Sal- und Lagcrbuch des vormaligen Stadtvogteiamtes Mkt. Erlbach I. 1432 spricht schon von jüdischen Hofstätten. Es scheint jedoch diese Angabe, gleichwie eine ähnliche aus Gunzenhausen v. I. 1374 sich mehr auf Juden zu beziehen, welche in Schutz genommen wurden, ohne gerade ansässig gewesen zu sein. In den Judengemeinden zu Schnaittach, Ottensoos und Hüttenbach zeigt sich die größte Uebereinstimmung der Synagogengebräuche mit denen, welche die Juden vor ihrer Vertreibung aus Nürnberg daselbst beobachteten; von denselben weichen die übrigen Juden in Mittelfrankcn ab. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die aus Nürnberg vertriebenen Juden in der Nähe sich niederließen und die dort von früherer Zeit bestehenden Gemeinden verstärkten; für diese Ansicht spricht eine Angabe des Schnaittacher Zinsbuchs v. I. 1560, welches eine Grabstätte und mehrere Häuser der Juden zu Schnaittach und Ottensöos angibt, die schon im 14. Jahrhundert dort vorgekommen sind. Die Verfolgungen, welche die Juden im 13tcn und 14. Jahrhundert zu Nürnberg erduldeten, mochte sie veranlaßt haben, Wohnsitze aufzusuchen, die, in der Nähe ihrer frühern Verbindungen, den Schutz eines fremden Landesherrn gewährten. In Schnaittach und Ottensoos (Otimissaz) konnte dies leicht erreicht werden. — In Neustadt an der Aisch sind nach mitgetheilten Akten erst nach den 30jährigen Kriege Juden gewesen. S. Geschichte der Stadt Neustadt a. A. von G. L. Lehnes 1834. Bei der wiederholten Zerstörung dieser Stadt sind ältere Nachrichten zu Grunde gegangen. Ein gleiches Loos traf im Jahre 1632 die Pfarr-Registratur und Kirchenbücher des Marktes Uehlfeld, wo sich eine bedeutende Judengemeinde befindet. Jndeß läßt ein noch vorhandener Befehl des Markgrafen Georg Friedrich zu Onolzbach p. 12. Oktober 1583 auf ein hohes Alter der dortigen Gemeinde schließen. Dieser Befehl spricht eine förmliche Vertreibung aus. In Bruck sollen vor der Reformation Juden gewohnt und Eigenthum besessen haben; die erste