Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1842)
- Date
- 1842-09-03
- Page
- Seite 540 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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540 desideria von Dems.; Wessen kann der Mensch vor Gott sich rühmen? Jerem. 9, 22. 23. Predigt am Versöhnungstage von I. N. Mannheimer, eine hinreißende Beredtsamkeit, die das Gemüth unwiderstehlich ergreift; die Tücke der Welt, aus dem Hebr. des Mose den Jakob ben Esra, und Moses in seiner Würde, nach dem Midr. rab., von Dr. M. Sachs, gelungene Übertragungen; Rachel, biblisch-romantisches Gedicht von L. A. Frankl in Wien, der Vers, hat -in demselben sein bewährtes Dichtertalent von Neuem erwiesen, leichte Versisikation, glanzende Bilder, tiefe Gemüthlichkeit zeichnen dasselbe aus; die stummen Zeugen, eine romantisch:didaktische Sage aus dem Talmud von M. E. Stern; wir müssen gestehen, daß der Vers, sehr bedeutend vorgeschritten ist, und wenn Ln früheren poet. Arbeiten unkorrekter Ausdruck und Ueberschwanglichkeit zu rügen waren, so hat der Verft in dem vorliegenden Gedichte Beides zu vermeiden, und nur noch ein wenig Breite sich zu Schulden kommen zu lassen gewußt; wir halten uns überzeugt-, daß der Vers, auf diesem Wege, insonders durch seine tiefe Innigkeit, noch eine schöne Stufe erreichen wird. Endlich: die Sprüche der Väter, eine Charakteristik von vr. Jakob Auerbach, so wie: Miszellen, PersonalrChronik, Nekrologe. Nach dieser Uebersicht wird Jeder von dem reichen Inhalte des Jahrbuches sich überzeugen, und setzen die Herren Verleger diese Bemühung fort, so wird ihr Unternehmen mit der Zeit einen weiten Anklang finden. Wir würden den Herren Verlegern rathen, das Jahrbuch auch allein zu verkaufen, da der Verschleiß des „Kalenders" im Auslande Schwierigkeit hat. — Magdeburg, 2. August. Angekommen: Welche Motive können dem neuen Judengesetze zu Grunde liegen? Von E. Waller. Berlin, 1842. Der Vers, geht in einer sehr kräftigen Sprache die Motive durch, welche dem neuen Gesetze, so weit es bis jetzt bekannt geworden, zu Grunde liegen könnten, und widerlegt dieselben sehr lichtvoll. Das Motiv der Bewahrung und Fortbildung der jüd. Religion und Nationalität findet seine Widerlegung in der Gegenerklärung der Juden, darin, daß nirgend Jsolirung zum Heil gereicht, daß es auch den Juden unbenommen sein muß, gewisse Verbesserung auf dem ceremoniellen Gebiete vorzunehmen ff. Das Motiv, daß aus der Beschränkung der Juden Vortheil für die Christen entstehe, beleuchtet der Vers, von verschiedenen Seiten. Der Vers, findet daher das Motiv nur im Judenhaß, dessen Quellen, allerdings oberflächlich, angedeutet werden. Mit Kraft dagegen schildert er die Nachtheile, welche allseits aus dem neuen Gesetze hervorgehen werden. — Geschichte. (Aus dem neunten Jahresberichte des historischen Vereins für Mittelsranken. 1839.) „Ueber die ersten Niederlassungen der Inden in Mittelfranken." Mitgetheilt von I. M« Fuchs, Professor in Ansbach. (Fortsetzung aus No- 28.) Ein Theil der aus Spanien vertriebenen Juden zog sich nach Venedig. Dieß giebt uns zu einer Bemerkung Veranlassung, welche die Judengemeinde zu Pappenheim betrifft. Die Ordnung, nach welcher die Gebete in der dortigen Synagoge eingerichtet sind, wird die „Venetianische" genannt. Die umliegenden Gemeinden beten nach der „Fürther." Könnte man nicht mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß jüdische Auswanderer aus Venedig jenen Gebrauch in die Gegend von Pappenheim gebracht und daß die Nachkommen denselben bis auf die neuesten Zeiten erhalten hätten? Daß aber die „venetianische" Ordnung alt gewesen sei, geht daraus hervor, daß die in Venedig aus Spanien eingewan» derten Juden eine eigene Ordnung der Gebete mit sich gebracht und bis jetzt erhalten haben. Der Schutz, dessen sich die Juden von den deutschen Kaisern zu erfreuen hatten, folgte dem unsicher» Verhältniß, in welchem sie zu den Christen standen. Das »urum coronarium war eine mächtige Hilfe in einer Zeit, welche dem Reichsoberhaupte gar oft di; erforderlichen Mittel entzog, das gebührende Ansehen aufrecht zu erhalten. Dahin möchte der Sinn jener Urkunde zu deuten sein, welche Kaiser Ludwig der Bayer im Jahre 1334 sür den Marschall von Pappenheim ausstellte. Die angeführte Abgabe erwarb ihnen den Namen „kaiserliche Kammerknechte" und schützte sie eine Zeit