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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-08-27 · Heft 35 (27.8.1842) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 35 (27.8.1842)
Date
1842-08-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Beilage zur Allgemeinen Zeitung des Judeuthums No. SS. Es ist eine Zeit zum Schweigen und eine j Zeit zum Reden. (^oh. 3, 7.) j Dieses Motto tragt die neueste Schrift (in Folge! der Breslauer Rabbinatswirren) des Herrn vr. Geiger! „Ansprache an meine Gemeinde," an der Stirne, und der Unterzeichnete, der mit verwundertem Ohr einige * Stellen dieser Ansprache vernommen, hält sich als einer, der in der „Ansprache" naher bezeichneten drei Herren, dringend aufgefordert, jenes Motto zu beherzigen, und die Zeit zum Reden nicht zu versäumen, da in heutiger fehdelustiger Zeit nur zu häufig, der schweigend Duldende, von dem mit der Sache nicht Vertrauten, als der im Unrecht sich Befindende, angesehen wird. — Dem Geschäfts-Leben angehörend und rhetorisch dialektischer Gewandtheit ermangelnd, bin ich vielleicht wenig geschickt, einem Manne, der sich dieser Fertigkeiten in so hohem Grade bewußt ist, entgegen zu treten; aber da ich in diesen Zeilen nur einigen Angriffen zu begegnen und eine Thatsache aufzuhellen beabsichtige, über welche grade dialektische Kunst, Dämmerung zu verbreiten sich bemüht hat, so hoffe ich, daß eine einfache Darstellung der Thatsachen diesen Zweck vollkommen erreichen wird. Zn der Schrift „Ansprache an meine Gemeinde" ist Herr Dr. Geiger so gütig sich meiner als eines Mitunterzeichners der „Entgegnung" zu erinnern, und da diese „Entgegnung" nur zum Zweck hatte: auf eine unparteiische und leidenschastlose Art und Weift, den Stand der Dinge der Gcsammtheit der Gemeinde bekannt zu machen, um so vielleicht eine Vermittelung herbeizuführen, so konnte es mir nur zur Ehre gereichen einer solchen Schrift meine Unterschrift beifügen zu können. •*— Anders erscheint diese Sache jedoch, wenn es in der „Ansprache an meine Gemeinde" heißt: „die Bertheidiger : des Herrn Tiktin hielten es nun für angemessen, sich hinter den Fanatismus zu verschanzen und Anklagelibelle gegen mich zu erlassen;" und ich erkläre daher hiermit feierlich: daß wenn außer dem Gefühl für Recht und Billigkeit noch ein andres Motiv mich veranlaßte, in dieser Angelegenheit nicht indifferent zu bleiben, cs nur theuere und mir werrhe Familienrücksichten, nicht aber blinder dem Zeitgeiste entgegenstrebender Fanatismus, gewesen sind. — Diese Gründe meiner Theilnahme an den hiesigen Rabbinalsrvirren habe ich anführen zu muffen geglaubt nicht aber blos deshalb, um mich vor jenem Vorwurf des Fanatismus zu verwahren, sondern vorzüglich auch deshalb um hieraus Jedermann erkennen zu lassen, daß in Allem, was ich auch noch in diesen Zeilen gegen Herrn; Dr. G. auszusprechen mich genöthiget sehe, weder Wahn! noch subjektive Ansichten meine Feder führen. r Doch zur Sache! — Herr L)r. G. erzählt in seiner! „Ansprache" eine Begebenheit und fügt derselben Beschul- \ digungen bei, welche ich, theils um meiner Selbst willen,! theils auch meiner Komittenten wegen nicht unerörtert lassen kann. — (Seite 12 der „Ansprache" heißt es nämlich: „den „Sonntag kamen drei Herren zu mir von denen der eine „der obengedachte Abfasser eines Schreibens an mich war, „ein zweiter zu den zehn Männern gehört, welche die Entgegnung auf den Vorstandsbericht veröffentlicht haben. „Sie bezeichneten sich als Friedensboten. „Was Friedensboten von mir, der ich weder eine Sus- „pension verhangen ndch aufheben konnte, von mir, der „ich meine friedliche Gesinnung, so vielfach bekundet hatte, „verlangen konnten, war mir Anfangs nicht ganz klar; „ich dachte nur, daß man im Namen des Herrn Tiktin „und seiner Anhänger das Bedauern über die mir wieder- „fahrene Kränkung ausdrücken und das Versprechen künf- „tigen freundlichen Verhaltens überdüngen wolle, um auf „diesem Grund das Friedenswerk bei dem Vorstande zu „Stande zu bringen. Jedoch cs Zeigte sich leider anders. „Der Eine, der Schreiber des ebengedachten Briefes war „der Sprecher, und ec schilderte ausführlich, wie die „Entgegnung" (Seite 9) sich ausdrückt, „das Unglück welches „vielen Familien der Gemeinde bei solchen heremgebroche- „nen Zerwürfnissen drohe;" endlich kam er auf seinen „Vorschlag ich sollte die Theilnahme an den Funktionen „der Ehaliza und der rituellen Ehescheidung aufgeben.— „Wenn der Abfasser der „Entgegnung" die Relation so „stellt, als sei mir der Vorschlag von den Herren zur Zu- „stimmung vorgelegt worden, ein jeder von uns beiden solle „das Recht haben als Vorsitzender eines Kollegiums diese „Funktionen vorzunehmen, und es solle bei vorkommenden „Fällen den einzelnen Gemeindeglredern überlassen bleiben, „durch wen sie die Vollziehung geschehen lassen wollten, „so ist dies durchaus unrichtig." „Daß ein solcher Jrrthum oder wenigstens eine irre- „leitende Darstellung in die „Entgegnung" gekommen, „muß mich um so mehr wundem, da einer der drei Her- „ren zugleich Mitunterzeichner der „Entgegnung" ist, der „den Vorgang genau kennen muß, namentlich, da er im „Laufe des Gesprächs auch noch die Auskunft anbot, mir „solle von Herrn Tiktin das Recht, diesen Funktionen bei- „zuwohnen, eingeräumt werden, ich auch vorkommenden „Falls eingeladen werden, jedoch dabei nicht erscheinen, „was ich als eine unwürdige List verwarft" Wenn ich auch sonst mit der Mehrzahl unserer Gemeindeglieder der Form der Reden des Herrn Dr. G. gerechte Anerkennung zollte, so setzte mich diesmal der Inhalt derselben in Staunen und Verwunderung, indem mir daraus klar wurde, wie auch ein Mann der Wahrheit und des Friedens, nicht verschmäht, wenn es ihm grade paßt, Thatsachen zu entstellen oder abzuleugnen! — Wie? Herrn Dr. G. ist durch jene drei Herren, deren einer ich zu sein die Ehre hatte, der Vorschlag gemacht worden, der Theilnahme obengedachter rituellen Funktionen zu entsagen? Wie? Herr Dr. G. erklärt die Relation dieser Darstellung in der „Entgegnung" für durchaus unrichtig? Und mit welcher Stirn könnte man fragen? Doch was ist dies Großes in heuriger dem Fortschritt nachstrebender Zeit bei Männern, welche wie ihre Feder, so auch ihre Stirn in gleicher Gewalt haben, und beliebig

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