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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-08-27 · Heft 35 (27.8.1842) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 35 (27.8.1842)
Date
1842-08-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 beiden Glatte und schimmernden Glanz, Sorge oder Betrübniß zu verleihen vermögen, je nachdem der Augenblick es heischt, oder der Eindruck erzielt werden soll. Wenn Herr ßi. G. behauptet, der Vorschlag sei ihm von den drei Herren, welche doch in Übereinstimmung und Kcnntnißnahme des Aktwvorstandes handelten (s. ^Entgegnung" Seite 9) in der von ihm in der „Ansprache" angeführten Fassung gemacht worden, sieht er denn da nicht ein, daß er grade hierdurch eben diesen, ihn in dieser Angelegenheit so sehr begünstigenden Vorstand in die Reihen seiner Gegner versetzt - Müßte es nicht sehr verwundern, daß ein Korporations-Vorstand grade dasjenige, dem er bisher seinen starken Arm geliehen, nun auf einmal selbst mit dem Bann belegte, oder mit seiner Zustimmung mit dem Bann belegen ließe? Mit größerem Rechte als Herr ßi. G. kann ich mich daher, in Hinsicht seiner Relation dieses Gegenstandes, der von ihm so freigebig gebrauchten Ausdrücke ,,Jrrthum und irreleitcnde Darstellung" bedienen; ja meine Verwunderung übersteigt jedenfalls die Seinige, da sie in dem Erstaunen meiner beiden Mitvermittler Verstärkung findet. Ja! ich glaube es kann mir nicht verdacht werden, da ich als Referent der „Entgegnung" gegen die Angriffe des Herrn ßr. G. allein aufkommen muß, wenn ich die Relation des Herrn ßr. G. eine durchaus unrichtige und irreleitcnde nenne, und den sich mir aufdrangenden Verdacht des Vorbeoachts nicht ganz unterdrücken zu dürfen glaube.— Als Belag für diese meine Behauptung, die auszusprechen mir, bei der Achtung vor den hohen intellektuellen Eigenschaften des Herrn Dr. G. — wahrlich Ueberwindung gekostet hat, kann auch noch das dienen. Ware Herrn Dr. G. der Vorschlag einer gänzlichen Entsagung an der Ausübung der Chaliza und rituellen Scheidung gemacht worden, wozu waren denn da erst die Vermittler, nachdem sie bei dem Herrn ßr. nichts erwirkt, zu Herrn Oberrabb. Tiktin gegangen, da sie bei einem solchen Vorschläge seiner Genehmigung schon von vornherein batten versichert sein können? Würden wol zu solch einem Possenspiel die drei Herren, oder der Aktivvorstand, der ja darum wußte, und dazu aufmunterte, ihre Zustimmung gegeben haben? Gewiß nicht! Der Gang zu Herrn Tiktin, wie ihn die Vermittler gethan, und die „Entgegnung" ihn erwähnt, ginge so aller Motive verlustig; — nicht aber dann wenn der Vorschlag nach der Relation der „Entgegnung" gefaßt war. Bei einem solchen Vorschläge waren beide Gegner zu befragen, da dem Einen darin Etwas stipulirt wurde, was der Andere bisher für sein ausschließliches Recht angesehen hatte. Nur allzudeutlich geht aus dem Gesagten willkürlicher Jrrthum hervor, und sehr gering ist das Gewicht welches Herr ßr. G. seiner Darstellung in meiner Auskunft, bekzufügen sich beeilt und welche er, als eine unwürdige List voll heiligen Eifers verdammt. Doch es sei mir die Frage gestattet: kann Etwas als unwürdige List bezeichnet werden, wo. durch unschuldige Mittel heilsame Erfolge erstrebt werden? Was anders als der reinste Eifer zum Frieden in dieser so traurigen Angelegenheit, konnte mich veranlassen einen Vorschlag zu thun, zu dessen Ausführung bei der gro- Druck von I. ßen Seltenheit jener rituellen Handlungen jahrelang die Gelegenheit gefehlt hätte, der Frieden in der Gemeinde ccker näher gerückt und der segensreichen Thatigkeit beider Religionslehrec ein vertrauungsvolles Feld sich eröffnet hatte? Möge daher Herr ßr. G. aufgeklärt über meine Absicht bei dem Vorschläge jener Auskunft bedenken, wie wenig eine solche Handlungsweise, wodurch der gute Wille zu nützen, in harmlosen Gespräche geäußert, als Unrecht gebrandmarkt wird, mit dem liebevollen Sinne des Geistlichen im Einklänge zu bringen ist, und wie unharmonisch ein solcher Ton in den Gemüthern nachklingt. — Doch es scheint als wenn Herr ßr. G. über solche Kleinigkeiten des Lebens erhaben wäre, nachdem Sprüchworte: dem Kühnen hilft das Glück, denn er verkennt in triumphirender Sicherheit das Wohlwollen derer,' die Achtung vor seinem Stande und Therlnahme mit seinem aufgeregten Zustande durch Stillschweigen an den Tag legten, indem ec sagt: „Ich müßte den Vermittlern wie den Entgegnern „für die offenbar unerwiederte Güte gegen mich sehr dank- „bar sein, wenn ich nicht glaubte solcher Güte gar nicht „zu bedürfen, und ich kann als Freund der Oeffentlichkeit „und Offenheit, die Herren nur bitten doch den Schleier lüf- „ten zu wollen, welcher geheimnißvoll diese Unterredung deckt." O! es ist mein herzlicher, wiewol vergeblicher Wunsch, sowol in meinem und meiner Komittenlen, als auch im Interesse des Herrn ßr. die Oeffentlichkeit seiner damaligen Aeußerung hätte seine Offenheit übertroffen! Es wären dann der Zeugen für meine Behauptung mehrere, und der Inhalt jener Aeußerung wäre vielleicht nicht so grell ausgefallen, als ich jetzt mit Betrübniß aber auch' mit der Kraft der lautersten Wahrheit der Oeffentlichkeit zu übergeben mich genöthigt sehe. — Ich habe nämlich damals aus seinem Munde nur leidenschaftliche Schimpfwörter auf den Oberrabb. Tiktin und dessen Sache, und vor Allen die Versicherung gehört: daß ihm alles Unglück, welches der Gemeinde aus dem begonnenen Streite erwachse, durchaus gleichgültig sei, sobald er zur Abwendung desselben eines der Rechte opfern müßte, die ihm als Rabbiner zustehen, und daß er als solcher es sich zur Lebensaufgabe gemacht habe, alle rabbinischen Eecemonien, seien sie auch noch so alt und für den gewöhnlichen Menschen noch so abstoßend, mit aller Kraft seiner Seele aufrecht zu erhalten. Wie? wird vielleicht mancher Leser verwunderungsvoll ausrufen, find das Worte eines Predigers des Friedens und der Liebe? Oder ist das vielleicht die praktische Anwendung des in der „Ansprache" sSeite 11] abgedruckten Vortrages, wo es heißt: „hütet euch vor der Leidenschaftlichkeit, selbst wenn ihr von der Güte eueres Strebens innig „durchdrungen seid," oder ist dies die Sprache, die „in „schmerzlichen Gefühlen sich äußert und Trost spendet?" Doch genug dieser Widersprüche. — Ich habe mir nicht zur Aufgabe gestellt sie aufzusuchen und nachzuweisen, so. wie ich auch nur auf Grund der Aufforderung Ln der „Ansprache" unfreiwillig und nothgedrungen die Feder Ln dieser Angelegenheit ergriffen habe. Breslau im August 1842. Joseph leipziger i. H-rschfeld.

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