Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1842)
- Date
- 1842-08-27
- Page
- Seite 520 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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520 ms von vollständiger Nichtigkeit; das Zeugniß des unsterblichen Chasse den eitelen und lächerlichen Gehässigkeiten einer Person, die auf immer unbekannt geblieben wäre, wenn sie nicht durch dieses Verbrechen sich zu verewigen gesorgt hätte. Herr Egidius hatte, bloß auf seine Autorität, die Niederländer israelitischen Bekenntnisses für unfähig zu Allem im Frieden, für feige im Kriege erklärt; er hatte den Unsinn und den Dünkel so weit getrieben, daß er glaubte, dieses Urtheil bedürfe weder Begründung noch Belege, und daß 60,000 Bürger sofort unwiderruflich verdammt wären. Einen Namen jedoch citirte er: den Herrn Dr. Fabius. Herr Egidius mißbrauchte diesen ehrenvollen Namen, indem er sich auf ihn berief, um zu beweisen, daß die Juden nicht einmal die Barmherzigkeit hätten, für ihre Armen und Kranken zu sorgen. Aber Herr Fabius hatte kaum diese lügnerische Berufung erfahren, als er sich beeilte, den Egidius durch das förmlichste Dementi in's Bloße zu stellen. VII. Schreiben des vr. Fabius. Der Unterzeichnete hat mit Erstaunen erfahren, daß man sich seines Werkes „Bemerkungen über den gegenwärtigen Zustand der geistlichen und städtischen Anstalten Amsterdam's" bedient hat, um seine israelitischen Mitbürger unter einem falschen Gesichtspunkte darzustellen. Der Unterzeichnete säumt nicht zu erklären, daß Nichts weiter entfernt ist sowol von seinem Gedanken als auch von den Ausdrücken, die er angewandt hat. Er hat, gerade im Gegentheil, in der citirten Broschüre den unermüdlichen und eifrigen Anstrengungen der Israeliten, das Schicksal der B/dürstigen und Leidenden zu mildern, Gerechtigkeit widerfahren lassen. Er hat ihre wohlthätigen Anstalten mit denen der anderen Religions-Gemeinden verglichen, und das Resultat dieses Vergleichs war durchaus nicht unvvrtheilhaft für sie. Er hatte sich gar nicht zum Gegenstand gemacht, die Resultate der politischen Emanzipation zu besprechen, deren heilsame Erfolge ihm niemals zweifelhaft schienen, aber sicherlich hat der Unterzeichnete es niemals sich cinfallen lassen zu glauben, daß seine Bemerkungen zu solchem Mißbrauch angewcndet werden könnten. Amsterdam, 16. Mai 1842. Fabius. 'Sie sehen, Herr Redakteur, daß die einzige Autorität, welche Herr Egidius citirt hat, nur dazu dient, seine Schmach zu vollenden. Die Dokumente, die ich Ihnen hier mitgetheilt, sandte ich an Herrn H. Wergeland, Archivarius des Königreichs Norwegen, einen ausgezeichneten Gelehrten, berühmten Dichter, aber vor Allem verehrungswürdigen Menschenfreund. Er hat bereits - im Juni 1839 dem Storthing den Vorschlag gemacht,! die Verordnung des Grundgesetzes (§. 2), durch | welche die Juden aus Norwegen verbannt sind, zu j streichen. Niemals hatte eine bessere Sache einen! bessern Vertheidiger. Er hat den ausgezeichnetsten! Männern seines Landes seine eigene Ueberzeugung i eingeflößt. Er hat seinen Landsleuten unerschrocken j harte Wahrheiten gesagt. Er hat die Vorurtheile i nicht geschont, die er zu bekämpfen; er hat nachgel wiesen, daß die Interessen des Vaterlandes mit de- | neu der Menschlichkeit sich wol vereinen. Er hat die j heilige Autorität der Religion angerufcn, die Vor-; schriften der Moral geltend gemacht, auf die ewigen j Gesetze der Gerechtigkeit sich gestützt. Um die zu i überzeugen, welche der Stimme der Pflicht keine f Aufmerksamkeit schenken, wandte er staatsökonomische . Gründe an. Er hat die Geschichte der vergangenen ■ Jahrhunderte, die Gesetze der anderen Nationen, die j Meinungen der erleuchtetsten Publizisten befragt, i Ausdauernd, unermüdet, fruchtbar an Hülfsquellen, hat er in Gedichten die Zustimmung der höheren Klassen zu gewinnen gesucht, und für die arbeitende! Klasse ein Journal publizirt, um das Reich der Vor-! urtheile da zu zerstören, wo dessen Herrschaft am > unumschränktesten ist, weil sie auf Unwissenheit gei gründet ist. Herr Wergeland hat diese Dokumente der mit; dem Bericht über die Judcnfrage beauftragten Kom-! Mission des Storthing übergeben. Diese Kommission I hat mit einer Majorität von sechs Stimmen gegen eine; zu Gunsten der Proposition entschieden. Sie hat den Beschluß gefaßt, die Schmähschrift des H. Egidius bei Seite zu legen und als nicht angekommen! anzusehen. Der Bericht der Kommission wird bald erfolgen. Man hat mir versprochen, ein Exemplar 1 zu übersenden. Es ist möglich, daß der Storthing ' dieses Mal noch die Proposition des Herrn Wer- ' geland nicht annehmen wird, da die Majorität von > zwei Dritteln der Stimmen nothwendig ist, um am