Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1842)
- Date
- 1842-08-27
- Page
- Seite 519 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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519 Ich erkläre demnach, mein Herr, daß die Erfahrung eines halben Jahrhunderts mir die positive Uebcrzeugung gegeben hat, daß sich die Juden seit vielen Jahren immer mehr und mehr der politischen Gleichstellung mit ihren anderen Mitbürgern würdig gemacht haben. Als ich gegen Ende des vorigen Jahrhundert mit der Aufrechthaltung der Justiz und Polizei in dieser großen Stadt unter dem Titel des Gemeindeprokurators beauftragt wurde, hatte ich überflüssige Gelegenheit wahrzunehmen, daß der israelitische Theil der Bevölkerung durchgehends friedlich und dem Gesetz und den Behörden gehorsam ist. Seitdem war ich sehr häufig in dem Falle, sie gegen den Haß und die; Verachtung einiger sogenannten Christen, die voller Vorurtheilc waren, unter ihren Mitbürgern zu beschützen, aber niemals habe ich irgend außerordentliche Maßregeln gegen Juden anzuwenden gehabt. Meine Erfahrung aus jüngerer Zeit, in anderen politischen und Privat-Beziehungen, und insonders in der als Präsident des Tribunals dieser Hauptstadt, hat die frühere nur bestätigt, insonders seitdem aufgeklärte Männer unter Ihren Glaubensgenossen sich bemühen, der minder erleuchteten Klasse der Juden einen regelmäßigern und wirksamern religiösen, moralischen und intellektuellen Unterricht zu verschaffen — ein Streben, das auch unter Ihrer uneigennützigen und einflußreichen Mitwirkung, unter dem Schutze des königlichen Oberhaupts unsres Staates, schon so viele Früchte trägt und immer mehre verspricht. Das Resultat meiner Uebcrzeugung, gestützt auf meine Kenntniß der Thatsachen, ist, daß der Akt, die Juden aus dem Stande der Erniedrigung, in welchem die Juden ehemals in unserm Lande gewesen, zu erheben, die Uebergabe gleicher Reckte mit den anderen Bürgern des Staates, in der Wählbarkeit zu den Würden und Aemtern und in der Ausübung der Künste und Gewerke — und vor Allem! die intellektuelle und moralische Civilisation, deren j sie seitdem genossen und in einem fortschreitenden! Verhältniß genießen, sie aller Rechte, welche ihre! anderen Mitbürger beanspruchen können, würdig gemacht haben. Darum habe ich unter den ersten Würdeträgern des Staates und der Magistratur, unter den Advokaten und Notaren, und besonders unter den verdienten Männern, die mit so vieler Auszeichnung das Ritterkreuz des niederländischen Löwenordens erhalten haben, mit großer Freude einen Meyer, Affer, Boas und auch Sie begrüßt, und in dem Augenblicke, in welchem ich Ihnen schreibe, erfahre ich mit Befriedigung, daß der würdige Godefroi durch den König berufen worden, das öffentliche Ministerium bei unserm Tribunal zu versehen als Suppleant des Generalanwalts. Ich ergreife die Gelegenheit re. rc. M. C. van Hall, Staatsraty, Kommandeur des m'cderl. Löwenordens, Präsident des Tribunals von Amsterdam. VI. Schreiben des General Chassti. Breda, den 25. April 1842. Mein Herr! Es ist für mich eine wahrhafte Befriedigung, den Wunsch zu erfüllen, den Sie mir in Ihrem Schreiben vom 23. h. ausgedrückt, meine Meinung über die Israeliten, unsere Mitbürger, als Soldaten zu erkennen zu geben. Zwei Jahre hindurch habe ich in der Citadelle von Antwerpen eine große Anzahl unter meinen Befehlen gehabt. Während dieser ganzen Zeit haben sie die besten Beweise von Muth, Treue, Disciplin und Ausdauer gegeben. Als Mann von Ehre kgnn ich mit Uebcrzeugung hinzufügcn, daß, wenn meine Lebensdauer nicht beinah abgelauscn wäre, und ich noch einen Feldzug zu beginnen hätte, ich mich sehr glücklich schätzen würde, den Befehl über einige tausend dieser braven Soldaten zu haben. Ich hoffe, hiermit Ihren Wunsch erfüllt zu haben, und vcrsichre Sie, daß diese Gelegenheit mir sehr angenehm war, in Verbindung mit einem Manne zu kommen, dessen Ruf als Gelehrter, Staatsmann und Schriftsteller mir schon bekannt war. Ich ersuche Sie ff. Der General der Infanterie, Baron Chassö. Dies waren die Dokumente, welche ich dem verleumderischen Libell eines Egidius entgegenstellte, die Erfahrung von 50 Jahren des erlauchten Van Hall den Lügen eines Fremden, der seit gestern oder ehgestern hier verweilt; die Autorität der ersten Staatsmänner des Königreichs den Fiktionen eines Man-