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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-08-20 · Heft 34 (20.8.1842) · p. Seite 514

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 34 (20.8.1842)
Date
1842-08-20
Page
Seite 514 (sequence 14)
Language
German
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514 Magdeburg, 8. Augu'st. So eben ist uns eine abermalige Schrift in der Breslauer Nabbinats-Angelegenheit zugckommen, nämlich: „Ansprache an meine Gemeinde. Von Di-. Abraham Geiger, Rabbiner. Breslau, 1842;" von der mir ebenfalls Auszüge geben. — Geiger theilt seine Schrift in „Sachverhältni§" und „die religiöse Verschiedenheit." Aus der ersten Nummer führen wir an: „Ende Marz 1838 eröffnete das Ober-Vorsteher-Kollegium der hiesigen Gemeinde eine Konkurrenz für die erledigte Stelle eines Rabbinats-Assessors. Ende Juni, also drei Monate nach der geschehenen Konkurrenz-Eröffnung, gelangte an mich die Aufforderung des Ober-Vorsteher-Kollegiums, eine Reise hierher zu unternehmen. Alsbald nach meiner Ankunft machte ich in Begleitung des damaligen Borsitzenden des Vorstandes, des seligen Herrn Robert Dyhrenfurth, dem Herrn Tiktin meine Aufwartung; eine kurze Unterhaltung schloß mit meinem Wunsche, am andern Tage meinen Besuch, und zwar allein, zu wiederholen, was anscheinend mit Freude ausgenommen wurde. Als ich jedoch den andern Tag erschien, hieß es, Herr Tiktin sei ausgegangen, und ich schied mit Zurücklassung meiner Karte. — Nach einem von mir auf besonderen Wunsch des Kollegiums abgehaltenen Synagogalvortrage fand die Wahl nach den Bestimmungen der Statuten Statt, und ich wurde mit 56 Stimmen gegen eine gewählt. Eine so eklatante Majorität mußte mir die angenehme Ueberzeugung geben, daß ich den Wünschen der verehrlichen Gemeinde entspreche, und ich nahm die Wahl mit Freuden an, die Pflichten eines Dajan in vollem Umfange zu erfüllen entschlossen. Unterdessen verlautete, Herr Tiktin erhebe Einspruch gegen meine Anstellung, was mich sehr betrübte; da jedoch meine definitive Anstellung erst nach Erlangung der Naturalisation Statt finden konnte, für diese nun von Seilen des Vorstandes die nöthigen Schritte geschehen mußten, so trat ich meine Abreise bald an, nahm aber zuvor, trotzdem daß meine früheren Besuche nicht erwidert worden, dennoch die Gelegenheit wahr, Herrn Tiktin nochmals meinen Besuch zu machen und war entschlossen, über das nun zwischen uns eingetretene Verhältniß mit ihm Rücksprache zu nehmen, als nach kurzer, gleichgültiger Unterhaltung die Dazwischenkunft eines Dritten mich meinen Vorsatz nicht ausführen ließ, und die Unterhaltung ihre frühere Richtung beibehielt; ich schied nun von ihm und von Breslau freundlich, nicht vermuthend, daß man von meiner Wahl Veranlassung nehmen werde, eine Friedensstörung der Gemeinde herbeizuführen. Benachrichtigt, daß vier Gemeindeglicder meine Naturalisation zu Hintertreiben beflissen seien, und daß meine persönliche Anwesenheit in Berlin vielleicht erforderlich sein könnte, um diese Hindernisse zu beseitigen, entschloß ich mich zu einer Reise nach Berlin, woselbst ich im September 1838 ankam. Von den hohen Behörden wurden nun alle Umstande, sowol meine religiöse Gesinnung — auch die politische, denn ich ward als Demagoge angezeigt — als das Wahlverfahren betreffend, mit der vollsten Gründlichkeit untersucht und trotz einem von dem Konvertiten Joel Jakobi für die vier Gegner verfaßten Promemoria, welches mir theilweise zur Rückaußerung zugegangen war, wurde meine Befähigung wie meine Wahl anerkannt, und ich auf Grund derselben von des hochseligen Königs Majestät im Dezember 1839 naturalisirt. In Breslau angckommen, gleichfalls, und zwar aus schonender Rücksicht, nicht „im Triumphe (!) eingeholt," sondern auf der letzten Station von zwei befreundeten Vorstehern erwartet, war es meine erste Sorge, ein freundliches Verhältniß mit Herrn Tiktin zu bewirken. Durch den Gemeindebeglaubigten, Herrn Scheper Eliason, ließ ich anfragen, wann es ihm genehm sei, meinen Besuch zu empfangen. Herr T. ließ darauf antworten, er wolle meinen Besuch gar nicht. — Am 28. Januar, also kaum vier Wochen nach dem Antritte meines Amtes, fand eine Trauung Statt, bei welcher der Wunsch von den Betheiligten ausgesprochen ward, daß ich dabei eine Anrede und Ermahnung an das Brautpaar richten möchte. Der Wunsch, diese wichtige Feier durch angemessene Worte zu heben, den Moment, in welchem die Gemüther so empfänglich sind,, zu dauernden Eindrücken zu benutzen, ist ein so natürlicher und der Berücksichtigung würdiger; Herr L. hatte einem solchem wahren Herzensbedürfnisse m.-- mals genügt, während selbst der hochbejahrte Rabbiner Trier in Frankfurt am Main sich bemüht, passende Worte zu sprechen und Anfragen an das Brautpaar zu richten, an vielen Orten, namentlich in Berlin, häufig Privatleute Reden während der Trauung halten. Man war jedoch weit entfernt,

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