Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 508 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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508 Zeitungsnachrichten. Norwegen. Kopenhagen, 3. August. (Privatmitth.) In einem Augenblick, wo die Emanzipationsfrage in Norwegen die Aufmerksamkeit des größern Publikums in Anspruch nimmt, wird's nicht uninteressant sein, folgende verbürgte Notizen hier mitgetheilt zu sehen. In der seit mehreren Jahren bestehenden „großen Nordischen Gesellschaft von Naturforschern und Aerzten," die aus dem Kern von Skandinavien's Gelehrten in diesem Fache besteht, sind mehrere jüdische, ausgezeichnete Aerzte eingegliedert. Derer Bestimmung nach hält sich jährlich ihre Zusammenkunft in einer der Hauptstädte der nordischen Reiche, es versteht sich abwechselnd; so war vor zwei Jahren Hamburg, im vorigen Jahre Kopenhagen, und in diesem Stockholm der Ort ihrer Versammlung. Es war also zu erwarten, daß für das nächste Jahr Christiania gewählt werden wird. Dieses voraussehend, nahm ein von hieraus dort anwesender Arzt") mit dem Präses der Gesellschaft am Tage vor ihrer Auflösung Rücksprache über den Kollisionsfall, der da eintreten wird in Bezug auf die jüdischen Mitglieder, die, wie bekannt, aus Norwegen verbannt sind, bei der zu treffenden Wahl von Christiania. Er setzte zwar voraus, daß aus besonderes Gesuch und besondere Verwendung bei der Regierung ihnen die Erlaubniß zu Theil werden werde, dahin kommen zu dürfen, aber so wol er, wie seine übrigen, sowol anwesenden als nicht anwesenden Glaubensgenosien und Glieder dieser Gesellschaft, seien fest entschlossen, nicht als Gnadenbeweis entgegen zu nehmen, was ihnen mit Recht zukommt, insbesondere da es ein Norweger war, der den ersten Impuls zu dieser Gesellschaft gegeben, ohne Rücksicht auf die °) Von hier waren folgende jüdische Aerzte zugegen: 1) der Königl. Leibarzt, mit mehreren Orden geschmückte Professor Jacobsen, 2)Dr. med. Vallin, Distrikts- und Gemeinde-Arzt, Repräsentant bei der Gesellschaft für den rechten Gebrauch der Preßfreiheit, (Di-. imd. Trier, früherer Gemeinde-Arzt, ist mit Königl. Bestätigung als Oberarzt beim Friedrichs-Hospitale angestellt.) 3) vr. med. Hannover. Corresp. verschiedenen Konfessionen damals genommen zu haben; er erbittet sich daher Morgen das Wort. Der Präses versprach ihm, daß er an demselben Abende noch diesen wichtigen Punkt in der zu dem Behufe über den nächsten Versammlungsort ernannten Kommittee zu berühren. Dies geschah auch, und die Kommittee nebst den beiden Wortführern derselben, welche Norweger waren, sprach sich einstimmig dahin aus, jede Schwierigkeit aus dem Wege zu räumen, und alles vorher zu beseitigen, was konfessionelle Ungleichheit befürchten läßt. — Auf diese Mittheilung vom Präses, wünschte jener diese Beschlußnahme protokollirt, welches aber vom Präses als unnöthig erklärt wurde, da diese Verhandlung offiziell genug war, um der Protokollirung noch bedürftig zu sein. — Die Autenticität Obenstehendes verbürgt Referent allen auswärtigen jüdischen Mitgliedern dieser Gesellschaft. —. Die vom Storthing ernannte Kommittee in der Emanzipationsfrage hat folgendes Resultat abgegeben. 6, schreibe sechs, von ihr aus allen Ständen haben sich für, und I. schreibe einer aus dem Bauernstände hat sich gegen die Emanzipation erklärt. Als ich jüngst mein Erstaunen über dieses Phänomen, daß gerade ein Bauer sich gegen die Juden erklärt, einem meiner Bekannten hier zu erkennen gegeben, benahm dieser mir jenes durch folgende Anekdote: Sein Vater befand sich auf einer Seereise nach Schweden. Bei ungünstigem Winde wurde das Schiff nach Ahrendahl (einer norwegischen Küste) verschlagen. Kaum verlautete es, daß ein Jude sich auf dem Schiffe befinde, als in Massen das Volk herbciströmte, das Wunderthier von einem Juden zu sehen, und wie erschraken diese, in ihm nicht nur menschliche Gesichtszüge, Haltung und Kleidung, ja sogar göttlichen Ausdruck wieder zu finden. — Beschämt und belehrt kehrten sie heim, mit dem Ausruf voll Staunens: „das hätten sie nimmer erwartet, daß Juden Menschengesichter haben!" —. Der schwedische und norwegische Konsul zu Amsterdam Herr G. I. Egidius, der in den öffentlichen Blättern leugnend auftritt, als habe er keine Schmähschrift über die Juden in Holland an den Storthing eingeschickt, hat sich heimlich beim Sörenschreiber Sörensen über die Veröffentlichung seiner privatim mitgetheilten Berichte beklagt. Der Advo-