Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 507 (sequence 7)
- Language
- German
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507 der von jüdischen Lehrern erzogen werden, während es uns nicht einfätlt, von den Juden zu verlangen, daß sie ihre Kinder von christlichen Lebrern erziehen lassen sollend Ist es „Menschenbedrückung und Gewissenszwang," wenn wir Christen es nicht dulden, daß die Juden sich zur Obrigkeit über uns aufwerfen,, während wir es Ihnen keineswcges verwehren, sich ihre eigenen Obrigkeiten zu ernennen, die nur in einem christlichen Staate, natürlich der ober» christlichen Staatsgewalt untergeordnet sein müssen? Die jüdischen Rabbiner sind keinesweges, wie der Ununterrichtete gewöhnlich sich vorstellt, bloß Geistliche; sie vereinigen überall, wo die Juden von ihrem Gesetze nicht abgefallen sind, eine ausgedehnte weltliche mit der geistlichen Gewalt, und sie sind daher für die jüdischen Gemeinden wahre Obrigkeiten, denen neuerer Zeit durch die zunehmende Lauigkeit ihrer Glaubensgenossen, nur ein bedeutender und an vielen Orten in der That der bedeutendste Theil ihres Wirkungskreises entzogen istl" Daß Herr H. seine Kinder uns nicht zur Erziehung übergeben will, uns nicht zur Obrigkeit verlangt, wer will es ihm verargen? Herr H. kann sich nun einmal nicht zu dem Standpunkte erheben, daß Weisheit und Tugend gut sind, von wannen sie auch kommen, und daß ein wohlunterrichteter und gerechter Richter, gehört er auch dem jüd. Bekenntnis; an, einen Prozeß eben so gut zur Entscheidung bearbeiten kann, wie ein christlicher, da bei dergleichen das Bekenntniß Nichts, sondern nur die Wissenschaft und die Gerechtigkeit Etwas ausmachen. Freilich schmuggelt er bei dem Worte Lehrer das Wort „erziehen" ein, was etwas anders klingt als „unterrichten," da doch die meisten Lehrer nichts mit der Erziehung, sondern nur mit dem Unterricht zu thun ballen, wer wird aber so feit' schen? Ich sehe auch gar nicht ab, warum Herr H. beim jüdischen Lehrer stehen bleibt, und nicht auch den jüdischen Arzt, den jüd. Fleischer und Bäcker und sofort, bis zum Schreiner, der das letzte Häuschen macht, wo die Täuschung zusammenstürzt und der Egoismus sein Ende findet, für den Christen abthut? Wer kann dieses einem Manne verargen, der in seinem Unsinn so weit gehet, daß er es uns nicht wehren will, unsre eignen Obrigkeiten wieder zu ernennen. Hermes will es nicht wehren! das glaube ich, denn was vermag der,? Er frage aber einmal in Berlin nach, ob man uns wieder eigene Gerichtsbarkeit geben will, ein eigenes Steuerwesen, ff. denn was soll sonst „eigene Obrigkeiten" heißen — ich möchte es doch bezweifeln. Alles dies klingt so pudelnärrisch, und wie ein echtes Stück Mittelalter, daß kein Wort darüber zu verlieren ist. Aber eine Lüge oder ein Stück Unwissenheit dürfen wir ihm nicht durchlassen. Daß die jüd. Rabbinen in früherer Zeit auch die Gerichtsbarkeit übten, ist wahr und gar nicht unbekannt; sie standen auch damals, und im Oriente noch jetzt, im Rufe strenger Gerechtigkeitsliebe; daß aber die Juden, „wo sie von ihrem Gesetze abgefallen sind," sie ihnen entzogen haben, ist eine Lüge; denn 1) haben die europäischen Staaten die jüdische Gerichtsbarkeit aufgehoben und das jüd'ische Rechtannullirt, wie Preußen jene 1794, dieses 1812. 2) Haben die Juden da, wo die jüdische Gerichtsbarkeit noch erisiirt, gar kein Rechts sie aufzuheben, da sie ihr von Rechtswegen überwiesen sind. So haben sich in Altona schon viele Stimmen gegen die noch vorhandene jüd. Gerichtsbarkeit erhoben, aber sie aufznheben, hat nur der Staat das Recht. Aber Herr H. hat es' den Elberfeldern und Regensburgern abgelernt, den Juden stets ihren „Abfall von ihren Gesetzen" vorzuwerfen. Jene werden ihn auch schon als ihren Jünger freudig begrüßen, der Staat aber sich in Acht nehmen vor einem Manne, der geordnete Verhältnisse wieder in die alte Unordnung zurückwerfen will — wenn er könnte. So stehen wir denn abermals am Ende. Herr H. hat keine Fakta herangebracht, ja das herangebrachte hat sich als durchaus irrthümlich zu erkennen gegeben; aber er hat sich eine neue Zahl gehässiger Insinuationen und Widersprüche gegen alle Forderungen des Rechts, der Vernunft und der Zeit zu Schulden kommen lassen. Er hat gezeigt, daß er die Aufgabe der Zeit, die Religion von allen weltlichen Fesseln zu befreien, und den Religionssrieden und die Gewissensfreiheit zu vollenden, nicht begriffen; daß daher einem solchen Manne nicht begreiflich ist, wie jene Momente ihre letzte Befriedigung und Verwirklichung in der bürgerlichen Gleichstellung der Juden finden, und daß damit eines der Höchen Probleme der modernen Societät gelöst werde — versteht sich von selbst — ein solcher Mann sollte aber auch nicht das Wort über die Zeit, ihre Richtung, ihren Geist nehmen wollen! —