Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 506 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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506 urrngrn der Menschheit hegen könnten. Sei es mir erlaubt, mit wenigen Worten meine Ueberzeugung auszusprechen. Völlig auf dem Standpunkte der positiven Religion siebend, erkenne ich in dem Christenthum das Werkzeug der Vorsehung , einen bedeutenden Theil vom Inhalte der geoffenbarten israelitischen Lehre in die große Völkermasse zu bringen. Während also das Judenthum der Stamm, ist das Christenthum der große, weitreichende Ast, der die Gottesfrüchte der Offenbarung für einen großen Theil der Menschheit trägt, und reift. Denn war auch das göttliche Wort ursprünglich an Israel gerichtet so war es doch bestimmt, immer mehr und mehr die ganze Menschheit in der Entwickelung der Jahrtausende zu durchdringen. - Ich kann nicht verlangen, daß irgend ein christlicher Gelehrte diese Ansicht theile, man verlange aber von mir nicht, daß ich sie anders hege. Wie weit ab aber diese Ansicht von jeglichen Haß, um wie viel von tiefsten tödtlichsten Haffe steht, sieht Jeder leicht ein. Ich erkenne, was Großes und Herrliches das Christentbum geleistet, ohne ihm darum die Palme der ganzen Wahrheit zu geben. — Um so mehr kann ich also diesen tiefen todtlichen Haß einem Hermes zurückschieben und vindiziren. Wir sind der Gegenstand seines Hasses, und darum schiebt er uns Haß zu gegen das Heiligthnm Andersglaubender. Und so sehr ist er der Mann des Haffes, daß er uns Inden noch einen andern Haß zum Gesellschafter des Erstern insinuirt, und dicsesmal gegen ein altes, todtes Geschlecht. Meinen Haß gegen das Christentbum will er nämlich aus folgendem bervorspringen lassen. „Wir glauben dies aus dem Umstande schließen zu müssen, daß Herr Philippson in seinem Sendschreiben, indem ibm doch nach dem Zwecke desselben Alles daran gelegen sein mußte seine wabrc Gesinnung zu verbergen, dennoch so wenig Herr seiner selbst ist, daß er den seltsamen Satz aufstellt: „der Staat und das Gesetz ist noch keinen Zoll breit der Religion näher gerückt als bei Griechen und Römern." — „Näher? — fäbrt er fort, nein, vielleicht einen Schritt mehr zurück, denn die Römer haben die Religion nie zum Vorwand der Unterdrückung gemacht und Aegypter und Juden, obschon sie mit dem Schwerte in der Hand unterdrückt wurden, hatten das römische Bürgerrecht."! Rur der Haß gegen das Christentbum kann einen Juden so sebr verblenden, daß er alle die furchtbaren Verfolgunj gen, welche ferne Nation unter den Römern zu erdulden i hatte, vergißt, und den damaligen Instand dem gegenwärtigen verzieht, in dem er selbst sich nicht über viel! mehr zu beklagen weiß, als daß man die Juden nicht zu „Nachtwächtern und Professoren" machen, ihnen nicht überall die Freizügigkeit zugestehen will u. dgl. m." Welche unsinnige, gehässige Schlüsse! Zuerst soll ich den Zustand unter den Römern der Gegenwart vorziehen, weil die Römer den Juden das Bürgerrecht gegeben. Wo sage ich dies nur mit einem Worte? Ich sage nichts, als daß die Römer die Religion nicht zum Vorwände der Ausschließung vom Bürgerrecht gemacht, und diese anerkannte historische Thatsache, weil ich sie ausspreche, soll darum das Verziehen einer längst begrabenen Zeit vor der frischen lebendigen Gegenwart sein? Einen Vorzug nenne ich es allerdings, aber haben neben dieser einen Lichtseite nicht tausend anderweitige Schattenseiten gestanden, welche die Zeit der römischen Kaiser einen vernünftigen Menschen gewiß nicht zurückwünschen lassen? dann soll ich um des Haffes gegen das Christenthum willen den Haß gegen die Römer vergessen. Ich will es dem Herrn H. nur anvertrauen, er kann es auch, wenn er will, weiter sagen: ich hasse die Römer ganz und gar nicht; ich verabscheue viele ihrer Thaten, ich bewundere viele ihrer Werke, aber warum sollte ich einen lebendigen Haß auf die Trümmerstätte eines tobten Volkes pflanzen? Warum beruft sich nicht Herr H. auch auf meinen Haß gegen die Syrer, auf meinen Haß gegen die Babylonier, auf meinen Haß gegen die Affyrer, auf meinen Haß gegen Moab, Amalek, Mizrajim. Mein Gott! wie kann der Jude nur einen Bissen Brodes verdauen vor aller Galle! Mein Herr, alles hat seine Zeit und findet seinen Abschluß, und über Lausend Jahre hassen die Deutschen gewiß Napoleon nicht mehr; und dann: die Römer haben Jerusalem in offenbarem Kriege zerstört, aber jedes andere Volk hätte gewiß den schon, in allen andern römischen Staaten ansässigen Judengemeinden den harten Kampf fühlen lassen und sie mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Die Römer thaten es uicht, sondern ließen diese ruhig fortbestehen, und ertheilten ihnen das Bürgerrecht, welches erst Konstantin der Große 321 anzutasten begann, so jedoch, daß dennoch erst 124 Jahre später (439) das Werk der Intoleranz vollendet wurde (Cod. Theod. Lib. XVI. Tit.YIlI. Lex. III. und Leguin Novell. Lib. Tit. Iü.) So sind eö dennoch die Römer, welchen wir zunächst, wie den Untergang Jerusalems, so auch die Erhaltung unsres Stammes verdanken. Herr Hermes nimmt aber noch einen furchtbaren Anlauf, und schüttelt uns mit folgenden Worten ganz und gar ab: „Aber ist es Menschenbedrückung und Gewissenszwang, wenn wir Christen nicht wollen, daß unsere Kin-