Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 504 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225262--04607-3314207- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
504 geleugnet. Fould ist kein Vertreter der Juden in der - Deputirtenkammer, er ist ein Volksvertreter, der zufällig! ein Jude ist, und seine Frechheit, also im Namen der Juden zu sprechen, ist gebührend genug gezüchtigt worden. (S. Allg. Zeit, des Judenthums No. 3. 1841.) Ich kann aber Herrn H. viele Gegenbeweise geben, die sich nicht auf einen verlornen Posten wie Fould, sondern auf die ganze jüd. Masse stützen. Seit drei Jahren liegt ein Kultusreformentwnrf vor, und has Konsistorium kann ihn nicht durchsetzen, weil die Masse zu sehr widerstrebt; in Metz hat das Konsistorium abgedankt, weil es nicht einmal das „Schulenklopfe»" abbringen konnte, und so Vieles. Aber selbst wenn Herr H. recht hätte, hat er denn nur mit einem Worte den Konflikt gelöst, in den seine Logik geratben, als er den Holland. Juden ihre Zähigkeit in jüdischen Sitten, den franzos. ihren Abfall von diesen vorwarf? — Unseren Bemerkungen über den Stand der Dinge in England weiß er nichts entgegen zu setzen, als daß es eine „ansehnliche" Majorität im Hause der Lords gewesen, die die Bill verworfen. Wir wollen ihm diese ansehnliche Nachweisen: Unterhaus zweite Lesung für 137 gegen 24. dritte - 108 81. Oberhaus zweite . 49 47. dritte - (i4 98. Die Hoffnung aber, daß die Bill auch durch Oberhaus gehen werde, war so groß im Lande, daß vor der Entscheidung schon in Portsmouth ein Jude zum Gemeinderath gewählt, und in der City David Salomons aufgefordcrt wurde, sich um eine vakante Aldermansstelle zu bewerben. Ist dies für die herrschende Meinung in England noch nicht genug? Freilich citirt H. einige Worte des Bischosfs von Llandaff, wir könnten dagegen Worte Lord I. Ruffels zitiren, die dem Bischoff von Llandaff gegenüber wabrlich einiges Gewicht haben. Während' aber Hermes vergebens sich also abmüht das Böse, was er von den Juden ausgesagt zu bekräftigen, und zu erweisen: übergehet er alles das, was wir zu Gunsten der unter den Juden vorhandenen Sitttichkeitsmomenre herangcbracht, und zwar aus dem Munde des, Juden gewiß nicht sondern Staatsraths Hoffma nn: die Seltenheit der unehelichen Geburten, die Seltenheit der Ehescheidungen, die Mäßigkeit und Nüchternheit die selbst wie Hoffmann nachweist bedeutend längere Lebensdauer bei den Juden bewirkt, die Seltenheit brutaler Vergehen ff. Und darum wiederhole ich es heute: die Juden sind keine Tugendhelden und haben ihre Laster und Fehler, wie jede Masse, aber daß sie in weit überwiegender Mehrheit sittlich verwahrlost sind, ist eine Verleumdung des Herrn Hermes, die er bis dato völlig unerwieseu gelassen. Ich liebe es durchaus nicht, bloß den Lobredner zu machen, und übernehme ungern diese Rolle: aber es ist nicht bloß des Glaubensgenossen, es ist jedes gerechten Menschen Pflicht von einer großen Masse Erdenbrüder gehässige Verleumdung abzuwehren, nnd ans deren Urheber zurückzuwerfen, noch dazu, wenn hierauf Ausschließung und Beschränkung gegründet werden soll! Wir kommen nun zu dem raisonnireuden Theile des Hermesffchen Artikels. Hatte ich die Unhaltbarkeit seiner Gründe, das Gefährliche seiner Prinzipien nachgewiesen, welche offenbar die Gesetzgebung den Vorurtheilen und Leidenschaften der Menschen nnterordneten, als wenn jene nicht berufen wäre, diese zu zügeln und dem zu unterwerfen, was Religion, Recht und Vernunft verlangen; so begegnet er mir freilich mit „Seichtigkeit, Gemeinplätzen, Verdrehung ff." O, mau kennt ja die Herren Pietisten und Mystiker, die bei Allem, was der gerade Sinn und das klopfende Menscheuberz fordern und anerkennen, sich in den Mantel des Tiefsinnes verbergen, und ihre Gegner mit Oberflächlichkeit, Nichtigkeit und dergleichen abfertigen. Diese Nachtfalter erklären das Tageslichte für einfarbig und einseitig, und nur die Dämmerung für dies rechte Element des Lebens, wo Licht nnd Schatten sich mischen, das zuletzt eben — die Nacht übrig bleibt. Doch wir wollen Herrn Hermes nicht abermals folgen, sondern nur die Resultate zusammenstellen. 1) Herr Hermes giebt als Grund der Ausschließung an: „ein Bernunftstaat sei unausführbar" nnd „die Gesetze müssen .auf die Leidenschaften und Vornrtheile der Menschen berechnet sein" — also giebt er doch die Gleichstellung der Juden als eine Forderung der Vernunft zu, nnd die beschränkenden Gesetze als Folgen der Vorurtheile und Leidenschaften. Ich setze ihm entgegen: die Gesetze müssen das, was als vernünftig anerkannt worden, in Ausführung und Wirklichkeit zu bringen bezwecken, weit sie dadurch die Vorurtheile und Leidenschaften bezwingen. Je mehr die Menschheit in der geistigen Entwickelung fortschreitet, desto mehr kömmt es ihr zu, den Frieden und die Freiheit der Parteien nicht von ihrer äußeren materiellen Macht, sondern von Verständigung und Liebe bewirken zu lassen — sonst ist alle Intelligenz ein