Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 503 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225227-3225262--04606-3314206- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
503 Evangel. Kathol. Mosaische Bevölkerung Badens von ICH) 31,46 66,86 1,68. Bestrafte - 100 32,11 66,83 1,06. (Hitzigs Ännat. 1841. S. 435.) In Rheinhessen, wo unter 18 Menschen ein Jude ist, findet sich unter 50 Affisenfällen ein Jude, unter 30 zuchtpolizeilich Beschuldigten ein Jude. (Franks. Journ. vom 21. Juni a. c.) Im Großherzegthum Posen ist der 12—13te Mensch ein Jude, aber Ln dem Rawiczer Zuchrhause ist erst der 19te Mensch, im Kostener Korrektionshause der 28ste ein Jude. (Schlcs. Zeit. No. 97.) In Holland, dessen Juden Herr H. so sehr schmäht, existirt ein urkundliches Verzeichniß des Verhältnisses zwischen den christlichen und jüdischen Verbrechern, von dem Jahre 1780 an bis zum Jahre 1816, aus welchem erhellt, daß im Jahre 1780 die Zahl der jüdischen Verbrecher ungefähr TV bildete, als die jüdische Volkszahl jf betrug, Ln den letzteren Jahren aber bei allmähliger Abnahme, sie nur Vsbei einer jüdischen Bevölkerung von TV ausmachte. (Jost, Allg. Gesch. des Lsr. V. H. S. 504. der die Quelle anführt.) Alle diese Zahlen, die aus allen Ländern vielfach vermehrt werden können, was beweisen sie? Nichts, als daß die Beweisführung des Herrn H. eben so falsch, wie seine Verleumdung erwiesen ist! Ich hatte allerdings nur von den Juden in den westlichen Theilen Europa's gesprochen, in denen allein bis jetzt die Gleichstellung zu Wort und That geworden, ich hatte wörtlich gesagt: „Beweisen Sie, daß der Jude in Preußen, Deutschland, Frankreich, Holland, England, Dänemark ff. in weit überwiegender Mehrheit ff." — denn über deren Schicksal handelt es sich ja jetzt nur— nichts desto weniger droht mir Herr H. auch mit einem Feldzuge nach Rußland, Polen, Galizien und Ungarn. Was die Juden in Ungarn betrifft, so haben die ungarischen Reichsstände im vorigen Jahre ein vollgültiges Urtheil gesprochen, indem sie ihnen volle bürgerliche Freiheit votirren, wenn das Gesetz auch nicht vom-Könige resp. Kaiser sanktionirt worden ist. Die Juden in Rußland, Polen Galizien? nun, da müssen wol erst wahrhafte Gemälde der sittlichen Zustände der ganzen Volksmasse aufgestellt werden, um ein richtiges Urlheit auch über die Juden zu gewinnen, die Juden, welche in sittlicher Beziehung schon mehrere christliche Reisende, z. B. Schultens, über die dortige christliche VÄksmasse gestellt haben. Sie drohen mir zwar noch einmal, nämlich mit einem Buche von B. Meyer bei Manz in Regensburg — von diesem Buche und seinen offenbaren Motiven spricht es sich wol ein ander Mal. Dies ist demnächst Alles, was Hermes auf unsre Anklage verbringt, und kein nur irgend Unparteiischer wird ihn bis jetzt für freigesprochen halten. Jedweder aber bedenke, daß es leicht ist, Verdammungsurtheile über Dolksmassen zu schleudern, wie solch Thun aber mit Wahrheit und Gerechtigkeit, mit Menschenliebe und echter Religiosität übereinstimmt, auch das vermag ein Jeder einzusehen. Und weil wir mit dem Faktischen begonnen, so wollen wir Hermes zuvor auf diesem Gebiete noch vollends zurückweisen. Da wir ihm gezeigt, daß die Juden in Holland erst 1796 emanzipirt worden, entschuldigt er seinen Fehler damit, die Juden hätten vorher es gar nicht verlangt, als ob vor der franz. Revolution überhaupt ein Gedanke bürgerliche Gleichstellung zu verlangen, hätte aufkommen können, und diese bei dem Zustande der europäischen Gesellschaft vor dieser Epoche irgend eine Möglichkeit gewesen wäre! Was er aber auch gegen die Holland. Juden verbringt, die Thatsachen sprechen zu laut, als daß ein H. sie ersticken könnte: die lange Reihe der durch dre königt. Regierung ausgezeichneten Männer — auch ein Oberrabbiner (zu Zwotte) hat vor Kurzem den Löwenritterorden erhalten — die vielen Staatsbeamten und Juristen, die ganz vortreffliche Organisation der Schulen, die von der durch das Ministerium geleiteten Kommission seit Jahren bewirkt worden, die sich mehrenden guten holländischen Redner unter den israel. Geistlichen, die tüchtigen Soldaten, welche die holländ. Juden abgebcn ff. sie geben Beweise genug für den die holländ. Juden durchdringenden Volksgcist. Daß die Holland. Juden noch manches Eigenthumliche in Sitte und Brauch bewahren — nun, dies zeugt nur für die freie, ungestörte Entwickelung der Individualität in Holland. Findet denn gar kein Unterschied im Volksleben der Limburger und Flamländer statt, und hindert dies beide an echtem Patriotismus für das ganze> Vaterland, wenn es gilt? Soll der Mensch sein ganzes Ich aufgeben für den Staat, und könnte dieser je sein Heil in uniformirten chinesischen Puppen finden, an denen jede Spur einer selbstständigen Eigenthümlichkeit verwischt wäre? — Um zu beweisen, daß alle französischen Juden das ganze mosaische Gesetz bei Seite gelegt erinnert Hermes an die Rede Fould's in der Deputirtenkammer, wo dieser, bei der Frage wegen des Arbeitens am Sabat in Fabriken, die Juden gehören, die Verpflichtung der Juden zur Ruhe am Sabat