Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1842)
- Date
- 1842-08-20
- Page
- Seite 502 (sequence 2)
- Language
- German
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502 Ueberzeugung haben" — sagte Humboldt vor Kurzem Ln unserer Angelegenheit, dieser Muth seiner Ueberzeuguüg, oder dessen was er dafür ausgiebt, fehlt aber Herrn Hermes, und doch hätte dieser Muth bei unserm ehrlichen, offenen Aufruf, und der hinzugefügten Drohung ihm niemals fehlen sollen. Mein Herr! Sie waren der angrcifeude Theit, und da nun der Angegriffene sich zur Verteidigung und Abwehr erhebt, flüchten Sie sich hinter die Entschuldigung, uns schonen zu wollen? Sie charakteriflren sich dadurch als Bramarbas. Aber da ich doch einmal „in - meinem heiligen Eifer darauf bestanden, Fakta zu verlangen," — wollen Sie auch nicht abstehen und bringen — Folgendes: Sie begnügen sich, „die Thatsachen hervorzuheben, die vor Kurzem in einem halbamtlichen Blatte aus zuverlässiger Quelle angeführt wurden. In den östlichen Gebietsteilen des preußischen Staates, wo die große Mehrzahl der preußischen Juden ansässig ist, kamen im Jahre 1839 unter Hunderttausend zur Kriminaluntersuchung 381 Christen 539 Juden. Ln fiskalische Untersuchungen 159 - 496 - 540 - 1035 - Für Kriminaluntersuchung eignen sich — wie das angeführte Blatt bemerkte — die groben gemeinen Verbrechen, von denen bekanntlich Diebstähle bei Weitem die Mehrzahl ausmachen. Die fiskalischen Untersuchungen beziehen fich größtenteils auf Verletzungen der Steuergesetze, namentlich auf Schleichhandel und Unterschlagung der Abgaben von Gewerbebetriebe. Während bei Verbrechen und Vergehen dieser Art im Durchschnitte immer zwei Juden auf einen Christen kamen, stellte sich, wie wir, um der Wahrheit treu zu bleiben, nicht verschweigen dürfen, ein ganz anderes Verhältnis' bei den polizeilichen Untersuchungen heraus, denen zunächst alle Störungen der öffentlichen Ordnung so wie Fälle des Ungehorsams gegen polizeiliche Anordnungen anheim fallen. Hier kamen auf 202 Christen nur 157 Juden, so daß sich das Verhältniß wie vier zu drei herausstellte." Dies ist also Alles, was Sie Faktisches hervorbriugen konnten. Und Sie haben Glück mit Ihren Faktis: denn 1) während Sie Ihre Verleumdung unterm 6. Juli Ln die Welt schleuderten, bedienen Sie sich nachträglich eines Beweises, zu dem der Belag in der Pr. Staatszeitung erst den 15. und 16. Juli stand. Welch' ein Glück für Sie, denn Sie hätten sonst des einzigen Faktums entbehrt, bas Sie heranzubnngen sich begnügen, und welch' eine Spürkraft müssen Sie besitzen, daß Sie dm 6. Juli dieses Faktum vom 16. schon vorher gewittert! Aber dennoch welch' ein Unglück haben Sie mit Ihrem Faktum, denn 2) an demselben Tage, am 30. Juli, wo Sie dieses Faktum mit Triumpfgcschrei in die Welt stießen, wird Ln den Berliner Zeitungen erklärt, daß dieses Faktum ein Jrrthum sei, und Se. Exc. der Minister Mühler bekräftigt diese Erklärung mit seiner Unterschrift. Man bat nämlich bei obiger Zusammenstellung vergessen die ganz kleine Zahl von 162,447 Untersuchungen wegen Holzdiebstahls, Forst- Jagd- und Hütungs-Kontrav: dazu zu addiren, au welchen offenkundig die Juden das Minimum von Antheil gehabt. An der dadurch entstandenen Summe von 240,233 Untersuchungen haben die Juden 1997 Untersuchungen, was ca. yi-3ausmacht, während die Juden 7V der Bevölkerung ausmachen. Dies ist das wahre Verhältnis', und wie günstig ist dies Resultat für die Juden, die nunmehr Ln „weit überwiegender" Minderzahl zur Untersuchung gezogen worden! 3) Selbst aber, wenn Ihr — also falsches Faktum richtig gewesen wäre, was beweiset die Zahl der Untersuchungen, wenn nicht die der Verurtheilungen und das Verhältniß der Verbrechen untereinander, da in jenen Zahlen ein Mord der geringsten Steuerdefraudation gleichgestellt ist, hinzugefügt wird. Und um Ihnen zu beweisen, wie viel eine solche Aufstellung erweist, bitte ich Sie, sehen Sie diese noch einmal an. Daselbst zeigt sich, daß „sich ein bedeutendes Uebergewicht der evangelischen über die katholischen Untersuchungen herausflellt," daß, „während die katholische Bevölkerung der hier in Betracht kommenden Landestheile ungefähr der 2,327 Theil der evangelischen Bevölkerung ausmacht, doch auf dieselbe nur der 2,838 der eingeleiteten Untersuchungen kommt." Wollten Sie nun auf ganz gleiche Weise die evangel. Bevölkerung gegen die katholische in weit überwiegender Mehrheit sittlicher Verwahrlosung zeihen, und sie von den vollen bürgerlichen Rechten darum ausschließen? Sie werden hiernach zugeben müssen, daß Sie durch dieses Faktum den Schimpf unerwiesener Verleumdung von sich nicht abgewälzt haben. Ich habe Sie aufgefordert, die Kriminalstatistiken Baden's, Hollands ff. nachzusehen; ich thue es für Sie, und bringe einige Beispiele, die mir gerade zur Hand sind: