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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1842-08-13 · Heft 33 (13.8.1842) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
6 (1842)
Issue
Heft 33 (13.8.1842)
Date
1842-08-13
Page
Seite 497 (sequence 13)
Language
German
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497 Sohne gefangen genommen und genöthigt, der Krone zu entsagen. Wird ec also nicht auch zum Abschlüsse jenes Vertrages genöthigt worden sein? Wird er nicht, nach seiner Flucht aus der Gefangenschaft, als er zur Geltendmachung seiner kaiserlichen Rechte ein neues Heer gesammelt, jene Uebereinkunft als unfreiwillig erklärt haben? Wenn die Nürnberger Chronisten* **) ***)) behaupten, daß die Juden, welche heimlich dem Kaiser Heinrich V. ergeben gewesen seien die Stadt, welche dem alten Kaiser treu geblieben, verrathen haben, so hat diese Beschuldigung ihren Grund in dem Zeitgeist, der noch viele andere Verbrechen den Unglücklichen andichtete. Immer wurde ja der Mißmuth an dem wehrlosen Opferlamme Israel ausgelassen! Man wollte nicht glauben, daß Heinrich V. sie verschont und in den Trümmern zurück gelassen habe, aus dem Grunde, weil sie an Parteikampfen nie Antheil genommen, sondern nur, weil sie seine Plane befördert haben müssen. Keineswegs aber folgt daraus, daß damals noch gar keine Juden in der Stadt gewesen sind, denn wie hatte in diesem Falle sich ein solches Gerücht verbreiten, wie diese Verlaumdung Glauben finden können? Die historische Kritik hat die individuellen Ansichten der Chronisten von der Sachlage der mitgetheilten Begebenheiten zu prüfen; aber sie ist nicht berechtigt, zu erklären, daß, weil diese Ansichten auf gehässigen Vorurtheilen beruhen, die Thatsachen selbst nur Erdichtungen sind, so lange diese Meinung nicht auch von glaubwürdigen Urkunden oder Chroniken unterstützte wird. Daß aber Nürnberg damals zerstört wurde, ist, nach Martin Hofmann und allgemein als ein geschichtliches Ereigniß anerkannt, und daß die Juden die besten und schönsten, der Reichsburg nahgelegenen Plätze sich aneignen durften, spricht für die Angabe Wagenseils und Gundlings, daß sie, in Gemäßheit des vom Kaiser Lothar II. ihnen käuflich ertheilten Rechtes, die ersten Wiederaufbauer der Stadt gewesen seien, weit es ihnen unter andern Umständen gewiß nicht gestattet worden wäre, die besten Wohnplätze sich anzueignen, denn sobald die Chri¬ *) Gundling und Meisterlein. **) Dieses Vorbringen ist an und für sich unwahrscheinlich, da Heinrich IV. sehr gütig und gerecht gegen die Israeliten war. Vgl. Zemach David Th. Ü. Jahr 1090 und 1099. ***) Vgl. auch Zemach David Th. II. I. 1105. sten sich wieder erhoben und Einfluß gewonnen hatten, bewirkten sie bei dem Kaiser Karl IV., zufolge des von Würfel mitgetheilten Dekretes von 1349, daß die Judenhäuser niedergerissen werden durften, worauf ihnen die neuen Platze zum Anbau und Aufenthalte angewiesen wurden. Wenn Otto von Freisingen bezeugt, daß sich bei der zweiten Verfolgung zur Zeit der Kreuzzüge viele Juden nach Nürnberg zur Erhaltung ihres Lebens begeben haben, so kann deßhalb noch nicht behauptet werden, daß noch keine Gemeinde daselbst ansässig gewesen sei; es ist vielmehr anzunehmen, daß die Verfolgten ihre Zuflucht zu ihren Glaubensbrüdern genommen, von welchen sie gehört haben werden, daß sie unter dem Schutze der Staufen sicher wohnten. 'Die Israeliten suchten nicht nur Wohnplätze auf, in welchen Wohlstand und Gewerbsfleiß herrschte, sondern auch solche, in welchen sie gemeinschaftlich in feiernder Menge Gott verehren, und unter dem Schirme menschenfreundlicher Regenten in Frieden leben durften. Ja, es kann nicht einmal die Angabe Gundlings, daß schon im ersten Jahrhundert nach der christlichen Zeitrechnung einige Israeliten von Regensburg nach Nürnberg gekommen seien, mit Bestimmtheit zurückgewiesen werden, wenn man erwägt, daß sie unter den Imperatoren in allen Provinzen des römischen Reiches zerstreut gelebt haben. Zu den bewegenden Gründen, die den Kaiser Maximilian I. zum Erlasse des Verbannungsdekretes veranlaßen, dürfte noch ein Umstand, von diplomatischem Standpunkt aus betrachtet, gezählt werden. Es darf nämlich im Mittelalter der bei allen öffentlichen Angelegenheiten wirkende Einfluß der Priester nichr unberücksichtigt gelassen werden. In Nürnberg waren viele Klöster von verschiedenen Orden, deren Mitglieder durch ihre entarteten Sitten dem Volke zu Aergernissen, und dem Stadtrath zu Klagen in Rom Anlaß gaben. Schon regte sich hier wie an allen Orten eine innere Aufregung gegen die Mißbräuche der Kirche und das Benehmen der Geistlichkeit. Die Gemüther gährten von dem Geiste der von Arnold von Brescia, die Waldenser, Wiclif und Huß angeregten Kirchenreformation. Darum wurden alle Mittel angewandt, um die Volksstimmung zu besänftigen. Einige Jahre früher wurden die Regierungen von Spanien und Portugal veranlaßt, die Juden und Mauren zu verbannen, damit diese Staaten ganz für das römisch-christliche Interesse erhalten werden. So! suchte man auch die Nürnberger, die, wie beinahe alle

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