Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Seite 496 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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496 durch Eintracht ausgezeichnet, und mit wahrhaft religiösem Sinn das Gute zu befördern gesucht. Und. wo der Friede herrscht, da gedeiht die Wohlfahrt. Wir haben in einem Zeiträume von acht Jahren ein zweckmäßiges Frauenbad errichtet, den Friedhof vergrößert, und mit einer massiven Mauer umgeben taffen, einen Leichenwagen mit Behang, Decken für die Pferde, und Mantel für die Führer derselben beschafft, und endlich ein neues Gemeinde- und Schulhaus erbauet, so, daß für die äußern Bedürfniffe der Gemeinde hinlänglich gesorgt war. Jetzt ward es unsere höchste Ausgabe, für unfern Geist, namentlich aber für unsere in Religion fast gänzlich verwahrloste Jugend zu sorgen, zumal da wir langst die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß sich das Lehreramt mit dem Kantor- und Schachterdienst durchaus nicht vereinbart. Wir beschlossen, kein Opfer zu scheuen, und außer dem Letztem noch einen tüchtigen Lehrer und wo möglich zugleich Prediger zu engagiren. Wie schön bewahrte sich hierbei das Sprüchwort das Talmuds ib *p*,'C7:, nnüb. Der Herr krönte unser Vorhaben mit dem schönsten Erfolg. Wir ließen nämlich desfalls einen Aufruf in den Zeitungen ergehn; da wurde uns von einem hochgestellten christlichen Geistlichen ein Mann, Namens Kuttner, seiner Zeit in Sprottau, auf das angelegenste und mit der Versicherung empfohlen, daß er gewiß unfern Ansprüchen in jeder Beziehung genügen würde. Einer solchen Empfehlung Gehör zu geben, hielten wir für Pflicht, und herzlichen Dank jenem geistlichen Herrn, durch dessen gütige Mitwirkung unsere Gemeinde neu beseelt, und unsere Jugend neues Leben erhalten hat. Wir haben nun seit Michaelis v. I. an dem Herrn Kuttner einen Mann, der nur in seinem Beruf sein Glück findet; er besitzt die Gabe, der Jugend jeden Gegenstand aus die leichteste und gediegenste Weise in der kürzesten Zeit begreiflich zu machen, und höchst bewundernswürdig sind die Fortschritte derselben, wovon nach einem 4 V monatlichen Unterricht eine öffentliche Prüfung den klarsten Beweis gab. Nicht allein in Religion und Hebräischen, sondern in allen nöthigen Wissenschaften unterrichtet ec täglich 0 und 7 Stunden mit der größten Aufopferung, dermaßen, daß wir hierin ganz befriedigt sind. Außerdem erbaut er uns regelmäßig alle 14 Tage durch eine Predigt, ungerechnet der Fest- und Kasual-Reden. Auch hierin hat sich der Herr K. volle Anerkennung sowol Seitens seiner Gemeinde, so wie der gesummten hiesigen Geistlichkeit und vieler christlichen Einwohner, die häufig unser Gotteshaus besuchen, zu erfreuen. Seine Reden smo gediegen, und dringen in das Herz seiner Zuhörer. Auch den Gottesdienst hat er besser geregelt, ohne ihn zu schmälern. Sein Betragen ist anspruchslos, sein Wandel gottesfürchtig und streng, religiös, ohne dabei orthodox zu sein. Der Herr K. ist Rabbinats-Kandidat, studirt in den wenigen Stunden der Muße fleißig, und hofft in Jahr und Tag sein Examen zu machen, und sich 'ns'-nn mntt zu beschaffen, und wir sind es fest überzeugt, daß er einst als ein Licht in Israel glanzen wird. Die Gemeinde geht jetzt damit um, neue zeitgemäße Statuten und eine neue Synagogenordnung zu entwerfen, wo sie die in Braunschweig vom Oberlandesrabbiner genehmigte zu Grunde legen wird. Möchten doch unsere Schwestergemeinden baldigst unserem Beispiele folgen! —bb — Geschichtliche 'Jl&ik. Hechingen, 20. Juli. — In No. 22—24 teilten Sie einen in sehr humanem Geiste abgefaßten Bericht von Herrn Professor Richter in Erlangen über die ehemalige Judengemeinde in Nürnberg mit. Solche vorurtheilsfreien Forschungen verdienen unsre Aufmerksamkeit, und erlaube ich mir, folgende Bemerkungen zur Berichtigung und Ergänzung vorzutragen. Es sind nämlich drei Fragen zu erörtern: 1) Welches ist die Zeit der Ansiedelung der Israeliten in Nürnberg? 2) Welches sind dje Motive des kaiserlichen Berbannurrgsdekcetes? 3) Welchen praktischen Werth haben solche geschichtlichen Forschungen für die Emanzipationsfrage? In Beziehung auf die Zeit der Ansiedelung wird von Herrn Prof, Richter in Abrede gestellt, daß die Juden die Stadt an den belagernden Kaiser Heinrich V. im Jahre 1105 verrathen haben, denn Nürnberg sei auf Heinrichs IV. ausdrücklichen 'Willen an dessen Sohn Heinrich V. durch Vertrag übergangen, folglich. sei es auch damals nicht verbrannt, noch die Einwohnerschaft theils niedergehauen, theils zersprengt, noch den allein zurückgebliebenen Juden dadurch Gelegenheit gegeben worden, die Stadt für sich wieder aufzubauen und die schönsten Platze für sich anzueignen. Man müsse daher als Zeit ihrer Ansiedelung die beiden ersten großen Judenverfolgungen j in Deutschland, von 1090 und 1136—1146, annehmen, j Dieser Schlußsatz scheint jedoch nicht richtig zu sein,! denn im Jahre 1105 wurde Heinrich IV. von seinem