Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Seite 495 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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495 abgebüßt werden. Wie nachsichtig man auch in Beziehung auf die fleischlichen Vergehen denken möge, so wird man doch am Ende nicht leugnen können, daß die ganze - bürgerliche Gesellschaft auf der Zucht und Keuschheit der! Familie beruht. Und so dürfen wir es wol auch als eine! anerkannte Thatsache anführen, daß diejenigen Tugenden, : welche den häuslichen Heerd gründen und schirmen, Sittenzucht, Mäßigkeit, Sparsamkeit, noch heute ein Erb- I theil der Juden sind. Die bösen Makel und Laster aber, die sie aus dem Kampfe mit der Zeit davongetragen, hat . eine mildere Zeit zum Theil wieder ausgeheilt und von! neuem bewährt, daß der politische Fortschritt mit dem der Sittlichkeit Hand in Hand geht. Berichte über den Stand des Kultus. Hannover, 29. Juli. (Privatmitth.) Auch hier ist ein Schritt in der Veredlung des Gottesdienstes geschehen, indem am nnö Ehorgesang eingeführt worden. Der aus 24 Personen bestehende Chor hat seinen Sitz auf 4 Reihen roth überzogener Bänke hinter der Tribüne genommen. Es ist deshalb folgende Bekanntmachung erschienen. „Der hiesigen israelitischen Gemeinde wird hiemr't eröffnet, daß zufolge eines Beschlusses des Vorstandes und der Kultus-Kommission, vom nächsten Sonnabend an, unter unveränderter Beibehaltung der herkömmlichen Gebete, Choralgefänge an Sams- und Festtagen, in der Synagoge eingeführt werden. Damit nun die, heilige Regungen hervorrufende, feierliche Stille nicht gestört und die Harmonie der Gesänge nicht unterbrochen werde, ist jeder in der Synagoge Anwesende gehalten, bei allen Gebetstücken, wobei der Vorsänger oder der Choc wirksam ist, weder vornoch mitnoch nachzusingen, sondern dem Chore ganz leise zu folgen, bei keinem Gebete aber in einem lauten oder gar Geräusch machenden Tone sich vernehmen zu lassen. Zugleich erwarten wir von dem frommen Sinne der Gemeinde, daß alle in der Synagoge Anwesenden, in drs Männer- oder Frauen-Abtheilung, immer mehr und mehr sich beeifern werden, den Bestimmungen der Synagogen-Ordnung vom 17. September 1837 pünktlichst nachzukommen, und jede die Andacht unterbrechende Störung, namentlich durch lautes Hereintreten in die Synagoge, Sprechen über Gegenstände, die zum Gottesdienste nicht gehören, Zulassen von Kindern, die das fünfte Jahr noch nicht erreicht haben, oder durch Verlassen der Synagoge, ehe der Gottesdienst beendigt ist, möglichst zu vermeiden, damit auch die beiden, über Ruhe und Ordnung wachenden Herren, nicht kn die Notwendigkeit gerathen, dem ungebührlichen Verhalten im Gotteshause, durch strenge Rügen und gesetzliche Strafen ernstlich zu begegnen. Hannover, den 18. Juli 1842. , Namens der Kultus-Kommission, Dr. Adle r." Witterschtick (im Kreise Bonn), 25. Juli. (Prkvatmitth.) Ein erfreuliches Zeichen ächter Religiosität ist es, wenn man bemerkt, wie selbst kleinere Gemeinden auf der Bahn geistiger und sittlicher Verbesserung fortschreiten. So fand am verwichenen Schebuotfeste in hiesiger Dorfgemeinde, welche etwa 15 Familien zahlt, die Konfirmation von 4 Knaben und 2 Mädchen in der geschmackvoll dekorirten Synagoge Statt. Auf Anregung des für Alles Erhabene wahrhaft beseelten und zu diesem Zwecke kein Opfer scheuenden Vorstehers, Herrn Abraham Levy erhöhte der Lehrer das Interesse des Tages noch durch eine der Feier angemessene Predigt, welche auf alle Gemüther großen Eindruck gemacht. Zu unsrer großen Freude ist dort sowol wie in den ebenfalls kleinen Gemeinden Poppelsdorf und Beuel das Hamburger Gebetbetbuch, trotz dem zelotischen Eifer unsers Oberrabbiners, eingeführt. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin dem Herrn Vorsteher, der sich um die hiesige Gemeinde vorzüglich. durch Verbesserung des Schulwesens so sehr verdient gemacht, im Namen der Mitglieder derselben öffentlichen Dank auszusprechen. Möchte doch Bonn, der Hauptsib des Rabbinats, sich daran ein Beispiel nehmen, und die jetzt auch dorr durch die ehrenwecthen Herren I. Wallerstein und H. Wetzlar in Anregung gebrachte, der Zeit ensprechende, Umgestaltung der religiösen Institutionen recht bald ins Leben treten lassen. ... Q* Schwedt, 28. Juli. (Privatmitth.) Die Angelegenheiten unserer kleinen Gemeinde dürften wol einige Spalten Ihres geschätzten Blattes auszusüllen, nicht für unwürdig befunden werden. Wenn auch nur einige und zwanzig Mitglieder stark, hat sich die Gemeinde stets