Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Seite 491 (sequence 7)
- Language
- German
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491 von diesen einzelnen ungünstigen Fällen aber den Stab über die Gesammtheit zu brechen gewohnt sind, weil sie die edleren Bestrebungen und die schönen und guten Seiten meiner Glaubensbrüder nicht kennen,— ungünstig gestimmt werden und, wiewol ihr biederes Herz und die innige Ueberzeugung, daß wir fast in keiner Beziehung unfern christlichen Mitbrüdern nachstehen, dagegen sind, dennoch sich nicht zu unseren Gunsten aussprechen. So betrübend dies auch für uns ist, deßungeachtet werden wir wenigstens das Unsrige thun und, wie sich auch immerhin-unsere Verhältnisse gestalten mögen, ohne unsere Mängel und Fehler zu verkennen oder auch nur zu verschweigen, das Bewußtsein eines edcln Strebens nach dem Bessern in uns bewahren; dann wird uns auch die Anerkennung des Guten nicht fehlen und wir werden uns so immer mehr der Achtung und Liebe unserer Mitbrüder, der Gunst unserer Vorgesetzten und der Gnade und des Rechts von Oben herab zu erfreuen haben. Damit diese aber immer größer und fester werden, ist Nichts wünschenswerther, als daß die jüdischen Zeitschriften und Zeitblätter mehr von Christen gelesen werden, wodurch alle eine vortheilhaftere Meinung von uns gewinnen werden; und ich empfehle zu dem Ende vor Allen die „Allgemeine Zeitung des Judenthüms" von vr. Philippson in Magdeburg, ein sehr populäres, freies und unparteiisches Blatt, das während seines mehr denn 6jährigen Bestehens den wohlthätigsten Einfluß auf die Bildung der Juden ausgeübt hat; dann die „wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie" von vr. A. Geiger in Breslau, namentlich für die Herren Theologen, denen dadurch ein nicht unwichtiger Aufschluß >aber die israelit. Religion gegeben wird, und endlich für die Herren Rechtsgelehrten und die Gebildeten die längst als klassisch berühmten Schriften des vr. Rießer, insbesondere das kürzlich erschienene zweite Heft seiner „jüdischen Briefe."— Und nun erlaube ich mir noch schließlich di.e bescheidene Bitte auszusprechen: Möchten besonders die verehrten Landtagsabgeordneten, denen laut Zeitungsnachrichten die neue Organisation der Juden zur Berarhung vorgelegt werden soll, eine noch größere Kenntnißvon den Verhältnissen und Fortschritten der Juden sich durch diese Schriften zu verschaffen suchen; möchten diese edlen Männer bei diesem ihrem heiligen Geschäfte doch bedenken, daß das Wohl und Wehe, das Glück und Unglück von 200,009 im Ebenbilde Gottes erschaffenen und ihrem Vaterlande und König treuen Menschen auf viele Generationen hinaus von ihnen abhängt. „Gott, der da Herz und Nieren prüft, vergeltet Jeglichem nach seinem Thun!" Berlin, 30. Juli. Die heutigen Berliner Zeitungen enthalten folgenden Artikel. In einem in No. 195 der Allgem. Preußischen Staatszeitung aufgenommenen Artikel ist davon die Rede, daß „in Folge amtlich beglaubigter Angaben, unter der gleichen Anzahl christlicher und jüdischer Bewohner desselben Staats durchschnittlich gleichzeitig beträchtlich mehr von diesen, als von jenen, wegen Verbrechen und Vergehen in Untersuchung gerathen. „Diese Thatsache selbst, heißt es dort weiter, ist außer Zweifel." Da wir schon vor einiger Zeit in Erfahrung gebracht hatten, daß das genannte ungünstige Verhältniß als unzweifelhaft beglaubigt angenommen werde, so erschien cs uns als dringende, unabweisliche Pflicht, uns mit den Materialien bekannt zu machen, die jener Behauptung zu Grunde liegen. Wir fanden, daß die angebliche Thatsache keincsweges feststehe, daß sie vielmehr, abgesehen von den, auch in der Staatszeitung angeführten. Erklärungsgründen, aus einer irrthümlichen Zusammenstellung und Beurlheilung amtlicher Zahlen hervorgegangen sei. Dieses Ergebniß haben wir uns erlaubt, Se. Excellenz dem Justizminister Herrn Mühler, und Se. Exceilenz dem Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, Herrn Eichhorn, vorzulegen, und haben von Se. Excellen; dem Herrn Justizminister, in Berücksichtigung unserer in der Anlage mitgetheilten Denkschrift, das nachfolgende hohe Reskript erhalten: Die von Ihnen unterm 8. d. M. eingereichte Abschrift Ihres an den Herrn Minister der geistlichen, Unterrichtsu. Medizinal-Angelegenheiten gerichteten Schreibens nebst einer Denkschrift: betreffend die Behauptung, daß die Juden an den im Preußischen Staate begangenen Verbrechen einen verhaltnißmäßig größeren Antheil haben, als der übrige Theil der Bevölkerung, habe ich empfangen und aus dem Inhalt der Denkschrift entnommen, daß Ihre Erklärungen der anscheinend überwiegenden Betheiligung der Juden bei den vorgekommenen Verbrechen, größtentheils mit den Ergeb-