Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1842)
- Date
- 1842-08-13
- Page
- Seite 487 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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487 durch und aus, und stoßen daher wenig oder gar nicht zusammen. — — Es sollte dies nur eine kurze Skizziruug des Ln der Tiefe liegenden geistigen Verhältnisses sein, aus welchem sich tausend Konsequenzen ergeben, die ein ander Mal wol zur Sprache kommen. Zeitungsnachrichten. Holland. Von der holländischen Grenze, II. Juli. (Privatmitth.) Vor Kurzem erhielt Herr Oberrabbiner Herzfeld in Zwolle den Ritterorden vom Niederländischen Löwen. Italien. Mantua, 22. Juli. (Privatmitth.) Wo viel brennbarer Stoff zusammengchäuft ist, bedarf es nur eines kleinen Funken, um in Helle Flamme aufzulodern. Schon längst hegten die christlichen Bewohner Mantua's den bittersten Haß im Herzen gegen ihre jüdischen Mitbewohner, weil diese durch Thätigkeit und Geist beinahe den ganzen Handel jenes bedeutenden Platzes an sich gerissen hatten. Daß dieser Haß von jüdischer Seite nicht ganz unerwiedert blieb, geht nicht nur aus der Natur des menschlichen Herzens, sondern auch daraus hervor, daß während überall die Juden den Christen sich anzuschließen streben, und von diesen zurückgewiesen werden, die.mantuanischen Juden sich selbst ausschließen, und einer Gleichheit nur in politischer, nicht aber in gesellschaftlicher Beziehung, jener aber um so eifriger nachstreben. Diese politische Gleichstellung suchten sie auch im Vereine mit den übrigen Juden des Lombardisch -venetian. Reichs beim Throne nach, wurden aber zurückgewiesen. Dieses gab dem Hasse der christlichen Bewohner Mantua's eine erwünschte Gelegenheit ihr Gift auszulaffen, Spott- und Stichelreden waren an des Tages Ordnung, und der Geringste nahm es sich gegen den Vornehmsten und Angesehensten heraus. Da aber die Beleidigungen kein williges Ohr, so fanden sie auch nicht stumme Zeugen, und die Erbitterung nahm mit jedem Tage zu, bis endlich ein für sich unbedeutendes Ereigniß die Gelegenheit zum Ausbruche gab. Am Morgen des Mittwochs, 29. Juni, hatten im militärischen Kaffeehause zwei junge Menschen, ein Christ und ein Jude, Händel, die erst mit Worten angefangen, bald in Thätlichkeiten ausarteten, und ungeachtet bisher nicht ausgemacht zu sein scheint, wer von Beiden zuerst die Hände gebrauchte, so scheint dieß doch gewiß, daß Letzterer eher tapfer als feige sich betrug. Eine allgemeine Gährung unter den Christen, woran aber nur der höhere und der Mittelstand Theil nahm, war die Folge davon, und des Abends würden alle Juden, so sich auf der Gasse befanden, angefallen und geprügelt, diejenigen ausgenommen, die den guten Beinen ihre Rettung verdankten, bis endlich die erschienenen Wachen der Verfolgung ein Ende machten. Einige aber hatten sich tapfer gewehrt, und dieß gab zu neuem Anlauf am folgenden Tage Anlaß. Am folgenden Tage, den 30sten, dräng eine aufrührerische Menge, denn heute war auch der Pöbel mit Hoffnung auf reiche Beute und Plünderung ausgewiegelt worden, in die Judengassen, zischte, lärmte, tobte, und damit nicht zufrieden, schlug und mißhandelte auch die ruhigen Wanderer, so daß die Juden sich gezwungen sahen die Gewölbe zu schließen und sich in die Häuser zu verkriechen. Gegen Abend vermehrte sich der Haufen so sehr, daß er sich unterstand gegen das schützende Militär Steine zu werfen, die befehlenden Offiziere zu schlagen und selbst einige Gensd'armes zu entwaffnen. Leider wollte der Zufall daß wenig Militär da war, und das wenige sich nicht anders zu helfen wußte, als daß es auf die Menge feuerte. Dieß erbitterte nur die schon regen Gemüther, so daß am Freitag der aufrührerische Hausen sich nur vermehrte, und einige boshaft ausgesprengte Geschwätze es dahin brachten, daß von Seiten des Militärs abermals auf die Menge gefeuert wurde. Den Samstag standen sich die Parteien gegenüber, und des Abends wurde einer der Platzkommandanten hart mitgenommen. Am Sonntag drang der Pöbel, von den hinzugekommenen Dorfbewohnern der Umgegend verstärkt, in die innersten Höfe der Judengassen, zerbrachen mitSteinwürsen die Fenster und droheten die Hausthüren zu erbrechen, die Häuser zu bestürmen und zu plündern, ein Blutbad anzurichten. Aber je größer die Roth, desto näher Gott. Gegen 12 Uhr kam ein ungarisches Regiment an, mit einem General ander Spitze, der sogleich die besten Maßregeln nahm, einen Kor-