Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1842)
- Date
- 1842-08-06
- Page
- Seite 480 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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480 Kaum 4 Wochen nach Entstehen des Vereines trug er schon hoffnungsvolle Früchte. Es ist bekannt, daß trotz dem Standpunkte der hiesigen Denkungsart der deutsche Schulunterricht in Ungarn zuerst hier seinen Aufschwung erhielt. Die Bemühungen eines W. Breisach und vorzüglich des jüngst dahin geschiedenen A. Kohn selig. Angedenkens für das Einführen richtiger deutscher Aussprache im Unterrichte führten, die Entstehung der jetzigen königl. israel. Primär-Hauptschule herbei, eine Wohlthat, die von vielen Preßburgern ebenso übersehen wird, als der Gesättigte (?) gleichgültig die vor ihm stehende Speise betrachtet. Höchst kritisch waren die Verhältnisse der fast gar nicht fondirten Schule. Da traten mehre Mitglieder des Kasino-Vereines dem Aufrufe zweier Schulvorsteher folgend, auf und machten sich anheischig durch kräftige Mithülfe sowol für das Aufblühen der wirklich zum Thcil sehr vernachlässigten Lehranstalt besorgt zu sein, als auch für Deckung eines jeden vorkommenden Desicits zu bürgen. Das gute Beispiel zog recht bald ein zweites nach sich, denn alsbald machte der Verein den Vorschlag, zur Gründung einer israelit. Kinderbewahranstalt zu schreiten. Wer die Ueberfüllung der hiesigen Gemeinde von Familien kennt, deren Väter und Mütter früh Morgens, um Brod zu erwerben, ausgehen, oft nicht vor spätem Abende heim kehren, und da weiß, daß es diesen unmöglich sei, selbst oder durch Dienstleute ihren verlassenen Kindern die nöthige Pflege angcdeihen zu lassen, wird auch recht bald die Ursache der vernachlässigten Sprache, Haltung und Reinlichkeit der Kinder zu motiviren wissen, und sich nicht wundern, daß in manchen Lehrbüchern mit Recht angeführt wird: diese und jene Ausschlagskrankheit sei größtentheils bei den gemeinen Israeliten zu Hause. All dem würde hierdurch einewohlfondirtc und zweckmäßig eingerichtete Bewahranstalt abgeholfen, und mit einem Schlage die Volksbildung und Gesittung eine andere werden. Der öffentliche Aufruf erging, die Mitglieder des Vereines subskribirten nach Kräften; doch stellte es sich alsobald heraus, daß wohl für ein oder das andere Jahr die Anstalt eröffnet werden könnte, doch wenn nicht besondere Hilfe käme, für eine fortwährende Dauer nicht die geringste Hoffnung sei; die Mächtigen und Reichen des Ortes schüttelten die Häupter und zogen sich zurück, kein Wunder, daß hierdurch im Vereine selbst Abspannung und Trostlosigkeit die Folge war, um so vielmehr, da der schwankende Stand der) nicht fondirten Hauptschule und der noch immer nicht kreirten Mädchenschule allhier den Vereinsvorstche.rn die Lehre gab, keine neue Anstalt ohne Fond entstehen zu lassen. — Doch die Hilfe kam schleunig, sie kam von Oben, der Herr sandte einen Helfer in der Noth. Herr Hermann Tedesco, Banquier aus Wien, von unseren Wünschen unterrichtet, den guten Eifer der Unternehmer und die ewige Wohlthat für Preßburgs Gemeinde wohl erwägend, erschien als der Auserwählte des Herrn für Veredlung der Volksbildung in Israel, ein in unseren und den Herzen unserer Nachkommen sich ewig bleibendes Denkmal inniger Verehrung und Liebe zu setzen; mit fürstlicher Großmuth subskribirte er augenblicklich die höchst bedeutende Summe von 25,000 fl. W. W. zum Ankäufe einer Realität auf ewige Zeiten, seine edle Mutter, dem erhabenen Beispiele folgend vermehrte sie mit einer namhaften Summe, und dessen Gattin nahm ohne Zögern die Stelle einer ersten Protcktorin dem dringenden Ansuchen einer eigens dazu abgesandten Deputation nachgebend, an. Möge der Oeffentlichkeit ein so seltenes herzerhebendes Beispiel in diesen Blättern und der Nachwelt übergeben werden, möge ein Zeder in Israel durch regen Eifer und Streben für Fortschritt und Veredlung sein Schärflein beitragen, so ist die Zeit unserer Erlösung gekommen und Palästina in unserem Vaterlande. Ihr aber, edle Menschenfreunde, vergebet, wenn ich Euere im Stillen verübte Wohlthat veröffentliche; empfanget meinen heißen, innigen Dank, und den meiner Mitbrüder; das Lallen der Bewahrten, das Gebet so vieler wohlerzogener Kinder gelanget zu den Stufen des himmlischen Thrones, und trage nach langer Zeit verklärt Euch in das Himmelreich, das Ihr erworben. Smcerus. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 18. Juli. Angekommen. j(Hamburger Gebetbuchstreit.) 1. Verketzerung und Gewissensfreiheit. Ein zweites Votum in dem Hamburger Tempelstreit, mit besonderer Berücksichtigung der Erwie-