Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1842)
- Date
- 1842-08-06
- Page
- Seite 478 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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478 „Den verehrten Herren Aeltesten und Vorstehern der Judenschaft hier." In Beantwortung der mir zugekommenen verehrlichen Zuschrift vom gestrigen Tage, kann ich mein Bedauren nicht unterdrücken, einen Aufschub der zum heutigen Tage stattsindenden Loosung der Wahlmänner unmöglich zu sehen. Indem ich aber meine feierliche Zusage geleistet, die mir aufgetragene Funktion eines Wahlkommissarius zu übernehmen, will ich hiermit, auch meine Bereitwilligkeit erklären diese Funktion heute pünktlichst zu erfüllen; in der Hoffnung daß Gottes Rathschluß die dunkeln Loose leiten und die Gewählten zur Ehre seines Namens und zum Heil unserer Gemeinde Beschlüsse fassen mögen. Ich halte es jedoch für meine Pflicht, wiederholentlich und zur Abwehr jedes möglichen aus diesem so schnellen Schritte hervorgehenden Zerwürfnisses, die Erklärung hier niederzulegen, daß es meiner Ansicht widerstrebt, einen so wichtigen Akt vorzunchmen, ohne vorher den Gemeindegliedern Gelegenheit zu lassen, über diesen wichtigen Schritt ihre Meinungen einem Wohllöblichen Vorstande mittheilen zu können. — Die Wahl selbst betreffend stimme ich ganz Ew. Wohlgeboren Ansichten bei, daß sie unbefangen geschehen kann und hoffentlich geschehen wird; allein sie würde noch unbefangener aussallen, wenn die sämmtlichen Mitglieder und unter ihnen die durchs Loos bestimmten Wahlmänner, bevor sie gewählt werden, ohne den Anschein von Wahlumtrieben, die Ansichten auszutauschen Zeit und Gelegenheit hätten. Diesen meinen Bedenken könnte ich noch manche hinzufügen, die die kurze Zeit kaum anzudeuten gestattet, wünsche jedoch diese Zeilen nochmals mit meinem Gebet an den Allmächtigen zu schließen, daß Seine Hand die schwache Hand leiten möge, die ich heute, nach 22jährigcr Amtsführung biete, das zu fördern, was jetzt in den Gemeinden unsers Vaterlandes fehlt, den Frieden und die Ruhe. "i roid '■'i-p!n2 Berlin, 21. Juli 1842. Hochachtungsvoll gez. Oettinger. So sehen wir diesen würdigen Greis, dem der Friede der Gemeinde theurer ist als seine eigene Existenz und Ehre, in dem festen Vertrauen, daß Gott das Loos dessen Erfolg keiner weiß, leiten wird, daß fromme und gottesfürchtige Männer an der Spitze der Gewählten stehen werden zu dem Werke schreiten. In der That liegt der Erfolg in Gottes Hand! So weit sichs absehcn läßt, kann Niemand auch nur mit einiger Gewißheit sagen, wer zu diesem wichtigen Amte hierher berufen wird. — -So eben unterbricht mich folgende Nachricht: Der Wahlakt oder besser die Loosung hat mit aller Ruhe stattgefunden, und wir bemerken mit Freuden unter den Gewählten sowol Männer von Kenntniß als von anerkannter Rechtlichkeit und Moralität. Freudig dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß sie die schwierige Aufgabe die ihnen durch das Loos gestellt ist, zur Wohlfahrt unserer Gemeinde lösen werden und ihre Wahl ganz den mannichfachen Bedürfnissen entsprechen wird, die bei einer solchen in der heutigen Zeit, für eine so große Gemeinde fühlbar werden. Wohl uns, wir können in Betracht unsers Vorstandes, der den Forderungen der Zeit Gültigkeit zu verschaffen strebt, wie in Betracht unsers Rabbinats, das sich auf den Standpunkt des positiven historischen alten Judenthums befindet, die Worte nicht ausrusen, die wir schmerzlich der zweiten Gemeinde unsers Vaterlandes zurufen müssen: 'trsna hplnBNM d» m Berlin, 21. Juli. (Privatmitth.) Rach dem, in No. 26. Ihrer beliebten Zeitung mitgetheilten Auszuge eines Aufsatzes in der Königsberger Zeitung vom 6. Juni, behauptet dessen Verfasser, um seine Meinung zu bekräftigen, daß für jüdische Kinder die Errichtung besonderer Elementarschulen unnöthig sei, daß vielmehr dieselben an den christlichen Schulanstalten Theil nehmen können, Folgendes: „Der Religionsunterricht in unfern Schulanstalten sei durchaus kein so vorwiegendes Element, daß nicht Anhänger verschiedener Religionsparteien, in derselben Anstalt vereint sein könnten." Der Vorschlag jenes Verfassers kann doch aber nur' dann Anklang finden, wenn für die Anhänger verschiedener Religionsparteien auch verschiedener Religionsunterricht ertheilt wird. In denjenigen christlichen