Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1842)
- Date
- 1842-08-06
- Page
- Seite 477 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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477 Gemeinde, durchs Loos 32 Gemeindemitglieder bestimme, die die Stelle einer vollständigen Wahlkommission einnehmen sollen. Ich verkenne die edle Absicht nicht die in diesem ehrenvollen Austrage für mich liegt, halte jedoch den Schritt für zu wichtig und in seinen Folgen für unsere Gemeinde, ja vielleicht für sämmtliche Gemeinden unsers Vaterlandes für zu unberechenbar, um jenen Auftrag so schnell, bevor in der Gemeinde überhaupt, deren Wille in der Wahl repräsentirt werden soll, davon volle Kenntniß genommen, zu vollziehen. Gern bereit den Auftrag zu erfüllen, sobald meine Thätigkeit wünschenswerth scheint, um sowol gewissen Zweifeln zu begegnen, wie den Frieden in unserer Gemeinde zu fördern, bitte ich einen Aufschub des ganzen vorzunehmenden Wahlaktes von mindestens vierzehn Tagen veranlassen zu wollen, während welcher Zeit den Mitgliedern der Gemeinde die Kenntnißnahme des wichtigen Schrittes möglich sein wird, und die durch das Loos Gewählten im Allgemeinen in den Zuständen, Wünschen und Hoffnungen überhaupt eingeweiht sein können. Indem ich bitte einen Wohllöbl. Vorstand der Gemeinde mit diesem meinem Beschluß bekannt zu machen, ersuche ich, die feierliche Versicherung hinzuzufügen, daß ich mich durchaus der Uebcrnahme jenes ehrenvollen Amtes eines Wahlkommissarius, unterziehe, und nur aus dem obigen Grunde und weil mir eine solche Eile eines so wichtigen Aktes nicht würdig scheint, den Aufschub verlange. Berlin, 20. Juli 1842. Hochachtungsvoll gez. Oettinger." (Abschrift dieses Briefes ist zu den Akten des Gemeindevorstandes verabreicht.) Diesen würdigen und eindringlichen Worten entgegneten die Aeltesten und Vorsteher in triftiger und überzeugender Sprache Folgendes: „Auf die an die mitunterzeichneten Aeltesten Kommerzienrath Meyer und Gemeindevorsteher Hirschfeld unter dem heutigen Tage gemachte und uns in Abschrift mitgetheilte Anzeige benachrichtigen wir Ew. Ehrwürden, daß wir keinesweges die Absicht haben, den Wahl-Akt in Bezug auf den zu wählenden Rabbiner zu übereilen. Wir müssen Ew. Ehrwürden im Gegentheil ausdrücklich bemerken, daß es unser Wille war und ist, von dem Bevorstehen der Wahl die einzelnen Mitglieder der Gemeinde gehörig in Kenntniß zu setzen. Zu dem Ende halten wir es für angemessen und nothwendig, das Wahl-Kollegium so zeitig als möglich, nach Inhalt der Allerhöchsten Kabinetsordre vom 20. Mai c. zu bestimmen, damit wir den Mitgliedern der Gemeinde die Personen, aus welchen das Wahl-Kollegium gebildet sein wird, namhaft bekannt machen können. In Gemäßheit der gedachten Allerhöchsten Kabinetsordre soll der Wahl-Termin mit achttägiger Frist anberaumt und die Einladung an die Mitglieder des Wahl-Kollegiums zu derselben erlassen werden. Wir werden wahrscheinlich diese Frist noch um etwas verlängern; desto nothwendiger ist es aber, die 32 Männer recht bald durch das Loos zu bestimmen. Die mehrerwähnte Allerhöchste Kabinetsordre verordnet, daß das Loosen der 32 Männer in Gegenwart der sogenannten 1» Männer, wie auch der beiden Rabbinats-Assessoren geschehen soll. Diese Personen deren Gegenwart bei dein Akte des Loosens erforderlich ist, sind bereits zu morgen eingeladen und haben die Einladung angenommen. Wir zweifeln daher nicht, daß auch Ew. Ehrwürden Sich morgen (Donnerstag) Nachmittags um 4 Uhr, wie durch das ergangene Cirkular Ihnen bereits bekannt gemacht worden, auf der Gemeindestube einfinden werden, damit die Vorbereitungen zum Wahl-Akte, wie wir wünschen und festhalten werden, in der vorgeschriebenen Weise und in Ruhe stattsinden. Berlin, 20. Juli 1842. Die Aeltesten und Vorsteher der Judenschaft. gez. Meyer, Joel Meyer, Veit, Muhr, Lehmann, Hirschfeld, Benda. An den Rabbinats-Verwalter Herrn Rabbiner-Assessor Oettinger. Ehrwürden." Nach mehrfachen mündlichen Konferenzen der Vorstandsmitglieder mit dem Herrn Rabbinatsverwalter erließ derselbe heute folgenden Bescheid: 32